Moderatorin nach Entlassung: „Der WDR entmündigt die alten, treuen Zuschauer“ | The European

Egidius Schwarz28.07.2021Medien, Politik

Zu einem handfesten Eklat kam es beim WDR. Die langjährige Mitarbeiterin des Senders arbeitet künftig nicht mehr weiter. Simone Standl empfindet die Art und Weise, wie die Trennung erfolgte, als „unglaublich verletzend“.

Zu einem handfesten Eklat kam es beim WDR. Die langjährige Mitarbeiterin des Senders arbeitet künftig nicht mehr weiter. Simone Standl empfindet die Art und Weise, wie die Trennung erfolgte, als „unglaublich verletzend“.

Simone Standl war für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) eine feste Instanz. Seit Jahren arbeitete sie und moderierte zuletzt die „Lokalzeit“ aus Köln. Doch nun musste sie ihren Stuhl räumen, der, wie sie in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ sagte, nicht „absolut unfreiwillig“ war. Gerne hätte Standl weiter moderiert. Und gegenüber der Sonntagszeitung erklärte sie: „Ich hätte gern noch einige Jahre weiter moderiert“. Denn, wie Standl betonte, hätte sie das Publikum noch lange gesehen, sie war beliebt. Das geht für die Moderatorin aus den vielen „Zuschriften, Leserbriefen und Internetkommentaren“ hervor, die ein eindeutiges Zeichen dafür waren, dass das TV-Publikum sie „wohl gern noch länger gesehen“.

WDR gibt keine Begründung

Doch der Sender zog die Reißleine. Und wie das der WDR abgezogen habe, sei feige. Den wahren Grund ihrer Entlassung hatte man ihr gar nicht mitgeteilt, allein die Verantwortlichen haben sich in schwammigen Aussagen hin und her gewunden. Man wolle neue Zielgruppen erobern, hieß es – und eine über 50-Jährige passe nicht in das Bild der neu anvisierten Altersgruppe zwischen 35 und 55.

Doch die langjährige Journalistin und erfahrene Moderatorin nimmt den Machern des Öffentlich-Rechtlichen diesen Grund nicht ab. Mit jüngeren Moderatoren können sich insbesondere Ältere nicht identifizieren. Standl glaubt eher daran, dass man die älteren und treuen Stammzuschauer vergrault, wenn man ihnen das Vertraute und Liebgewonnene wegnimmt. Verärgert ist sie über das „unehrliche Herumgeschwurbel und das Erfinden von abwegigen Begründungen“ seitens ihres langjährigen Arbeitgebers und betont: „Wie der WDR mich zur Tür hinausgeschoben hat, war einfach unglaublich verletzend.“

Langjährige Moderatoren passen nicht ins neue diverse Leitbild

Aber hinter allem vermutet Standl etwas anderes. Die Begründung, dass alte Moderatoren einfach nicht mehr ins Bild für einen Sender passen, der, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk insgesamt, sich neu aufstellen will, ist eine Ausrede. Was dahintersteht ist klar: Man will deutlich mehr Diversität, mehr Gender. Doch das Publikum mag – wie beim derzeitigen Wahlkampf auch – keine Überraschungen und Veränderungen, da ist sich die Ex-Moderatorin sicher. Das interessiert die Sendermacher einfach nicht und die Alten zählen eben nicht mehr zur Klientel. Das Ganze wirkt für Standl wie eine Entmündigungskampagne einer ganzen Generation: „Der WDR entmündigt die alten, treuen Zuschauer und agiert ungeschickt.“ Persönlich empfindet die vom Publikum geliebte Moderatorin diese Entwicklung als sehr schade.

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