„Stellen Sie nie den Motor ab?“

Dirk Maxeiner28.11.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Die November-Wochenenden sind bei uns mit wiederkehrenden spätherbstlichen Ritualen ausgefüllt. Das liegt zunächst einmal an den drei riesigen Ahornbäumen, die unser Häuschen von allen Seiten überragen. Sie sind wunderschön. Und sie sind die Pest. Sagt Sabine. Das ganze Jahr über segeln die Samen spiralförmig trudelnd vom Himmel und bohren sich in den Boden. Ihre Flugfigur erinnert an einen bei der Luftschlacht um England über dem Kanal abgeschossenen Jagdflieger. Und im Herbst fallen obendrein gefühlte Tonnen von Blättern.

Ich greife dann stets in die unterste philosophische Schublade und appelliere an meine Frau: „Du musst den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen gelassen akzeptieren“. Sprich: Das Zeug einfach liegen lassen. Ich befinde mich damit auf der Höhe des Zeitgeistes und der Empfehlungen des NABU: „Haufenweise Gemütlichkeit. Laub liegenlassen und Gutes tun“. Aber Sabine hat ein gebrochenes Verhältnis zur Philosophie und antwortet stets: „Du spinnst“. Das liegt daran, dass ich mich in der Vergangenheit einmal durchgesetzt hatte und im anschließenden Frühjahr lauter kleine Ahornbäume in der Regenrinne sprossen. Seitdem mache ich mir keine Sorgen mehr um das Waldsterben. Fünf Jahre keine Sabine, und die Bude ist eine Ahorn-Plantage.

Alle paar Jahre engagieren wir einen Kletterkünstler, der sich mit seiner Säge wie ein Eichhörnchen durch die Baumkrone hangelt. Er stutzt die Äste ein bisschen, bevor sie beim Nachbarn in die Mansarde hinein wachsen. Sein altes Auto hat seit Jahren keinen TÜV mehr und ist unter den zu ihm herüberragenden Ästen in einen Dornröschenschlaf versunken. In den Lüftungsschlitzen und Regenrinnen hat sich Moos gebildet und es wachsen darin – na was schon – kleine Ahornbäumchen. Schrottautos sind wunderbare Biotope. Als die Stadt Frankfurt vor vielen Jahren mal eine urbane Biotopkartierung  vornahm, war eine Gebrauchtwagenhalde in der Borsigallee erster Sieger. Wer etwas gegen das Insektensterben tun will, sollte seine alte Blechkiste einfach vor der Tür vermodern lassen.

Sabine ist allerdings gegen diese Form der Kompostierung. Sie verbringt Tage damit, das Ahorn-Laub einzusammeln und in Plastiksäcke zu stopfen. Und mir macht sie damit ein permanent schlechtes Gewissen. Um das zu beruhigen, habe ich ihr vergangene Weihnachten einen Makita-Laubbläser geschenkt, das Feinste vom Feinen mit einem flotten Viertakt-Benzinmotor. Seitdem klingt unser Garten am Wochenende wie Schumis Go-Kart-Rennbahn in Kerpen.

„Stellen Sie nie den Motor ab?“

Das beflügelt meine Phantasie, denn ich habe eine Vereinbarung mit Buddha, dass ich nach meiner Kompostierung als Automobiltuner reinkarniert werde und eine weitere gut motorisierte Schleife drehe. Ich überlege daher, einen zweiten Makita anzuschaffen. Als Turbolader für meinen alten Volvo-Kombi. Die Idee hab ich neulich in einer dieser Schrauberserien auf D-Max aufgeschnappt. Laubbläser in den Kofferraum, Schlauch nach vorne zum Vergaser, dann Laubbläser auf Vollgas feststellen. Und die Fuhre zischt ab wie Vettel beim Start in Hockenheim. Den Beweis, dass dies funktioniert finden Sie hier.

Der Volvon 940 Kombi ist übrigens mein Herbst- und Winterauto. Rost hat er schon, Beulen auch, außerdem beheizte Sitze und Winterreifen. Ich wechsle deshalb im Herbst nicht die Reifen, sondern das ganze Auto. Das spart Zeit und Geld. Nur die Batterie ist ein bisschen schwach auf der Brust. Deshalb habe ich mit einer Kabeltrommel aus dem Keller ein Ladegerät angeschlossen. Was Sabine zu der vollkommen unpassenden Bemerkung veranlasste: „Aha, Du fährst jetzt auch Tesla“.

Am Samstag hab ich den Volvo dann bis unters Dach mit Laubsäcken beladen und bin zur örtlichen Kompostanlage gefahren. Dort treffen sich sämtliche laubsammelnden Biedermänner des Landkreises, mich eingeschlossen. Weil meine Batterie immer noch schwächelte und ich befürchtete, dass der getreue alte Volvo nicht mehr anspringt, habe ich beim Ausladen den Motor laufen lassen. Es dauerte keine halbe Minute, bis mich die erste laubsammelnde Nervensäge anmachte: „Stellen Sie nie den Motor ab?“. Von wegen Feinstaub, Klima und so. Ich daraufhin: „Entschuldigen Sie bitte, das ist ein Elektroauto und ich lade gerade die Batterie“. Da hat er nix mehr gesagt und ist mit durchdrehenden Rädern vom Hof geschossen.

Was eine schöne Einstimmung für den Abend war. Da bin ich nämlich gemeinsam mit Sabine ins Kino gegangen. Es lief der Film „Le Mans 1966“, den DIE WELT als „reaktionäres Meisterwerk“ besprach, was uns eine unmittelbare Empfehlung war. Der Film erzählt die Geschichte des ersten Ford-Sieges in Le Mans und konzentriert sich auf die Beziehung zwischen dem Rennwagenbauer Carrol Shelby, verkörpert von Matt Damon, und dem britischen Rennfahrer Ken Miles, gespielt von Christian Bale. Es ist kein reines Brumm-Brumm-Epos, ich schwör, sondern hat eine zweite Ebene: Und die schildert, wie viele Wichtigtuer sich in einem Großkonzern verbarrikadiert haben und die Nicht-Wichtigtuer am Arbeiten hindern. Das war richtig gute Unterhaltung, die sich in der Tiefgarage unterm Kino fortsetzte. Dort wurden nach Filmende ein paar tausend brüllende Pferdestärken gezündet. Es war sogar ein stummer Tesla darunter, womöglich muss ich meine Haltung zum Tesla-Fahrer doch mal überprüfen. Vor der Ausfahrtsschranke erhob sich ein Getöse wie am Ende der Geraden von Les Hunaudières. Schade, dass ich meinen Laubsauger noch nicht eingebaut hatte.

Quelle: Achse des Guten

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