Kino im Kopf braucht keine Hintergrundbeleuchtung. Guido Walter

Digitale Lebenslinien

Das Next Big Thing im Web hat bereits begonnen: die Vereinigung des Web und der eigenen persönlichen Informationen zu einem digitalen Tagebuch. In Lifestreams lässt sich jeder Schritt im Web, jede Nachricht, jedes Lied, jedes Foto zu einer persönlichen Informationswolke bündeln – abrufbar jederzeit und von überall.

Die Cyberwelt besteht aus einer Masse von Menschen, die über verschiedene Kanäle simultan miteinander kommunizieren. Wir können uns aber immer nur auf einen konzentrieren, um wirklich zu verstehen.

Um das Chaos in der Cybersphere zu vereinfachen, muss man diese vereinen. Dies passiert, indem mehr und mehr Seiten die Form von Streams annehmen und wir auch unsere persönlichen Informationswelten in Streams formieren. Mitte der 90er erfand unsere Forschungsgruppe in Yale den "Lifestream“: ein heterogener zeitorientierter Stream, in der jedes Dokument, jede Mail, jedes Foto und jedes Lesezeichen gebündelt wurde, all das in Echtzeit.

Elektronische Lebenslinien

Der Lifestream stellt eine elektronische Lebenslinie dar, auf die sich von überall in der Welt zugreifen lässt. Datenverzeichnisse und Dokumentnamen werden somit nicht mehr benötigt, da man den Stream leicht auf ein Thema fokussieren kann – einfach per Contentsuche. Uns wurde klar, dass auch Websites sehr einfach als Streams strukturiert werden könnten.

Heute gibt es Lifestreams (auch Eventstreams, Feeds, RSS Updates, Twitterstreams etc. genannt) überall. Auch Emails nehmen oft die Form eines Lifestreams an (geordnet nach Zeit, leicht zu browsen und leicht nach Inhalt zu durchsuchen). Es ist einfach, alle anderen Kommunikationskanäle in einem Mailstream zu bündeln – ankommende Text- und Sprachnachrichten, Instant-Messages und mehr.

Nun müssen nur noch alle Fotos, alle Musik-Dateien und jedes Video in diesem Stream gebündelt werden. Setzt man ein Lesezeichen auf eine Webseite, fügt man auch dieses seinem Lifestream hinzu. Ebenso lassen sich alle besuchten Seiten einschließen. Nun ist der Stream dein elektronisches Tagebuch, das dein ganzes Leben abbildet. Es beinhaltet verschiedenste Informationstypen arbeitet sehr schnell.

Gleichzeitig ist es einfach, einen Stream zu fokussieren, um nur Fotos oder Emails anzusehen. Es ist ebenso einfach, nach Themen zu suchen und Sub-Streams zu kreieren, die alle Informationen eines bestimmten Themas bündeln.

Durch Beobachten des Streams, ist man zu jeder Zeit im Bilde, was im persönlichen elektronischen Leben aber auch im Web Bedeutung hat. So löst sich die unnatürliche Trennung zwischen der privaten digitalen Welt und dem Internet. Die Cybersphere als Ganzes vereint alle Streams der Welt – wir können es uns wie einen gigantischen Fluss vorstellen, der in kolossalen Stromschnellen zu mehreren Trillionen von prismatischen Teilchen über einer Klippe zerfällt.

Das Web als Ganzes zu sehen

Menschen wollen immer das Große Ganze sehen. Das Web ist wie ein großer Zeppelin – ein kleines Stück nutzbarer Raum, unter einem riesigen Gasbehälter. Es besteht hauptsächlich aus Orten, die die meisten User nie besuchen wollen.

Dennoch streben Menschen nach dem Überblick, nach der Erkenntnis des großen Zusammenhangs. So sollten wir auch in der Lage sein, das ganze Web zur gleichen Zeit überblicken zu können: "Das Web aus dem Weltall“. Wie wird das funktionieren? Das ist das Next Next big thing.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dominique Guinard, Robert Tolksdorf, Pippin Wigglesworth.

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