Her mit der Willkommenskultur

Klaus-Dieter Lehmann11.01.2011Gesellschaft & Kultur, Politik

Integration beginnt bereits im Herkunftsland. Und wir brauchen diese Zuwanderer für eine zukunftsorientierte Gesellschaft. Die dazu nötigen Werte finden sich in der europäischen Antike.

Als existenzielle Voraussetzung für eine zukunftsorientierte Gesellschaft braucht Deutschland auch künftig “qualifizierte Arbeitnehmer(Jan van de Beek: Immigrationsegoismus)”:http://www.theeuropean.de/jan-van-de-beek/4719-zuwanderung-als-eigennutz in den unterschiedlichsten Berufsgruppen. Von einer Kompensation dieses Mangels durch Zuwanderung sind wir weit entfernt. Zurzeit ist Deutschland eher ein “Abwanderungsland“ als ein Zuwanderungsland. 2008 war die Zahl der “Abwanderer“ zum ersten Mal (seit 1984) wieder höher als die Zahl der Zuwanderer. Die Antworten gehen von Green oder Blue Card über besseres Monitoring der Bedarfe des Arbeitsmarkts bis hin zu einem Punktesystem oder einer Zuwanderungsabgabe für Arbeitgeber. Nicht zu vergessen die leichtere und transparente “Anerkennung ausländischer Berufsausbildungen(Ümit Sormaz: Eine Frage der Quote)”:http://www.theeuropean.de/uemit-sormaz/4902-einwanderungsland-deutschland-2. Aber wie findet sich der potenzielle Zuwanderer nach Deutschland überhaupt zurecht? Hier sind intelligente Lösungen gefragt. Denn Zuwanderung beginnt “draußen”. Als Präsident des Goethe-Instituts mit seinem weltweiten Netz an Instituten und Kooperationspartnern möchte ich ein Element einer innovativen Zuwanderungspolitik besonders hervorheben: das aktive Werben um Zuwandergruppen, die wir in Deutschland besonders nötig brauchen.

Integration beginnt bereits im Herkunftsland

Das Goethe-Institut ist in diesem Bereich bereits seit einigen Jahren sehr aktiv. In einer Reihe von zuwanderungsstarken Ländern ist das Institut mit seinem sogenannten vorintegrativen Angebot präsent: Mit Sprachkursen und Prüfungen, Beratung und Information über Deutschland werden Zuwanderungswillige auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet. Zielgruppe dieses Engagements sind in erster Linie Ehegatten, die ihren in Deutschland lebenden Partnern nachziehen wollen. In den letzten zwei, drei Jahren haben etwa 60.000 Menschen aus 100 Ländern vor ihrer Einreise Grundkenntnisse der deutschen Sprache erworben und grundlegende Informationen über Deutschland erhalten. Eine wesentliche Aufgabe für die Zukunft: Die Reichweite dieser Maßnahmen sollte im Rahmen einer stärker gesteuerten Zuwanderungspolitik und natürlich als Angebot ohne obligatorischen Charakter auch auf weitere Zuwanderergruppen, besonders die der Fachkräfte, ausgedehnt werden. Das Goethe-Institut ist im Bereich der Qualitätssicherung der Integrationskursangebote wie auch in der Lehrerfortbildung seit vielen Jahrzehnten tätig und wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass dieses Angebot weiter optimiert wird und den Lehrkräften in diesen Kursen zuverlässige und ihrer Qualifikation angemessene Rahmenbedingungen geboten werden.

Wertegemeinschaft oder Grundgesetz?

Unser Selbstverständnis beruht auf “gemeinsamen Werten, die übrigens europäische sind(Ulla Schmidt: Europa ist keine Glaubens-, sondern eine Wertegemeinschaft)”:http://www.theeuropean.de/ulla-schmidt/2271-botschaft-an-die-tuerkei. Sie haben ihre entscheidenden Wurzeln in der Antike, der Renaissance und der Aufklärung. Dies führte zu einem tief greifenden Wandel der Sozialstruktur, zu neuen politischen, ökonomischen und kulturellen Perspektiven und zu einer Überwindung der dogmatischen Frömmigkeit. Der Kern findet sich heute als Grundlage bei allen europäischen Gesellschaften, er ist auch im Grundgesetz verankert: Rechtsstaatlichkeit, Trennung von Kirche und Staat, Freiheit und Würde des Individuums, persönliches Eigentum. Wir haben mit unserem Grundgesetz einen wunderbaren Rahmen, der eine Willkommenskultur ermöglicht. Wir brauchen keine Verschärfung der Gangart, wir müssen unser Grundgesetz nur leben. Deutschland hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es eine große Integrationskraft mobilisieren kann. Daran sollten wir uns in der aktuellen Debatte erinnern.

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