Das Wir-Gefühl

von Diana Altun5.11.2010Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Zwar sind wir uns mittlerweile einig, dass alle Menschen an dem Prozess der Integration beteiligt werden müssen, doch die Kosten sind ungleich verteilt. Von den Zugewanderten verlangen wir viel, nicht nur, dass sie Deutsch lernen. Nötig ist nun ein Diskurs miteinander, nicht übereinander.

“Integration” ist die Zauberantwort auf viele Fragen, die im Rahmen von Zuwanderungsdebatten gestellt werden. Der Begriff ist vielseitig verwendbar und wird dementsprechend oft von Befürwortern wie auch Gegnern der Einwanderung in Anspruch genommen. Die weitreichende Akzeptanz, dass Integration keine einseitige Bemühung darstellt, sondern alle angeht, ist jedoch eine der auffälligsten Veränderungen zu früheren Diskussionen. Die Beiträge im Integrationsprozess bleiben dennoch ungleich verteilt. Die Zugewanderten tragen im gegenseitigen Prozess den größeren Teil. Von ihnen wird unter anderem gefordert, dass sie die deutsche Sprache beherrschen sollen, sie einer Beschäftigung nachkommen müssen und sich am gesellschaftlichen Leben beteiligen sollen. Berechtigte Forderungen, bei denen jedoch die Frage bleibt, welcher Deutsche diesen überhaupt selber nachkommt. Dass integriert werden muss, ist klar. Es bleibt jedoch zu klären, wie dieser Prozess ausgestaltet werden sollte bzw. muss.

Wie so oft: Es besteht Handlungsbedarf

Die staatlichen Organe sollten im Verlauf des Integrationsprozesses von Zuwanderer(inne)n nicht nur Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben in der Aufnahmegesellschaft schaffen. Sondern auch versuchen, die einheimische Bevölkerung aktiv in die Integration mit einzubeziehen. In erster Linie muss aber eine generelle Bereitschaft seitens der empfangenden Gesellschaft zur Aufnahme von Migrant(inn)en vorhanden sein. Statt die Angst der einheimischen Bevölkerung vor der Fremde und dem Ungewissen der eigenen Zukunft zu schüren, muss die Politik Angst nehmen und den Zuwanderern das Gefühl vermitteln, dass sie willkommen sind. Auch die Medien prägen das gesellschaftliche Bild von Migrant(inn)en durch die Art der Themenaufbereitung entscheidend. Ihnen kommt ebenso wie dem Staat eine besondere Verantwortung zu. Bestimmte Medien sind in der Auseinandersetzung um Asyl, Staatsbürgerschaftsrecht und Zuwanderung eben nicht nur Spiegel der öffentlichen Meinung, sondern produzieren diese gleichwohl. Der Staat sollte gegenüber seinen neuen Bürgern mehr Verantwortung zeigen und ihnen die Chance geben, in Deutschland ein Leben ohne Vorverurteilungen zu führen.

Das Wir-Gefühl

Die Bürger(innen) müssen nicht nur die Integrationsfähigkeit der Migrant(inn)en kritisieren, sondern auch ihre eigene. Denn nur wenn die Aufnahmegesellschaft bereit ist, auch sich in die Gemeinschaft, die aus einer Vielfalt besteht, zu integrieren, können der Integrationsprozess und die Bemühungen seitens der Migrant(inn)en erfolgreich sein. Hierbei nehmen soziale Projekte eine Brückenfunktion ein. Sie schaffen eine Plattform, auf der sich verschiedene Gruppen und Einzelpersonen treffen können, um sich auszutauschen. Denn nur ein Gespräch zusammen und nicht übereinander schafft ein Miteinander. Im Rahmen solcher Projekte können Vorurteile erkannt, die Toleranz gegenüber anderen gesteigert und die eigenen Verhaltensweisen reflektiert werden. Integration ist nicht nur Aufgabe der anderen, sondern der gesamten Gesellschaft.

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