Wir leben nicht mehr in der Wolfsgesellschaft. Christian Lindner

Wer wählt eigentlich die AfD?

Die AfD kann in dünn besiedelten Räumen mit Überalterungsproblemen stärker punkten. Zu diesem Schluss kommt eine DIW-Studie.

Bei den Bundestagswahlen am 24. September 2017 wurde die AfD mit 12,6 Prozent der Zweitstimmen drittstärkste Kraft im Deutschen Bundestag. In den fünf ostdeutschen
Flächenstaaten und Berlin-Ost stieg die AfD mit 21,9 Prozent sogar zur zweitstärksten Kraft auf, während die SPD mit 13,9 Prozent auf Rang vier zurückfiel. Mit diesem Ergebnis übersprang erstmalig eine Partei, die politisch ‚rechts‘ von der CDU/CSU zu verorten ist, in einer Bundestagswahl die seit 1953 bundesweit geltende Fünfprozent-Hürde. Angesichts der Tatsache, dass die Partei nun die Rolle der Oppositionsführerin übernimmt, gewinnt die Frage nach den Ursachen für ihren Wahlerfolg an Bedeutung. In der öffentlichen Debatte wurde der Beginn der Flüchtlingskrise in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 als ein wichtiger Grund für den Aufstieg der AfD angesehen. Auch das Führungspersonal der Partei machte die Flüchtlingskrise und das Schüren der Ängste vor Migranten zu einem zentralen Wahlkampfthema.

Bereits am Tag nach der Wahl wurde intensiv nach den Gründen für den Zuspruch zur
AfD gesucht. Erklärungsmuster sind, dass die „vom Strukturwandel Abgehängten“ und sogenannten „Globalisierungsverliererinnen und –verlierer“, sowie Menschen, die sich „im Stich gelassen fühlen“, anfällig für die Wahlrhetorik der AfD seien, wobei letzteres besonders häufig auf die fünf ostdeutschen Bundesländer zuträfe. Gerade dort sei angesichts der weiterhin bestehenden wirtschaftlichen Probleme und der gleichzeitigen Wahrnehmung, andere Bevölkerungsgruppen – insbesondere Migranten – würden besser behandelt, der Zuspruch für die AfD besonders groß.

(…)

Zuspruch für AfD in überalterten Wahlkreisen besonders hoch

Die schrittweise Analyse der ökonomischen und soziodemografischen Strukturdaten in den Wahlkreisen macht deutlich, welche Strukturmerkmale mit der Variation in den AfD-Ergebnissen korreliert sind (Tabelle 1). Demnach nehmen die AfD-Zweitstimmenergebnisse in Regionen mit einem überdurchschnittlichen Anteil von älteren Menschen und mit einer überdurchschnittlichen Dichte von Handwerksunternehmen erheblich zu. Die Schätzung zeigt weiterhin, dass in ansonsten gleichen Wahlkreisen das Zweitstimmenergebnis der AfD höher ist, wenn überdurchschnittlich viele Menschen mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft dort leben. Diese drei Einflussfaktoren beschreiben mehr als die Hälfte der Variation in den Wahlkreisergebnissen der AfD. Berücksichtigt man alle weiteren ausgewählten Variablen, so erzielt die AfD im Durchschnitt bessere Ergebnisse in Wahlkreisen, in denen der Anteil der älteren Bevölkerung, die Dichte von Handwerksunternehmen, der Anteil von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und der Anteil von Ausländerinnen und Ausländern überdurchschnittlich hoch sind. Schlechter waren die Ergebnisse der AfD dagegen in Wahlkreisen,
in denen Menschen ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen zur Verfügung hatten. Weniger stark ausgeprägt, denn statistisch nicht signifikant, sind die Zusammenhänge zwischen der Abiturientenquote, sowie der Arbeitslosenquote und der Variation der AfD-Ergebnisse. Hier findet
sich ein unwesentlicher negativer Zusammenhang zwischen der Abiturientenquote sowie ein unwesentlicher positiver Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der
Höhe der AfD-Ergebnisse.

Zur Studie kommen Sie hier

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Claudia Roth, Jörg Hubert Meuthen, The European Redaktion.

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