Das verlorene Jahrzehnt

von Dirk Emmerich14.09.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Amerika hat sich verhoben. Die zehn Jahre seit dem 11. September haben die einstige Supermacht an ihre Grenzen geführt, das Land wirkt müde und erschöpft. Die USA müssen sich gesundschrumpfen – und den globalen Führungsanspruch abgeben.

9/11 war eine Zeitenwende. Für Amerika und für die Welt. Die USA wurden bis ins Mark getroffen, so hart und so unvorstellbar wie nur möglich. Die Folgen sind bis heute spürbar, vielleicht sogar heute erst richtig. Die Dekade nach 9/11 war für Amerika ein verlorenes Jahrzehnt. Die Reaktion auf den Angriff strotzte vor Selbstbewusstsein, sie war hart und unmissverständlich. Präsident Bush rief zur Vergeltung auf. Nicht nur die Terroristen, sondern auch die Staaten, die hinter ihnen vermutet wurden, sollten bestraft werden. Bush tat das mit dem Selbstverständnis der einzig verbliebenen Supermacht nach dem Ende des Kalten Krieges. Nicht mehr der Kommunismus, sondern der islamistische Extremismus werde fortan der Hauptgegner sein.

Amerika hebt sich einen Bruch

Diese Vorstellung erwies sich als Missverständnis. Der kurze Moment einer Welt mit Amerika als einzigem Machtzentrum hat sich schnell wieder verflüchtigt. Amerika hat das zunächst nicht wahrgenommen, tut sich noch immer schwer damit und hat sich letztlich verhoben – militärisch, politisch und wirtschaftlich. Die beiden Kriege in Afghanistan und im Irak forderten bislang über 250.000 Todesopfer und sind noch immer nicht gewonnen. Die Region ist so instabil wie damals vor zehn Jahren. Und schlimmer noch: In Afghanistan stehen die Taliban vor der Rückkehr an die Macht. Die Spur von Osama bin Laden verlor sich ohnehin noch 2001 in den Bergen von Tora Bora und konnte erst knapp zehn Jahre nach den Anschlägen wiederaufgenommen werden – in Pakistan, einem vermeintlichen Verbündeten im Kampf gegen den Terror. Und al-Qaida? Die Terrororganisation ist zwar geschwächt, hat ihre Strategie aber längst angepasst. Die Angst vor neuen Terroranschlägen bleibt allgegenwärtig. Die US-Sicherheitsbehörden haben in dieser Woche alle Amerikaner aufgefordert, Flugreisen rund um den zehnten Jahrestag zu vermeiden. Das Ansehen Amerikas in der Welt hat durch die Kriege und den Antiterror-Kampf gelitten, auch weil das Land dabei ist, seine eigenen Werte zu verraten. Homeland Security, immer neue Sicherheitsvorschriften und Einschränkung persönlicher Grundrechte als Maßnahmen im Inland … Guantanamo, geheime Gefängnisse, gezielte Tötungen im Ausland … Das alles passt nicht zu den das amerikanische Image lange prägenden Grundsätzen wie Freiheit, Gleichheit und Aufstiegschancen für jedermann. Barack Obama hat zu Recht den Weg seines Vorgängers als Irrtum gebrandmarkt: „Die Reaktion von Präsident Bush auf die Anschläge hat Amerika kompromittiert, die Wirtschaft untergraben und seine Sicherheit geschwächt.“ Doch längst weiß er, wie schwer es ist, die einmal in Gang gesetzte Maschinerie zu stoppen und umzukehren. Guantanamo und gezielte Tötungen gibt es immer noch. Die geheime Kommandoaktion gegen Osama bin Laden in Abbottabad genehmigte und beaufsichtigte er aus dem Weißen Haus.

Erschöpft und müde

Amerika wirkt zum Jahrestag von 9/11 erschöpft und müde. Die finanziellen Ausgaben haben zu einer Verschuldung geführt, die alle Maßstäbe sprengt. China, die aufstrebende Macht und zugleich größter Konkurrent um die wirtschaftliche Vorherrschaft, ist inzwischen größter Gläubiger der USA. Ohne Peking hätte Amerika schon 2008 während der Lehman-Krise einen Kollaps erlitten. Amerika hat an Macht und Einfluss verloren in den zehn Jahren danach. Die Zeit, in der Washington fast alleine bestimmen konnte, ist vorbei. Das ist vielleicht die entscheidende Veränderung seit 9/11. Das wird so bleiben.

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