Es gibt zur Zusammenarbeit zwischen den Nationen keine Alternative. Barack Obama

Bundes wer?

Die Bundeswehr befindet sich auf dem Weg der Egalisierung, wie schon viele andere Institutionen und Organisationen vor ihr. Es besteht kein Grund zur Sorge um die Bundeswehr und ihre Stellung in der Gesellschaft, die Bevölkerung interessiert sich einfach weder für den Soldatenberuf noch für die Institution.

Der neue, nur noch sechs Monate andauernde Wehrdienst war ein Kompromiss. Das war allen Beteiligten klar. Im Laufe der Zeit haben die Koalitionspartner von CDU/CSU und FDP dies auch unmissverständlich zugegeben. Deutschland ist mit der anschließenden Aussetzung einen Schritt gegangen, den zuvor bereits 23 andere Nato-Nationen gegangen sind. Die Abschaffung oder Aussetzung der Wehrpflicht ist ein Nato-weiter Trend, der seit Jahren nicht zu stoppen scheint. Damit zusammenhängende Ängste, Befürchtungen als auch negative Konsequenzen gab und gibt es in fast allen Nationen. In Deutschland waren diese immer besonders groß. Umso mehr wundert es natürlich, dass dann die Entscheidung zur Abschaffung in den üblichen Schritten 1.) Reduzierung und 2.) anschließende Aussetzung ohne nennenswerten gesellschaftlichen Widerstand vonstattengegangen ist.

Der Weg der Egalisierung

Der Grund dafür liegt letztendlich wohl in einem bestimmten Umstand: Die Bundeswehr als Teil der Gesellschaft und Parlamentsarmee geht einen Weg, den vor ihr schon viele staatliche und nicht-staatliche Institutionen und Organisationen gegangen sind, nämlich den der Egalisierung. Was heißt hier Egalisierung? Die Bundeswehr ist einerseits eine der angesehensten staatlichen Organisationen. Sie rangiert im Prinzip auf Augenhöhe mit dem Bundesverfassungsgericht oder auch der Polizei. Nur das, was sie tut, also was die Politik oder das Parlament ihr in die Auftragsbücher schreibt, interessiert die Bevölkerung immer weniger. Viele Beobachter wittern hierin eine Abkoppelung von der Gesellschaft und befürchten einen neuen Staat im Staate oder Ähnliches. Diese Skeptiker kann man jedoch beruhigen. Das Einzige, was man feststellen muss, ist, dass der Soldatenberuf und die Institution, egal ob am Horn von Afrika oder am Hindukusch tätig, die Gesellschaft genauso wenig interessieren wie die Ausstattung von Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr oder Splitterschutzwesten der Bundespolizei.

Die im Zuge von Professionalisierung und Individualisierung entstandenen gesellschaftlichen Meinungsbilder sind eher dergestalt, dass man sagt: „Dafür werdet ihr bezahlt, das habt ihr euch so ausgesucht, das ist euer Job, dann macht ihn auch und erwartet nicht immer Mitleid und Beistand von uns.“ Diese Erkenntnis ist natürlich für viele Angehörige der Bundeswehr eine sehr ernüchternde, aber sie nimmt auch ein wenig die Last von den Schultern aller Beteiligten.

Nachwuchsgewinnung und Imagewerbung

Letztendlich steht die Bundeswehr somit in einer Reihe mit den staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen, die zukünftig mehr als bisher um ihr Image werben müssen. Dieses natürlich insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Ein „Zwangspraktikum“, welches in ein freiwilliges Beschäftigungsverhältnis mündet, gibt es nun nicht mehr. Innovative Ideen der Nachwuchsgewinnung und Imagewerbung sind gefragt. Ideen, die anknüpfen sollten an die neuen sozialen Netzwerke, die einen flexiblen Dienst ermöglichen. Des Weiteren Ideen, die eine gute Work-Life-Balance sichern und dem Einzelnen Zeit für sich selber und die Familie einräumen. Dazu gehören natürlich auch anspruchsvolle und interessante zivil verwertbare Ausbildungs- und Studiengänge.

Alles in allem, muss sich niemand ernsthaft um die Bundeswehr und ihre Stellung in der Gesellschaft sorgen. Auch eine reduzierte Bundeswehr, die mit 180.000 Freiwilligen und ohne Wehrpflicht auskommt, wird alle ihr aufgetragenen Pflichten, von der Landes- über die Bündnisverteidigung bis zu internationalen Friedens- und Kampfeinsätzen, erfolgreich meistern.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Oskar Lafontaine, Dokumentation - Texte im Original, Thomas Dörflinger .

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