Die Zuwanderung ist das größte Sozialexperiment

von Dirk Maxeiner2.02.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Der Spiegel berichtet von Volkswagen als „das toxische Unternehmen“, das „Tier- und Menschenversuche“ in Auftrag gegeben habe. „Autolobby testete Abgase offenbar auch an Menschen“, empört sich die FAZ und BILD berichtet von „schrecklichen Abgastests“. Auch die internationale Presse fühlt sich an finstere Zeiten erinnert: „Menschenversuche an der Universität, Merkel außer sich“ (La Repubblica).

Wenn man diese Schlagzeilen so liest, dann könnte man meinen, Volkswagen und die Autolobby hätten Menschen und Affen gleichsam ins Gas geschickt, um ihre finstere Agenda durchzusetzen. Im Deutschlandfunk ließ man sich prompt dazu hinreißen, einen historischen Vergleich mit den Vergasungen der NS-Zeit zu bemühen. „Menschen, die Abgase einatmen, um der deutschen Industrie Informationen zu liefern über die Schädlichkeit dieser Stoffe”, sagte die Moderatorin, „das evoziert ja ganz ganz üble Bilder. Gerade bei uns hier.“

Von da zu der Annahme, dass die deutsche Autoindustrie mit ihren Diesel-Stinkern gleichsam einen weltweiten Holocaust anrichtet, ist es nicht mehr weit. In Aachen hätten 25 gesunde Menschen für vier Stunden die Belastung durch Diesel erlitten, gab die sogenannte deutsche Umwelthilfe zu Protokoll, „aber hunderttausende Asthmatiker oder Lungenkranke leiden seit Jahren unter zu hohen Stickstoffdioxiden“. Die erneute Skandalisierung einer inzwischen etwas abgestandenen Debatte um Stickstoffdioxid dürfte ihre Wirkung jedenfalls nicht verfehlen.

Es rollen die Köpfe, und es wird sich empört, dass es nur so kracht. Die Automobilindustrie scheint dabei, wie üblich, auch noch entschlossen, den Kakao zu trinken, durch den sie gezogen wird. VW-Chef-Müller bezeichnete die Versuche als „unethisch und abstoßend“, VW-Aufsichtsrat Weil als „absurd und widerlich“. Es liegt mir fern, diese Herrschaften zu verteidigen, aber irgendwo ist Schluss.

Deshalb hier zunächst einmal in Kürze, worum es geht. Da wäre zunächst der Versuch mit zehn Langschwanzmakaken in den USA. Bei dem Experiment mussten zehn Langschwanzmakaken in einer luftdichten Kammer die Abgase eines VW Beetle atmen. Vier Stunden lang wurden sie darin den Abgasen ausgesetzt, nach Angaben des Labors ohne gesundheitliche Schäden. Das ändert nichts daran, dass dieser Versuch einerseits überflüssig, andererseits erlaubt war. Dennoch muss man nicht alles machen, was erlaubt ist. Es ging wohl auch weniger um wissenschaftliche Erkenntnis als um die Absicherung der Werbebotschaft vom „Clean Diesel“. Unternehmen, die ihre hohen ethischen Standards besingen, müssen sich gefallen lassen, dann auch an diesen Standards gemessen zu werden. Und da sehen sie in der Tat ganz alt aus.

Es ging um die Belastung am Arbeitsplatz

Ganz anders liegt der Fall bei den sogenannten „Menschenversuchen“, bei dem 25 Studenten in Aachen in eine Untersuchung involviert wurden. Hierbei ging es um Stickstoffdioxid. Mit Diesel hatten die Tests zunächst mal gar nichts zu tun.
Der vom Menschen verursachte Stickstoffdioxid-Ausstoß (NO2) geht hauptsächlich auf Kraftwerke, die Schwerindustrie und den Verkehr zurück. Auch das Verfeuern von Holz trägt kräftig zu erhöhten NO2-Konzentrationen bei, wie beispielsweise erhöhte Werte in Afrika und Südostasien belegen. Doch dies sind längst nicht alle in Frage kommenden Quellen: Auch bei Blitzen und bakteriellen Aktivitäten in der Erde entsteht das Gas.

Ab wann es gefährlich wird, ist hier recht verständlich beschrieben und mit Grafiken unterlegt

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