Verzicht allein reicht nicht, um das Klima zu retten. Barbara Hendricks

SOS Sudan

Dem Sudan stehen stürmische Zeiten bevor. In weniger als 50 Tagen wird die Bevölkerung des Südsudans darüber abstimmen, ob sie weiterhin sudanesische Staatsbürger bleiben möchten oder einen unabhängigen Staat Südsudan gründen wollen.

Das Ergebnis der Abstimmung steht schon vor dem Referendum fest: Nach 38 Jahren Völkermord und Bürgerkrieg machen die Südsudanesen keinen Hehl daraus, dass sie sich möglichst schnell vom Sudan lösen wollen. Zu tief sind die Wunden, die der Genozid in jeder Familie verursacht hat. Süd- und Nordsudanesen trennt heute mehr, als sie verbindet.

Schon die britischen Kolonialherren hatten keine glückliche Hand, als sie Süd- und Nordsudan in einem Staat zusammenfassten und den Nordsudanesen die Macht übertrugen.
Vergeblich forderten Südsudanesen jahrzehntelang mehr Gleichberechtigung und Beteiligung an der Macht. Was sie bekamen, waren Krieg, Gewalt, Vertreibung und die systematische Zerstörung ihrer Gemeinschaften. Zwei Generationen Südsudanesen haben nichts als Krieg und Zerstörung erlebt.

Der Genozid lastet schwer

Noch immer lastet dieser Genozid schwer auf dem Verhältnis zwischen Süd- und Nordsudanesen. Die Chance, die Verbrechen aufzuarbeiten und zu einem neuen Miteinander zu kommen, wurde nicht genutzt. Als Süd- und Nordsudanesen vor fünf Jahren endlich Frieden schlossen, einigten sie sich darauf, dass die Volksabstimmung über die Zukunft des Südsudans im Januar 2011 stattfinden soll.

Fünf Jahre lang hat die internationale Gemeinschaft geschlafen und fast nichts getan, um dafür zu sorgen, dass das Friedensabkommen umgesetzt wird. Die Untätigkeit rächt sich nun, da der vorgesehene Zeitplan nur mehr schwerlich einzuhalten ist. Je näher der Termin der Abstimmung rückt, desto nervöser wird die internationale Staatengemeinschaft. Nie zuvor wurde in den Hauptstädten Europas so viel über den Sudan beraten wie in den letzten Wochen. Denn groß ist die Angst, dass die sudanesische Regierung die Volksabstimmung verhindert oder sich weigert, deren Ergebnisse zu akzeptieren. Die Angst ist nicht unbegründet, denn der Nordsudan hat viel zu verlieren, sollte sich der Süden abspalten.

Gefahr für die gesamte Region

Denn im Südsudan liegen die meisten Ölfelder. Mit den Einnahmen aus dem Ölexport finanziert der Sudan nicht nur den Krieg in der umkämpften Region Darfur im Westen des Landes, sondern auch den größten Teil seiner Staatsausgaben. Schon spekuliert man über eine mögliche Verschiebung des Referendums. Doch für die Südsudanesen wäre jede Absage der Abstimmung ein Grund, erneut in den Krieg zu ziehen. Zwar sind auch die Südsudanesen des jahrzehntelangen Kriegs überdrüssig, doch noch weniger sind sie bereit, sich erneut dem Nordsudan zu unterwerfen. Nach dem Motto “Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende” suchen sie die Entscheidung.

Ein neuer Krieg wäre nicht nur für den Sudan eine Katastrophe, sondern würde neue Kämpfe in der gesamten Region schüren. Die internationale Gemeinschaft darf sich daher jetzt nicht tatenlos davonstehlen, sondern muss darauf bestehen, dass das Referendum wie geplant stattfindet und das Ergebnis der Abstimmung von der sudanesischen Regierung respektiert wird. Dabei müssen sich auch die Südsudsudanesen im Klaren sein, dass ein unabhängiger Staat "Südsudan“ nicht alle Probleme lösen wird. Groß ist die Euphorie zurzeit im Süden des Sudans. Nach 54 Jahren Fremdbestimmung wollen die Südsudanesen endlich ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Die internationale Gemeinschaft sollte alles dafür tun, dass sie dazu eine faire Chance bekommen. Es ist der einzige Weg, um einen erneuten Krieg in der Region zu verhindern, der auch alle Friedensbemühungen im benachbarten Darfur zunichtemachen würde.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Gunnar Heinsohn, Jonathan Hutson, Ulrich Delius.

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