Das ABC des Internets

von Douglas Rushkoff29.11.2010Medien

Alle reden vom Internet – doch die meisten von uns haben keine Ahnung, wie das Netz hinter den Bedienoberflächen der Webseiten funktioniert. Wenn wir das Internet verstehen und uns gegen Missbrauch wehren wollen, müssen wir uns neu alphabetisieren. Programmieren muss so selbstverständlich werden wie schreiben.

Wenn wir nicht einmal wissen, welche Ideen von den Programmen verfolgt werden, die wir tagtäglich nutzen, dann haben wir auch keine Chance, kritisch im Netz zu agieren. Wir sind nicht mehr die emanzipierten Nutzer, sondern vielmehr die Ausgenutzten. Erstaunlicherweise sind die USA – der Geburtsort des Internets – die einzige Industrienation, die keine Programmierkurse an ihren öffentlichen Schulen anbietet. Gewiss, einige unserer Schulen haben sich entschieden, “Computer-Unterricht” anzubieten. Anstatt aber zu unterrichten, wie man programmiert, zeigt dieser Unterricht oftmals nur, wie man fertige Programme nutzt: Microsoft Office, Adobe Photoshop oder irgendein anderes der gewerblichen Softwarepakete, die an jedem durchschnittlichen Arbeitsplatz genutzt werden. Wir machen unsere Kinder fit für das Bestehen in der heutigen Arbeitswelt und vergessen dabei, sie auf die Neuerungen der Welt von morgen vorzubereiten.

Es geht auch um die Eigenständigkeit des Menschen

Unsere Unfähigkeit und Lustlosigkeit, uns mit den versteckten Eigeninteressen von Netzwerkbetreibern und Softwareherstellern auseinanderzusetzen, stellt nicht nur eine Gefahr für unsere militärische und wirtschaftliche Überlegenheit dar. Es geht auch um die Eigenständigkeit des Menschen. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der wir so leichtsinnig eine Abhängigkeit von einem einzelnen Medium oder einer einzelnen Technologie akzeptiert hätten. Als wir Menschen die Sprache erwarben, lernten wir neben dem Zuhören auch das Sprechen. Als wir alphabetisiert wurden, lernten wir nicht nur lesen, sondern auch schreiben. Und da wir uns nun in einer zunehmend digitalisierten Welt bewegen, müssen wir nicht nur lernen, die Programme zu nutzen, sondern auch sie zu entwickeln. Digitale Werkzeuge sind nicht wie eine Harke, eine Dampfmaschine oder gar ein Auto, das wir fahren können, ohne genau zu wissen, wie es funktioniert. Digitale Technologie ist ganzheitlich, sie betrifft einen Großteil unserer Existenz. Unsere Bildschirme sind die Fenster, durch die wir die Welt um uns herum erfahren, ordnen und interpretieren. Der Effekt des Internets ist also nicht nur eine Ausweitung menschlichen Handelns durch neue Kommunikationssysteme. Nein, wir bilden die Wahrnehmungsfunktion als solche mit externen, nicht menschlichen Mechanismen nach. Mit zunehmender technologischer Entwicklung werden wir immer stärker mit Tools konfrontiert, die eigenständig “denken” können und sich zu eigenständigen Elementen im neuronalen Netz entwickeln.

Kein System ist frei von den Eigeninteressen

Da wir immer mehr über uns und die Welt mittels digitaler Schnittstellen erfahren, kommt die Fähigkeit zum Programmieren einer grundlegenden Alphabetisierung gleich. Zumindest ist es von grundlegender Wichtigkeit, dass wir die Funktionsweise von Alltagsprogrammen wirklich verstehen lernen. Wenn die Leute nämlich wissen, wie ihre Technologien programmiert sind, fangen sie an zu erkennen, welche Spiele damit gespielt werden – von Wirtschaft und Bildung bis hin zu Politik und Regierung. Kein System ist frei von den Eigeninteressen seiner Initiatoren. Je weniger wir sie erkennen, desto mehr nehmen wir sie als gegeben hin. Wir fangen an, die Beschreibung des Netzes als eigenständige Wirklichkeit wahrzunehmen. Zumindest müssen wir erkennen, dass unsere Wahrnehmung verzerrt ist, und unsere Kinder ermutigen, das Gleiche zu tun. Wenn wir nicht am gemeinsamen Bau unserer digitalen Zukunft teilnehmen, wird es jemand anderes tun – oder etwas anderes. *Das neue Buch von Douglas Rushkoff “Program Or Be Programmed” ist “hier”:http://orbooks.com erhältlich.*

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