Im Sinkflug

Dieter Janecek10.05.2012Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Flughafenausbauten basieren auf einer falschen Logik des ewigen Wachstums. Wir müssen realistische Prognosen verwenden – dann können auch Konflikte gelöst werden.

Es kursiert ein Witz über den Münchner Flughafen. Dieser sei der einzige, der nur aus der Luft zu erreichen ist, heißt es angesichts der Tatsache, dass es in ganz Europa keinen Großflughafen gibt, der so schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden ist. Der Irrsinn einer verqueren Mobilitätskultur hat in Bayern also Tradition. Es war eine konservativ-liberale Regierung, die im August 2010 bekannt gab, alle bisherigen Ausbaupläne für die Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted auf Eis zu legen. Die Begründung ist bemerkenswert: „Wir dürfen und können das Wachstum der Vergangenheit nicht einfach auf die Zukunft übertragen.“ Gravierende Schäden für Umwelt und Gesundheit, die Beeinträchtigung der Lebensqualität von Tausenden sowie der Kampf gegen den Klimawandel sind die Argumente für eine Beendigung des staatlich mit Milliarden Steuergeldern subventionierten Wachstumswahns, den wir im Flugverkehr erleben. Massenproteste in Frankfurt, Berlin und der Flughafenregion München zeigen uns, dass die Menschen nicht mehr bereit sind, zugunsten einer Wachstumsideologie für wenige zulasten der Masse zurückzustecken.

Kein weiteres Wachstum

Doch das entscheidende Argument gegen den Ausbau weiterer Start- und Landebahnen kommt in der Debatte oft zu kurz: Es wird dauerhaft schlicht kein weiteres Wachstum mehr geben. Fliegen wird jährlich teurer, das Erdöl knapp, unsere Bevölkerung wird nicht zunehmen, dafür ihr Altersdurchschnitt. Am Markt der Fluggesellschaften findet gerade eine massive Bereinigung statt, die Prognosen sind negativ. Die Trends sprechen für Stagnation und darüber sollten wir froh sein. Die gute Nachricht ist: Wir werden mit der vorhandenen Infrastruktur unsere berechtigten Grundbedürfnisse nach Mobilität befriedigen können. So halten sich die Flugbewegungen am Flughafen München seit 2004 in einem Korridor zwischen 390.000 und 430.000. In diesem Jahr sind sie bislang wieder rückläufig. Es ist naiv, zu glauben, dass in 10 oder 20 Jahren Erdöl immer noch so uneingeschränkt und vergleichsweise preiswert zur Verfügung stehe wie heute. 80 Prozent der heute in Produktion befindlichen Erdölfelder verlieren an jährlicher Ausbeute, Neufunde sind marginal, während die weltweite Nachfrage nach fossilen Ressourcen weiter dramatisch ansteigt. Bereits heute haben wir einen höheren Erdölpreis als die Flughafengesellschaft München für 2025 ansetzt. Die Verkehrsprognosen der Ausbaubefürworter sind schlicht unseriös: Sie sollen vor allem die Monopolstellung der Lufthansa sichern. Denn diese profitiert von der Strategie, München zu einem Drehkreuz für internationale Flugverbindungen mit hohem Umsteigeranteil zu machen. Menschen vor Ort profitieren davon nicht. Und erst recht nicht von den Niedriglohnarbeitsplätzen, die die Immobilienpreise hochtreiben, in einer Region, die seit 40 Jahren Vollbeschäftigung hat.

Verpflichtung Umweltschutz

Inlandsflüge werden bald der Vergangenheit angehören, da sie im Vergleich zu einer Hochgeschwindigkeitsbahn nicht mehr erschwinglich sein werden und mangelnde Flexibilität bieten. Dass wir weitere 6 Jahre warten müssen, bis endlich auch die Strecke München-Berlin unter die 4-Stunden-Marke fällt, ist ein Versagen der Politik. Investitionen für Projekte, die der Vergangenheit angehören, rechtfertigt dies nicht. Ich sage klar und deutlich Ja zur bestehenden Infrastruktur. Ihr Erhalt muss gesichert werden. Das wird Geld kosten und intelligentere Lösungen erfordern, “denen sich die britische Regierung bereits stellt”:http://www.carolinelucas.com/assets/files/carolinelucasletters/MR.C0012.CM.12.07.10.pdf: „Unser Ziel ist es, die Effizienz unserer Flughäfen auf eine Art zu verbessern, die mit unserer Verpflichtung, die Umwelt zu schützen, in Einklang steht.“ So ist das.

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