Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union ist eine Schande | The European

Moria war kein Flüchtlingslager. Moria war ein Gefängnis

Dietmar Bartsch15.09.2020Politik

Moria war kein Flüchtlingslager. Moria war ein Gefängnis. Ein heillos überfülltes Gefängnis. Für 2.800 Menschen ausgelegt, waren 13.000 Menschen dort zuletzt eingepfercht. Ein Drittel von ihnen Kinder und Jugendliche. Ohne Hygiene, ohne Perspektive, schreibt Dietmar Bartsch.

Flüchtlingslager Moria auf Lesbos nach mehreren Bränden, Foto: imago images / ANE Edition

Das Leben, das die Europäische Union den Menschen in Moria, und anderen Hotspots im Mittelmeer antut, ist menschenunwürdig. Berichte über Kinder, die versuchen, sich das Leben zu nehmen, sich vor Verzweiflung die Haare auszureißen, sie sind herzzerreißend. In Moria sind die Werte der EU in dieser Woche in Flammen aufgegangen.
Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union – eine Schande! Seit 2015 haben die Mitgliedsstaaten nichts gelernt, schleppen sich von Gipfel zu Gipfel, ohne jedes greifbare Ergebnis. Schlechter als in der europäischen Flüchtlingspolitik kann sich Politik nicht zeigen. Als das Corona-Virus Europa erreichte, haben die Regierungen gehandelt. Nicht alle gleich gut, nicht alle gleich schnell. Aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten Abstand gepredigt und Hygiene angemahnt. In Moria hat die griechische Regierung nach den ersten Corona-Fällen einen höheren Zaun um das Lager gezogen. Gleichgültigkeit ist offenbar ein schleichendes Virus, das die EU zunehmend zersetzt.
Thüringen, Berlin, Bremen und unzählige Städte und Kommunen bieten seit einer gefühlten Ewigkeit an, mehr Menschen Schutz und Sicherheit zu ermöglichen. Auch Unions-geführte Länder wie NRW wollen inzwischen mehr tun. Horst Seehofer hat ihnen dies bislang verboten. Dies verstoße gegen die “Bundeseinheitlichkeit”. Bundeseinheitliche Gleichgültigkeit. Das ist Horst Seehofers Politik für Geflüchtete. Mehr und mehr Menschen in Europa zeigen Empathie. Gehen auf die Straße, zeigen Seehofer die rote Karte. Sie stellen sich vor, was es bedeuten würde, wenn es das eigene Kind ist, das barfuß durch den Matsch watet, im Winter friert, keine Schule besucht. Diese Kinder können nichts für ihr Leben. Wir müssen ihnen helfen.
Ich erwarte, dass Seehofer, Merkel und die Europäische Union endlich aufwachen. Deutschlands Ratspräsidentschaft nutzen, um diesen menschenrechtlichen Tiefpunkt zu überwinden! Wir brauchen einen Sondergipfel der EU. Deutschland muss vorangehen. Horst Seehofer muss seine Blockade gegen Menschlichkeit aufgeben. Viele Länder, Städte und Kommunen sind bereit zu helfen. Sie haben den Platz, die Mittel und das Herz.
Quelle Dietmar Bartsch Facebook
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