Kollektiv marsch – Impfverweigerer erschießen? | The European

Simone Belko7.08.2021Medien, Wissenschaft

Menschen erschießen? Nein, das tun wir nicht mehr in der aufgeklärten Gesellschaft. Homo Hygienicus hat längst subtilere Methoden gefunden um Querdenker heim zu holen. Wer ihm entkommen will, muss die Feste feiern wie sie fallen. Von Simone Belko.

Homo Hygienicus regiert, Quelle: Shutterstock

Die Spaßgesellschaft hat ausgedient. In Deutschland ist das Vergnügen nicht mehr gern gesehen. Feiern ist „inakzeptabel“ – wie es Noch-Kanzlerin Merkel vor einiger Zeit formulierte – angesichts der Dauerkrise, die Politik und Medien ergriffen hat, seit uns der ominöse Corona-Virus im Dauergriff hat. Es scheint fast, als hätten viele nur darauf gewartet, übermüdet von dem ständig Anspruch auf Zerstreuung, sich endlich etwas Weltbewegendem zu widmen, dass ihrer eigenen kleinen Welt ein bisschen Hollywood-Glamour verleiht.

Entsagung ist in. Forscher bezeugen der Jugend von heute eine „neue Ernsthaftigkeit“. Gesundheit statt Laster, verzichten zugunsten des Klimas, Fair Trade und Impact Investing statt Schnäppchenjagd und Statussymbolen. Vorbei sind die Zeiten von Hedonismus und Promiskuität. Eine neue tugendhafte Enthaltsamkeit macht sich breit, die sich schleichend zum ideologischen Anspruch entwickelt. Lebensgenuss ist nicht mehr eine Angelegenheit des individuellen Wohlbefindens, sondern stets nur im Kosten-Nutzen-Verhältnis zu den Folgen für die Umwelt haben. Überzeugte Selbstermächtigung wird schnell als vorlauter Egoismus verschrien, der durch sein Abweichlertum gar gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein könne. Tu etwas für den Fortschritt und die Einheit der Nation, aber tu es gefälligst wie alle!

Die neue Versklavung in der Demokratie-Matrix

Der Faschismus ist erwachsen geworden. Wenn das Kollektiv seine Sogwirkung entfaltet, hält nichts Stand. Kritische Stimmen, Fakten, Wahrheiten, Empathie, Nachsicht und ein verhaltenes Über-die-Schulter-schauen, alles versinkt im Strudel des hysterischen Einheitsbreis, der sich das Allgemeinwohl nennt. Die Zukunft wird gefangengenommen in Phantasien von Keimfreiheit und Sterilität. Kreissäle werden zu Orten voller Stress, Schulen zu Horten der Indoktrination und Altersheime zu Endstationen der Entmündigung. Schwere gesundheitliche Schäden durch experimentelle Gentherapien, sogar an Jugendlichen und Kindern, ist die herrschende Elite offenbar bereit für die Beherrschung ihrer Angst vor dem Unberechenbaren in Kauf zu nehmen.

Als wenn es die Aufklärung der Moderne und das selbstbestimmte Individuum nie gegeben hätte, entscheidet diese Elite, wer wie leben und sterben darf. Sie serviert uns diese neue Versklavung in der Demokratie-Matrix als Ausgleich zwischen konkurrierenden Interessen, obwohl die Agendas von langer Hand im Hintergrund geplant sind. Die Medien schaffen Peep-Shows aus immer neuen Skandalen und höchst unterhaltsamen Schuldzuweisungen, die unsere Schadenfreude ansprechen und uns vom alltäglichen Übel ablenken. Immer mehr unserer kostbaren Zeit vergeuden wir mit dem Befolgen bürokratisch höchst widersprüchlicher Vorschriften, anstatt innezuhalten und zu fragen, wem das alles nützt.

Regimekritische Ärzte, Richter und Journalisten, die sich für Verhältnismäßigkeit, Langzeitfolgen und Kollateralschäden von Masken, Distanzierungsmaßnahmen und notzugelassenen Impfungen interessieren, stehen im repressiven Radar des Staats, während dieser für die langfristige individuelle Gesundheitsprävention kein Geld übrig hat. Die Mainstream-Öffentlichkeit inszeniert hier und da eine Brise kritischen Journalismus, um dann sich dann aber à la longue dem alternativlosen Narrativ der angeblichen Vernunft immer härterer Beschränkungen zu fügen. Der Preis für diesen Verlust von Anstand und Augenmaß ist hoch: Das Vertrauen in Politik und Eliten hat international einen historischen Tiefpunkt erreicht. Amokläufe und gestiegene Selbstmordraten in vielen modernen Gesellschaften sind ein Gradmesser dafür, wie sehr die psychische Stabilität durch den Kollektivzwang beschädigt wird.

Mit Zahlenopfern in die Katastrophe

Warum vertrauen wir der heiligen Natur nicht mehr? Weil sie verrückt spielt. Überschwemmungen, Tornados, Hitzewellen und Dürren, Korallensterben, Bienensterben, Trinkwasserknappheit, vergiftete und überbaute Böden, Mikroplastik in der Muttermilch – wir erkennen unsere geliebte Umwelt nicht mehr wieder. Das Chaos, in das wir immer schon von Anfang an verwoben sind, bricht mit aller Macht in unsere Wohlfühlzone und macht uns Angst. Hilflos und schuldgeladen sehen wir zu, wie wir trotz Tabellen und Modellen nichts gegen neue Mutationen, Varianten und Umwege des planetarischen Kreislaufs ausrichten können. Zorn macht sich breit, gegen diese Unvorhersehbarkeit und überwältigende Vereinnahmung durch die Welt, die sich trotzdem keinen Deut um unsere Probleme kümmert.

Wo die Natur uns schmählich im Stich lässt, möchte der Staat diese Fürsorge gerne für uns übernehmen. Aber anstatt realpolitische Mechanismen für widrige Wirklichkeiten aufzustellen, verwaltet der Bürokratieapparat am Schreibtisch Opferzahlen und jagt Infektionsherden hinterher. Der Mensch als Opfer des größten angenommenen Risikos muss nicht nur geschützt, sondern vor allem als potentieller Klimasünder und Umweltverschmutzer in seiner schädlichen Wirkung im Namen der Zukunft maximal begrenzt werden.

So sehr, dass das Bundesverfassungsgericht glaubt, dass „gravierende Freiheitseinbußen zum Schutz des Klimas verhältnismäßig und verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein“ können. Schon jetzt werden Jugendliche in europäischen Ländern zum Schutz der Allgemeinheit „isoliert“ oder „gefangen“ für Impfkampagnen. Entgegen den Empfehlungen der Wissenschaftler werden Lockdownpläne für die nächsten fünf Jahre geschmiedet, wenn es denn die Umstände notwendig machen. Die Politik reagiert ja nur auf die angriffslustige Natur, die es zu bändigen gilt, oder?

Transhumane Phantasien der ewigen Glückseligkeit

Die transhumane Gesellschaft will alles neu zusammenflicken. Zurück zur Stunde Null. Der Traum von der ursprünglichen Einheit mit der Weltseele steigt aus unseren Lenden auf. Wir erinnern uns sehsüchtig einer Natur, die nicht feindselig, sondern fürsorglich ist. Aber wir werden nicht mehr von Mutter Natur ernährt, sondern von Big Brother, der ein lüsternes Auge auf uns geworfen hat. Er pumpt seine Samen in unser Gehirn und unsere Venen. Er lässt nichts unversucht um uns seinem perversen Traum der technologischen Einverleibung zu unterwerfen. Wir werden vermarktet, verkauft, in Stücke zerteilt und an Höchstbietende verschickt – verpackt in unseren Träumen.

Progressive Initiativen wie der Wellcome Trust wollen Mensch-Maschine-Symbiosen verwirklichen und entwerfen dafür invasive Tech-Gadgets bereits für Kleinkinder. Sie maskieren Ihre Interessen mit hübschen Versprechen, um unsere Kreativität für das ultimative Upgraden der Menschheit anzuzapfen. Diese neue omnipotente Bio-Macht über den Körper ist selbst körperlos: Wenn unsere Körper erst durch die Technologie diszipliniert sind, muss die Macht selbst nicht mehr als Instanz präsent sein – der perfekt inszenierte Panoptimus ist unsichtbar.

Auch im Westen wird China mehr und mehr zum willkommenen Vorbild, um die neuen technologischen Möglichkeiten zur Unterdrückung individueller Lebensentwürfe zu instrumentalisieren. Wo persönliche Beziehungen in der bürgerlichen Gesellschaft einst den Warenaustausch bestimmten, werden diese nun in der spätkapitalistischen Phase durch den optimierten Verwertungsprozess des Kapitals selbst ersetzt. Wir fügen uns willig, weil die Aussicht auf eine göttliche Superintelligenz lockt, die uns irgendwann von unseren Leiden (um vom Leben selbst) gänzlich befreien wird. Productive happiness forever.

Die Innigkeit der Natur braucht Vergebung

Während wir unseren Körper mit technologischer Hilfe in immer bedrängender Vergrößerung erschließen und infiltrieren können, verstehen wir doch immer weniger von seinen komplexen Wechselwirkungen. In nur einem Jahr medialer Panikmache wurden wichtige Erkenntnisse über menschliche Gesundheit über den Haufen geworfen: der Glaube an Immunabwehr und Selbstheilung durch Achtsamkeit und eine positive Lebenseinstellung, der entscheidende Einfluss psychosozialer Beziehungen auf die körperliche Konstitution, eine stressfreie Umgebung für die Aufrechterhaltung physischer und mentaler Resistenz und die wichtige Rolle eines ausgeglichenen Alltags mit Bewegung, Sport, Kultur und Freude für eine hohe Lebensqualität. Das gute Leben, welches die Ethik seit Jahrtausenden zu ergründen versucht, hat seit jeher einen Preis: Es ist das Wissen darum, dass man sich nicht gegen alles versichern kann, sondern das eigene Versagen manchmal hinnehmen muss, auch wenn es schwerfällt.

Derweil wird das technologische Gefängnis immer kleiner. Fast harmlos und selbstverständlich erscheint es, wie ein Körperteil, ein vertrauter Feind. Eine mit neuen Möglichkeiten ausgestattete, aber immer nur vorgetäuschte Sicherheit entfremdet uns unserer eigenen Natur. Wir versuchen uns vor ihr zu verstecken, mit Masken, zwecklos, denn sie ist immer schon in uns. Die Zeit dreht sich längst, aber wir wollen es nicht wahrhaben, wollen festhalten an Relikten, die uns doch schon bald durch die Finger rinnen werden. Aber was passiert, wenn uns schließlich die Maske vom Gesicht gerissen wird? Hinter den Schatten, Ziffern und Abstraktionen steht das nackte Leben, das noch nicht qualifizierte Leben, das uns seinen Urschrei unvermittelt entgegenwirft. Es verspricht Uneigennützigkeit und Lebensfreude, die kein Gadget simulieren kann.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Mobile Sliding Menu