Der Sieg gegen die Taliban führt über Neu-Delhi

von David Ignatius15.03.2010Außenpolitik

Alle Welt schaut auf das Pulverfass Afghanistan. Bevor es entschärft werden kann, muss jedoch ein anderer Konflikt gelöst werden: Indien und Pakistan müssen sich verbünden. Denn damit Pakistan im Westen Taliban jagen kann, muss Indien dem Erzrivalen im Osten Luft lassen. Und Neu-Delhi scheint bereit, das Risiko einzugehen.

Der Schlüssel zu Kabul liegt in Islamabad, meint Admiral Michael Mullen. Denn der Erfolg in Afghanistan sei ohne Pakistans Hilfe unmöglich. Doch der Vorsitzende der Vereinigten US-Stabschefs muss auch wissen: Wegen des komplizierten politischen Geflechts in jenem Teil der Welt liegt der Schlüssel zu Islamabad wiederum in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Indien muss Pakistan zusichern, dass es – während Pakistan mit den USA die Taliban an seiner Westgrenze zurückdrängt – den militärischen Druck an Pakistans Ostgrenze lockert. Aus verständlichen Gründen hat sich Indien bislang meist aus dem “Af-Pak”-Spiel herausgehalten. Die indische Öffentlichkeit ist besorgt, in einen regionalen Schlamassel gezogen zu werden, und befürchtet nach den Mumbai-Anschlägen von 2008 noch mehr pakistanischen Terrorismus. Hochrangige Persönlichkeiten in Indien sagen jedoch hinter vorgehaltener Hand, dass ihr Land mittlerweile vielleicht doch stark genug für das Risiko sei, seinem schwachen Nachbarn zu helfen. Denn beide Nationen wären besser dran, wenn sie ihren Argwohn überwänden und kooperierten – indem sie den USA helfen, das Pulverfass Afghanistan zu stabilisieren. Wenn die indische Führung diese Herausforderung annimmt, könnte dies zu einer neuen Ära in Südasien führen. Falls nicht, werden sie wohl zusehen müssen, wie Pakistan und Afghanistan tiefer im Chaos versinken – und den Preis dafür später bezahlen.

Erste hoffnungsfrohe Zeichen

Indien und Pakistan haben daher nun Abgesandte für Hinterzimmergespräche benannt. Der pakistanische Gesandte soll Ex-Außenminister Riaz Mohammad Khan sein, das indische Gegenüber der Ex-Botschafter in Islamabad S.K. Lambah. Beide Seiten haben mir versichert, dass sie den Stein ins Rollen bringen wollen, und verweisen auf leise Schritte, um Spannungen zu vermeiden: So hat Pakistan etwa 100.000 Soldaten in den Westen abgezogen, um die Taliban im Swat-Tal und Süd-Waziristan zu bekämpfen. Indien hat seinerseits 30.000 Soldaten an der Grenze zu Pakistan abgezogen. Obwohl dies hoffnungsfrohe Zeichen sind, werden sie das Blatt nicht komplett wenden können. Indien will Beweise, dass Pakistan es ernst meint mit der Zerschlagung von Terrorgruppen wie der Lashkar-e-Taiba, die in Mumbai zuschlug. Pakistan wiederum will eine Garantie, dass wenn es muslimische Kämpfer wie die Taliban und ihre Verbündeten in Afghanistan unter Druck setzt, Indien die Situation nicht zu seinem Vorteil ausnutzt.

Informationen müssen geteilt werden

Jede Nation befürchtet – oft aus gutem Grund –, dass der Geheimdienst des jeweils anderen Landes Afghanistan als Übungsplatz nutzt. Anstatt ihre Spione aber gegenseitig zu bekämpfen, müssten die beiden ihre Informationen über gemeinsame Gefahren teilen. Dabei bleibt das Problem der politischen Asymmetrie: Indien hat eine starke Demokratie, in der das Militär zwar machtvoll ist, aber der politischen Führung untersteht. In Pakistan ist das Gegenteil der Fall: Das Militär ist hier das widerstandsfähigste Element der pakistanischen Elite. Bei ihrer Geburt 1947 wurden Indien und Pakistan voneinander getrennt und sind seitdem immer am Rande des Brudermordes. Dabei haben diese beiden Länder keine Wahl, außer gemeinsame Wurzeln und Schicksal anzunehmen. Indien wird nicht sicher sein, ohne dass es Pakistan ist, und umgekehrt. Keines der beiden Länder kann es sich gemütlich machen, solange Afghanistan ein Schlachtfeld bleibt. Angesichts der gemeinsamen Probleme muss es zur Zusammenarbeit kommen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu