Wenn ich mich in eine Idee verliebe, ist der Tag perfekt. David Lynch

Hürden der Urbanisierung

Megastädte bieten als Zentren ökonomischer Prosperität und steigender politischer Bedeutung enorme Potenziale für die Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung im globalen Maßstab. Um die Chancen zu nutzen, müssen jedoch die ökologischen und sozialen Risiken bewältigt werden. Dieses Ziel liegt in weiter Ferne.

Das Wachstum der Megastädte ist der vielleicht sichtbarste Indikator eines globalen Urbanisierungsprozesses. Derzeit leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen etwa 50 Prozent aller Menschen in Städten, ca. 14 Prozent davon in Megastädten mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. Hinter der extremen Bevölkerungskonzentration stehen eine zunehmende ökonomische Bedeutung und eine wachsende Einbindung in ein weltweit vernetztes Wirtschaftssystem. Megastädte besitzen eine besondere Funktion für die Wirtschaftskraft ihrer Länder. In ihnen konzentrieren sich wichtige Entscheidungsfunktionen.

Auch politisch gewinnen Megastädte an globalem Gewicht. Dies zeigt sich beispielsweise beim Thema Klimawandel. Dort haben sich im Rahmen der C40-Initiative die großen Metropolen aller Kontinente zusammengeschlossen, um ihre Interessen gemeinsam in die internationalen Klimaverhandlungen einzubringen. Schließlich entwickeln sich in Megastädten neue Lebensstile und Konzepte beispielsweise zur Befriedigung der Nachfrage nach Wohnen und Mobilität. Damit sind sie im besonderen Maß Laboratorien für Innovation und globale Trends.

Die Hürden sind hoch und zahlreich

Allerdings birgt die globale Integration erhebliche ökologische und soziale Risiken. Zur Sicherung des rapide wachsenden Bedarfs an Energie, Wasser und Rohstoffen für Produktion und private Versorgung müssen die Städte auf immer weiter entfernte Quellen zurückgreifen. Damit tragen Megastädte zum globalen Umweltwandel und zur Umweltzerstörung bei. Gleichzeitig werden sie zunehmend verwundbar, da die benötigten Ressourcen knapper und zunehmend aufwendiger zu beschaffen sind. Hinzu kommt die Gefährdung gegenüber den Folgen des Umweltwandels in Form von Extremereignissen wie Unwetter oder Hitzeperioden.

Dabei sind die Chancen und die Risiken in Megastädten extrem ungleich verteilt. Nirgends prallt der Gegensatz zwischen Arm und Reich so deutlich aufeinander. Die globale ökonomische Integration bietet nur einem Teil der städtischen Bevölkerung Chancen für Entwicklung und Wohlstand. Für andere stellt sie große Risiken bereit, wie beispielsweise die Menschen in den informellen Siedlungen. Auch wenn sicherlich das oft gezeichnete undifferenzierte Bild einer Megastadt als ein nicht zu beherrschender Moloch nicht uneingeschränkt zutrifft, so ist die Gefahr einer sozialen Spaltung kein mediales Gespenst.

Soziale Gerechtigkeit als Voraussetzung für Urbanisierung

Die enormen Chancen des Megatrends Urbanisierung für eine nachhaltige Entwicklung können nur dann zum Tragen kommen, wenn die ökonomische Integration auch ökologisch verträglich und sozial gerecht gestaltet wird. Hierzu werden erstens effektive Instrumente benötigt, mit denen Investitionen der globalen Wirtschaft in umweltbewusste und die Ressourcen schonende Technologien sowie Verbrauchs- und Produktionsweisen gefördert und der Ressourcenbedarf einschließlich der Emissionen drastisch gesenkt werden können. Zweitens bedarf es Reformen, die eine sozial gerechte Verteilung sowohl des Nutzens als auch der Risiken globaler Integration bewirken. Dazu gehören beispielsweise die Verbesserung der Voraussetzungen für Bildung und Beschäftigung sowie der Schutz vor Extremereignissen insbesondere in informellen Siedlungen der Städte.

Allerdings: Angesichts des ernüchternden Fazits der gerade beendeten Konferenz der Vereinten Nationen zur Erreichung der Millennium Development Goals liegt dieses Ziel derzeit in weiter Ferne.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Saskia Sassen, Alexander J. Schmidt, Ross von Burg.

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