Nichts ist gut in Afghanistan. Margot Käßmann

FDP für Chancen bei neuen Gentherapie-Verfahren wie CRISPR/Cas9

Neue technologische Verfahren in der Gesundheitsforschung eröffnen gute Mögichkeiten in der Therapie und Heilung zahlreicher Erbguterkrankungen. Das neue, technisch elegante Genmanipulationswerkzeug CRISPR/Cas erlaubt es zum Beispiel, viel zielgenauer und einfacher als zuvor beliebige Partien des Erbguts zu verändern.

Neue technologische Verfahren in der Gesundheitsforschung eröffnen gute Möglichkeiten in der Therapie und Heilung zahlreicher Erbguterkrankungen. Das neue, technisch elegante Genmanipulationswerkzeug CRISPR/Cas erlaubt es zum Beispiel, viel zielgenauer und einfacher als zuvor beliebige Partien des Erbguts zu verändern. CRISPR – die Abkürzung steht für “clustered regularly interspaced short palindromic repeats”, wo unter anderem die Ansatzstellensequenz für den gezielten Schnitt im DNA-Molekül hinterlegt ist – kommt in mannigfaltigen Modifikationen natürlich im Erbgut der unterschiedlichsten Bakterien überall in unserer Umwelt vor. Schon heute revolutionieren CRISPR/Cas9 und verwandte Methoden alle Gebiete, in denen gentechnische Veränderungen eine Rolle spielen. Der Erfolg des CRISPR/Cas9-basierten Genome Editing liegt in der Fähigkeit, dass die Cas-Proteine gezielt DNA zerschneiden, für die man ihnen die passende Erkennungs-RNA mitgibt. Diesen Schnitt kann man nutzen, um definierte Gensequenzen zu entfernen oder zuzufügen. Nach dem Schnitt nutzt man die natürlichen Reparaturmechanismen der Zelle, die automatisch DNA-Enden mit maximaler Präzision zusammenfügt. Ein Vorteil von CRISPR/Cas ist, dass keinerlei Technologiebedingte Sequenzveränderungen im Erbgut zurückbleiben und man so behandelte DNA-Sequenzen nicht von natürlich auftretenden Veränderungen des Erbguts unterscheiden kann. Einschränkungen der Technologie sind, dass CRISPR/Cas9 nicht an allen Stellen des Erbguts schneiden kann und dass, wie bei anderen Technologien, lediglich eine Sequenz pro Anwendung modifiziert werden kann.

Kritiker fürchten, dass solche Verfahren die Definition eines genetischen Defekts immer weiter verschieben, bis alle Genvarianten, außer den allergünstigsten, als fehlerhaft und korrekturbedürftig gelten. Das maßgeschneiderte “Designerbaby”, Gegenstand vieler Erwägungen in der medizinischen Ethik der Keimbahnveränderung, wird im Zuge der Debatte immer wieder kritisch angeführt. Das Problem sind aber gar nicht die potenziellen Folgen vermeintlich maßgeschneiderter “Designerbabys”, sondern zuerst einmal, welche praktischen Konsequenzen solche technologischen Versuche angesichts des extrem lückenhaften Wissens über die tatsächlichen genetischen Zusammenhänge haben werden. Genome Editing ist einfacher und präziser als alles bisher Dagewesene, so dass bisherige Regeln angepasst werden müssen. Dabei muss klar sein, was überhaupt als genetisch verändert gilt: Ist ein Organismus mit einem an einer einzigen Stelle durch CRISPR/Cas9 veränderten Gen überhaupt genetisch verändert? Oder hat er nicht vielmehr bloß eine neue Variante seiner natürlichen Genausstattung?

Die Freien Demokraten sehen vor allem die Chancen neuer Gentherapie-Verfahren wie die Genschere CRISPR/Cas9. Wir werden offen sowie ideologiefrei an diese Technologien in der Humangenetik herangehen. Dennoch benötigen wir spezialisierte bio-ethische Standards für solche Verfahren, damit wir den sensiblen Fragen rund um Veränderung des Erbguts am Menschen gerecht werden. Wir sind grundsätzlich offen für weitere ähnliche technologische Verfahren wie die Vorgängerverfahren TALEN oder Zinkfingernukleasen. Fortschritt unterstützt uns im alltäglichen Leben. Wir können mit neuen Technologien in der Medizin aktiv gegen Erbkrankheiten vorgehen. Um eine gezielte Forschung zu leisten, müssen wissenschaftliche Arbeitsweisen stärker als bisher in der medizinischen Ausbildung verankert werden. Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, den technologischen Fortschritt im Bereich der Gentherapie nicht aufzuhalten, und vor allem im Lichte des jüngsten EuGH-Urteils einen eigenen Weg einzuschlagen.

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Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: The European, Gunter Weißgerber, Franz Sommerfeld.

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