Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte. Josef Ackermann

Hintergrund

Einsame Insel

Big_1c66413617

Kann es ein Happy End für die Beziehung zwischen Großbritannien und der EU geben, oder sind alle Verhandlungen verlorene Liebesmüh?

Hintergrund

Nur 33 Kilometer trennen die weißen Kreidefelsen Dovers vom europäischen Festland. Und doch scheint es, als lägen Welten dazwischen. Großbritannien und die EU, das ist die politische Seifenoper Europas: Erst gab es Flitterwochen, dann Krise. Man zankt und verträgt sich wieder. Dann folgt die nächste Krise. Kann das gut gehen?

Es ist eine Beziehung, deren Anfangstage bereits von Ambivalenz geprägt waren. Als der Architekt des europäischen Projektes, Jean Monnet, 1951 zum ersten Mal nach London reiste, um über einen Beitritt Großbritanniens zur geplanten Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl zu verhandeln, zeigten sich die Briten interessiert – fragten aber im gleichen Atemzug skeptisch, ob man nach einem Eintritt auch wieder austreten könne. Großbritannien blieb der Gemeinschaft vorerst fern. Gelegentliche Annäherungsversuche gab es aber auch weiterhin. Bis zu seinem EG-Beitritt 1973 verharrte Großbritannien zwischen den Stühlen. Die Insel war hin und her gerissen zwischen „ever closer union“ und „splendid isolation“.

In dieser Zwickmühle steckt das Land auch heute wieder. Selten war die Lust auf einen weiteren Verbleib in der EU so gering. Zwei Jahre ist es her, dass der britische Premier David Cameron eine reformierte EU forderte und den Briten im Falle seines Wahlsiegs ein Referendum über den britischen Verbleib in Aussicht stellte. Zu groß wurde der Druck von euroskeptischen Parteien wie Nigel Farages UKIP, zu laut die Forderungen, das Schicksal Großbritanniens in die Hände der Bürger zu legen, anstatt in Brüssel darüber entscheiden zu lassen.

Soll Großbritannien ein Teil der EU bleiben?

Wenn die Briten im Mai ein neues Parlament wählen, steht also mehr auf dem Spiel als nur die politische Ausrichtung ihres Landes. Jeder Stimmzettel wird auch eine Antwort auf unsere Debattenfrage sein:

Braucht Europa die interne Frontalopposition seitens Großbritannien zur kritischen Selbstreflexion oder verlangsamt das ständige Bremsen der Briten die ohnehin schleppende europäische Integration zu sehr? Darüber wird man sowohl im Vereinigten Königreich als auch im Rest Europas debattieren müssen, denn der Platz zwischen den Stühlen verringert sich zusehends.

„Ich werde die Briten nicht kniend anflehen, zu bleiben“ betonte jüngst EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. „Man sollte nicht zusammenbleiben, wenn die Bedingungen auf einmal andere sind als zu Anfangstagen. Es ist einfach, sich zu verlieben, doch schwierig, verliebt zu bleiben.“ Doch genau um die Veränderung ebendieser Bedingungen geht es David Cameron und den schätzungsweise 40 Prozent der britischen Bevölkerung, die sich für einen Austritt aussprechen. Ein Paartherapeut war nie notwendiger.

„Die zweite Ehe ist der Triumph der Hoffnung über die Erfahrung“, schrieb der britische Sprachwissenschaftler Dr. Johnson einst. Hoffen wir, dass es in diesem Fall bei der ersten bleibt.

zurück

Dem Brexit-Luftschloss geht die Luft aus

Medium_68e7f86cda

Brexit – ein antideutscher „Krieg“?

Dem Brexit-Luftschloss geht die Luft aus. Brexit-Befürworter retten sich in Nostalgie und Verschwörungstheorien und spielen die antideutsche Karte.

Was kommt nach dem Brexit?

Medium_989acfcb3a

Deal or no deal? – Was mit Patenten und Marken nach dem Brexit passiert

Ende März 2019 scheidet das Vereinigte Königreich offiziell aus der EU aus. Entscheidend ist, auf welche Weise diese Trennung vollzogen wird. Dem eher „weichen“ Brexit nach dem geplantem Austrittsabkommen von Theresa May steht die Möglichkeit eines „harten“ Brexits ohne Übergangsregelungen gegenüber. Von Achim von Michel.

Beide Brexit-Lager setzen alles auf eine Karte

Medium_c5fb13b89f

Niemand will den »bestmöglichen« Brexit-Deal

Premierministerin Theresa May hat die Abstimmung über den Brexit-Deal vertagt, da sich eine breite Ablehnung im britischen Unterhaus abgezeichnet hatte. Das liegt nicht nur an der Unzufriedenheit über die ausgehandelte Ausstiegsvereinbarung, die Brexiteers und die Brexit-Gegner verfolgen einen anderen Plan, meint unser Autor Andreas T. Sturm.

Der Efta-Beitritt Großbritanniens hätte Charme

Medium_989acfcb3a

Was passiert, wenn May das Brexit-Abkommen verliert?

Was passiert eigentlich, sollte Theresa May am Dienstag die Abstimmung über das Brexit-Abkommen mit der EU im Unterhaus verlieren? Dass sie keine Mehrheit im House of Commons hat, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Von Frank Schäffler.

Brexit-Votum und die Frage nach den Mehrheiten

Medium_c5fb13b89f

Die Grenzen der Demokratie

Knappe Mehrheiten können oft weitreichende Folgen haben. Die Brexit-Entscheidung vom 23. Juni 2016 in Großbritannien hat solche Folgen – wahrscheinlich über Jahrzehnte hinweg. Damals stimmte eine knappe Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt der Briten aus der Europäischen Union. 48,1 Prozent stimmten für den Verbleib. Rund 52 Prozent bestimmen also über 48 Prozent. Das nennt man Demokratie.

Das Brexit-Endspiel

Medium_989acfcb3a

Showdown auf der Weltbühne

Lange Verhandlungsnächte und spektakuläre Showdowns haben oft viel mit Theater für die eigene Zielgruppe zu tun. Keine Tarifeinigung, ohne dass die Verhandlungsführer ihren Mitgliedern am Morgen danach mit tiefen Augenringen demonstrieren, dass mit letzter Kraft das maximal Mögliche für sie herausgeholt wurde.

 
meistgelesen / meistkommentiert