Heute schon getwittert, ihr Revoluzzer?

von Eberhard Lauth22.01.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Wenn wie in Tunesien Diktatoren stürzen, ist die Ursache neuerdings immer recht schnell ausgemacht: Es sind nicht Menschen, die sie zu Fall bringen, sondern vielmehr die Social-Media-Dienste, die sie nutzen. Höchste Zeit für eine kleine Richtigstellung von Schreibtischtäter zu Schreibtischtäter.

Es geht ein Gerücht um im Web, das alle spannenden Zeiten so oft wiederholt wird, dass es sich zum Faktum verdichtet. Dieses Gerücht besagt, dass Facebook, Twitter, Blogs und diverse andere Social-Media-Kanäle für eine freiere Welt sorgen. Dass sie uns helfen, den Mächtigen auf die Finger zu schauen und ihnen gegebenenfalls das Handwerk zu legen, wenn sie ihre Macht missbrauchen. Und dass dem Guten verpflichtete Opinion Leader alles daransetzen, mithilfe dieser Technologien die Gesellschaft von morgen zu formen.

Es greift die Theorie kognitiver Dissonanz

Als die ersten Bilder von den Straßenschlachten in Tunis auftauchten und als schließlich Präsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Jänner das Land verließ, das er und seine Clique über zwei Jahrzehnte ausgeplündert hatten, mutierte dieses Gerücht einmal mehr zum Faktum. Ein klarer Fall von Social-Media-Revolution, hieß es in den einschlägigen Kanälen. Der rennt vor dem davon, was Twitter-User über ihn geschrieben haben. Nun ist Twitter selbstverständlich eine gute Sache. Gleichzeitig ist der Dienst aber auch Kommunikationskanal einer manchmal recht selbstgefälligen Informationselite(Link)

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