Die Wissenschaft kann das Universum erklären, ohne dass es eines Schöpfers bedarf. Stephen Hawking

Google Plus – minus mich

Alle dem Internet zugeneigten Menschen waren diese Woche zu Google+ eingeladen. Wirklich alle? Nein, ich nicht. Aber das ist kein Grund zur Klage.

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Manche Menschen in meiner Twitter-Timeline müssen sehr aufregende Tage hinter sich haben. Es waren Tage, in denen sie das Privileg genossen, mit Googles neuem Dienst namens Google+ herumzuspielen. Google+, so habe ich aus meiner Twitter-Timeline erfahren, ist so etwas wie ein Facebook ohne Freunde, weil ja dieser Tage nur privilegierte Early Adopter, Nerds oder Digital Natives bei Googles Sozialexperiment mitmachen dürfen, und solche Verrückte haben keine Zeit für Freunde.

Ich muss draußen bleiben

Ob der Dienst was taugt – ich habe keine Ahnung. Ich wurde ja nicht eingeladen. Wer allerdings eingeladen war, verspürte so etwas wie Berichterstattungspflicht. Das trug wenig zur Erhellung bei, sondern vor allem zur Diffusion, weil so ein neuer Dienst – man erinnere sich mit Schaudern an den mit großem Gedöns begleiteten Flop von Google Wave vor gefühlten hundert Jahren – für Allwissenheiten aller Art sorgt. Kaum sind die ersten Screenshots da, hat der Early Adopter die Interpretation des Großen und Ganzen schon zur Hand. Daumen rauf, Daumen runter, diese Kreise zum Ordnen der Sozialkontakte sind schick, und überhaupt …

Nur so viel: Manche finden Google+ toll, manche halten es für überflüssig, manche halten es gar für einen Facebook-Killer. Was natürlich besonders naheliegend ist, denn ein Match von ein paar Handvoll Early Adopters gegen 500 Millionen Facebook-User ist sicher schnell entschieden. Die Menschheit ist schon ganz gierig darauf, sich mit neuer Usability, neuen Einstellungen und der Migration ihrer sozialen Daten herumzuschlagen.

Und wenn sie das nicht sein sollte, haben wir wieder einmal den Beweis, wie sehr die Welt noch nicht auf den klugen neuen Menschen namens Early Adopter oder Digital Native vorbereitet ist, der in steter Bereitschaft zu Diskurs und scharf artikulierter Meinung durchs Netz wandelt, hier einen Diktator stürzt, und dort einem Produzenten linksdrehenden Joghurts die Website ruiniert, weil er sich zu einer sexistischen Werbekampagne entschlossen hat. Du Kampagne mit Nackerter, wir Shitstorm.

Die tröstlichsten Worte zum Thema las ich, als ich ganz altmodisch via Facebook auf einen Text des Bloggers Robert Scoble hingewiesen wurde, der darin erklärt, warum seine Eltern nie und nimmer Google+ nutzen werden: Der Dienst, so Scoble, sei vor allem für seinesgleichen: Für Digital Natives und Social Media Superstars, die ihre große Freude daran haben, ihre früher in Listen gepflegten Sozialkontakte nun in Kreisen zu ordnen. Die in jedem Tool das Werkzeug zum Erschaffen einer höheren Weltordnung erkennen, weil es ihnen scheinbar mehr Kontrolle über ihr Leben verschafft.

Diese Freude sei ihnen von ganzem Herzen gegönnt, denn schließlich habe am Ende dieser Woche auch ich meine Freude mit Google+: Ich bin nicht eingeladen worden, weil irgendein Algorithmus erkannt hat, dass ich nicht dazugehöre. Dass die Early Adopters und Digital Natives am besten reden können, wenn sie unter sich bleiben. Und dass es auch Dinge gibt, die man getrost verpassen darf.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Eberhard Lauth: „I brauch ka Intanet“

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