Wir haben das Ende der Experimentalphysik noch lange nicht erreicht. Rolf-Dieter Heuer

Die erste Frau Europas, die ein Kunstherz implantierte

Fleiß, Können und Leidenschaft – diese Trias vereint mit einer großen Portion Glück zeichnet die Lebensgeschichte von Dilek Gürsoy aus. Sie ist die erste Frau in Europa, die einem Patienten ein Kunstherz implantiert hat. In einem Keynote-Vortrag auf der Karrieremesse herCAREER 2018 macht sie Frauen Mut, männlich dominierte Berufe zu ergreifen.

„Viele Gastarbeiterkinder träumten davon, Arzt oder Rechtsanwalt zu werden. Wir wussten, wir wollen es besser machen als die Eltern“, sagt Dilek Gürsoy auf die Frage nach ihrer Motivation für einen harten Karriereweg. Die Tochter einer türkischen Gastarbeiterfamilie aus Neuss studierte in Düsseldorf Medizin. Heute arbeitet sie neben ihrer Tätigkeit im Krankenhaus Links der Weser in Bremen mit einem Aachener Start-up daran, ein neues Kunstherz zu entwickeln. Im Herbst 2017 hatte sie sogar die Gelegenheit, der Kanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ihre Forschungsarbeit vorzustellen.

„Ich hatte immer das Ziel vor Augen, Ärztin zu werden. Vielleicht bin ich etwas naiv herangegangen – Glück und Zufall haben sicher auch eine Rolle gespielt. Außerdem liegt mein Erfolg wohl an meiner Leidenschaft für die Arbeit“, meint die erfolgreiche Herzchirurgin. In der Schule war sie nicht die Beste, aber sehr fleißig. Wenn die Noten mal nicht so gut waren, habe sie sich davon nicht unterbuttern lassen.

„Außerdem habe ich glücklicherweise Befürworter gehabt, die mein Talent erkannt haben“, so Dilek Gürsoy. „Am Anfang Herr Bisping, der mich nach einem Brand in unserem Elternhaus in seinem Kindergarten aufgenommen hat. Mein Grundschullehrer hat mich zur Realschule eingestuft, aber Herr Bisping brachte mich ins Gymnasium.“ Auch mit ihrem beruflichen Mentor hatte sie Glück: Unter der Regie des renommierten Herzspezialisten Prof. Dr. Reiner Körfer schaffe sie es bis zur Oberärztin. „Prof. Körfer hat mich auf seine Privatstation geholt und ich war immer bei ihm im OP. Das ist nicht selbstverständlich. Es passiert schnell, dass Talent übersehen wird.“

„Aber dass ich nun selbst so bekannt geworden bin, habe ich einer Frau zu verdanken: Heidi Gröhe, der Frau des ehemaligen Bundesgesundheitsministers.“ Nachdem sie Dilek Gürsoy zu einem Tierversuch nach Belgien begleitet hatte, habe sie „wie ein Engel mit ihrem Zauberstab einiges bewegt“ und die Herzchirurgin in die Presse gebracht – zuerst Lokalpresse in Neuss, dann der große Artikel in der Rheinischen Post, die herCAREER und zuletzt Interviews für myself, die FAZ und weitere Medien folgten.

Ihr beruflicher Erfolg ist auch deshalb so bemerkenswert, weil das Berufsfeld Kunstherztherapie bislang eine reine Männerwelt ist. „Als junge Ärztin musste ich erst einmal dafür kämpfen, dass ich in ein Krankenhaus komme, das auf Kunstherzen spezialisiert ist.“ Das war dann das große Zentrum in Bad Oeynhausen. Dort konnte sie froh sein, wenn sie einen Patienten überhaupt sehen und anfassen durfte. Deshalb sagt sie heute: „Man sollte die Leute schnell ausbilden und nicht jahrelang knechten. Die Jugend fördern und für unser Fach begeistern – das ist das A und O.“

Um mehr Frauen für die Männerdomäne Chirurgie zu gewinnen, sollte es laut Dilek Gürsoy mehr weibliche Führungskräfte geben, damit andere dieses Ziel für möglich halten. „Für Frauen muss es auch flexible Arbeitszeiten geben, damit sie nicht denken, wenn sie Kinder kriegen, war es das. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist auch in dem Beruf möglich“, ist sie überzeugt.

Auf der herCAREER vom 11. bis 12. Oktober 2018 in München spricht Dilek Gürsoy in dem Keynote-Vortrag präsentiert von dem Magazin Emotion „Selbstbewusst durch Können: Wie Frauen in der Arbeitswelt vorankommen“ über ihren Lebensweg und was andere Frauen von ihr lernen können.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Mechthild Löhr, Dokumentation - Texte im Original, Harald Weinberg.

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