An die Arbeit!

Diana Golze21.02.2010Politik, Wirtschaft

Die Vollbeschäftigung zur Existenzsicherung und das Ziel, die Erwerbsarbeit nicht als alleinigen Lebenszweck zu haben. Basierend auf einem Ungleichgewicht in der Arbeitsteilung und der Suche nach der Selbstdefinition des Menschen, stellt sich die Frage: Was ist Arbeit?

“Was ist Arbeit?”, fragt die Berliner Band “Wir sind Helden” auf ihrem Album “Soundso”. In der Tat stellt sich die Frage: Wie viel und vor allem welche Arbeit brauchen wir für unsere Selbstdefinition? Dient sie lediglich der Existenzsicherung, oder wird sie in Zukunft wieder damit verbunden, Anerkennung in der Gesellschaft zu erlangen? Eigentlich sollte die Leitfrage lauten: Welchen Stellenwert räumt unsere Gesellschaft der Arbeit und den Menschen ein, die genau diese Arbeit verrichten? Bei kritischem Blick kommen schnell Fragen zu den gängigen Paradigmen der Arbeitsmarktpolitik auf. Vollbeschäftigung? Wer definiert sie und wie? Definiert sich dieses Wort lediglich an Erwerbstätigkeit, oder kann man auch durch andere Tätigkeiten vollbeschäftigt sein? Eine linke Betrachtung von Vollbeschäftigung nimmt sowohl die Fragen nach der Existenzsicherung als auch die berechtigte Forderung auf, die Erwerbsarbeit nicht als alleinigen Lebenszweck in das Zentrum zu stellen.

Ungleichgewicht in der Arbeitsteilung

Die Realität zeigt: Während manche Menschen arbeiten bis zum Umfallen, haben andere gar keine oder zu wenig Arbeit. So sind heute die Arbeitszeiten: zu lang für Vollzeitbeschäftigte, zu kurz für Menschen in Teilzeit und Minijobs, nicht vorhanden für Erwerbslose. Vorhandene Arbeit aber erfüllt nicht mehr den ureigensten Zweck von Arbeit: Lernen, Erfahrungen sammeln, Fähigkeiten erweitern und vervielfältigen. Das Arbeitsleben scheint seine Rechtfertigung mehr und mehr in sich selbst zu finden. In Anbetracht steigender prekärer Arbeitsverhältnisse, die in geringem Maße darauf abzielen zu qualifizieren, ist der Anspruch an eine sinnstiftende Arbeit immer seltener gegeben. Während die einen daran kranken, zu wenig Zeit für Familie und private Interessen zu haben, driften die anderen immer weiter ins Nicht-gebraucht-Werden ab. Beides kann eine Gesellschaft nicht wollen. Hinzu kommt der wachsende Zwang, einmal in Arbeitslosigkeit gekommen, genau solche Tätigkeiten aufnehmen zu müssen. Eine Vollbeschäftigung als Ziel braucht aber eine Form von Erwerbstätigkeit, die nicht nur die Existenzsicherung gewährleistet.

An die Arbeit!

Nun steht ja die Linke im Verdacht, Leistung per se abzulehnen. Es ist aber nicht die Leistung, sondern der Leistungsbegriff, der von uns kritisch hinterfragt wird. Und so stellen wir die Frage, was zu einer Vollbeschäftigung – neben dem Erwerbseinkommen – gehört. Der fatale Fehler wäre, wenn bei der Suche nach der Antwort die Selbstdefinition des Menschen verloren ginge. Statt das bestehende konservative Alleinernährermodell nur dahin gehend zu verändern, dass es sich zu einem Eineinhalbernährermodell entwickelt, steht die Linke für eine Arbeitsmarktteilhabe, die sich auf der Basis individueller Existenzsicherung bewegt. Erreichbar ist dies durchaus. Notwendig sind hierfür politische Entscheidungen, die zu einer Pluralisierung der Erwerbs- und Familienformen führen. Abschaffung des Ehegattensplittings, Ausbau der Ganztagsangebote für Kinder im Vorschul- und im Schulalter, eine Umgestaltung der Arbeitszeiten und ein gesetzlicher Mindestlohn, der die existenzsichernde Wirkung von Arbeit absichert, sind nur einige, aber wichtige Faktoren, die zu einer weniger selektierenden Arbeitswelt beitragen würden. Wenig Arbeit ist das nicht, zumal der politische Wille bei den Entscheidungsträgern kaum vorhanden scheint. Doch nicht umsonst heißt es in dem Lied der Berliner Band: “Arbeit? Mein Freund, das wird Arbeit!” An die Arbeit!

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