Jede Demokratie, die ihre Konflikte nicht austrägt, hört auf, demokratisch zu sein. Günter Grass

Hintergrund

Die Ruhe nach dem Sturm

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Finanzkrise ade? Das Schlimmste scheint überstanden, Bankenpleiten sind zumindest in Europa keine akute Gefahr. Doch welche Lehren müssen wir jetzt ziehen, um eine zukunftsfähige Finanz- und Wirtschaftsordnung zu definieren? Eines ist klar: Weitermachen wie bisher ist keine Option.

Hintergrund

Die weltweite Finanzkrise, die im Frühling 2007 als Subprimekrise in den USA begann und die Weltwirtschaft in einen Abwärtsstrudel zog, hatte weltweite Auswirkungen. Die krisenbedingte Minderung des globalen Bruttoinlandsprodukts wird auf vier Billionen US-Dollar geschätzt. Allein in Deutschland gab es in den letzten drei Jahren laut Statistischem Bundesamt jährlich etwa 30.000 Unternehmens- und durchschnittlich 130.000 Privatinsolvenzen pro Jahr – deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Ob Regulierung von Finanzprodukten, Verstaatlichung von Banken, Schnüren von Konjunkturpaketen oder Abwendung von Staatsbankrotten, Staaten haben überall auf der Welt regulierend in den Markt eingegriffen, um Schlimmeres zu verhindern. Eine Studie von Deutsche Bank Research von April 2009 beziffert das gesamte weltweite Volumen der Konjunkturprogramme auf etwa 2.000 Milliarden Dollar.

Ausgelöst durch die Konsequenzen der Krise wird auch die Gretchenfrage der Ökonomen wieder vermehrt gestellt: Gibt es einen freien, sich selbst regulierenden Markt oder ist staatliche Regulation der Schlüssel zum größtmöglichen Wohl? Während die einen behaupten, der freie Markt habe genug interne Mechanismen der Regulierung, rufen andere nach dem Staat, der das Monster Kapitalismus im Zaum halten soll. Manch einer am äußeren linken Rand stimmt gar wieder das Hohelied auf den Kommunismus an. Die Kritiker des Wirtschaftsliberalismus fühlen sich jedenfalls durch die Finanzmarktkrise und die darauffolgende weltweite Wirtschaftskrise bestätigt. Doch es gibt auch diejenigen, die dagegenhalten, dass Ausbruch und Verlauf dieser Krise keineswegs althergebrachte Wirtschaftstheorien widerlegen.

Selbst in Bezug auf die Analyse der Ursachen der Finanzkrise gibt es grundlegend verschiedene Ansätze. Während die eine Seite die Meinung vertritt, man hätte die Macht der Banken vorher stärker beschneiden sollen, da ein von der Realwirtschaft losgelöster Finanzmarkt diese mit ins Unheil gezogen habe, behaupten andere, das Eingreifen der Regierungen habe den Selbstreinigungseffekt des Marktes verhindert und die Situation dadurch noch verschlimmert.

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