Es sind meist die dümmsten Wörter, die Karriere machen. Stefan Gärtner

Hilfe, die Genderideologen sind da

Die Erfolge der Genderideologie sind überwältigend. Wer hätte noch vor 20 Jahren gedacht, dass es eine Ideologie mit einer wissenschaftlich unhaltbaren Kernaussage zu mehr als 200 Lehrstühlen und Universitätsinstituten bringen könnte?

Eine Ideologie, die jeder Alltagserfahrung widerspricht, würde Medien und Politik erobern? Ein Glaubensgebilde, das Geschlechtsidentität als losgelöst von der biologischen Grundlage begreift und in der Folge als gesellschaftlich definiert und beliebig wechselbar ansieht, hat einen beispiellosen Siegeszug durch westliche Gesellschaften hinter sich.

Und die Pläne dieser Ideologie reichen noch weiter. Die komplette Dekonstruktion der Geschlechterrollen steht auf dem Programm. Quasi als eine Art Pendant zur Aufhebung der Klassen im längst auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgten Marxismus.

Warum scheinen die Genderkritiker zu unterliegen?

Keine der Kernaussagen der Gendertheorie wurde wissenschaftlich erfolgreich belegt. Und mit Ersatzreligionen haben westliche Kulturen doch mehr als genug Erfahrungen, um sie in die Schranken zu verweisen.

Und doch:

Genderkritik steht im öffentlichen Bild im Geruch einer skandalösen, ewig gestrigen Denkweise. Wer eine biologische Grundlage der Geschlechtsidentität als gegeben ansieht, sieht sich Kampagnen gegenüber. Wer gar Schlussfolgerungen aus dieser wissenschaftlich gut beweisbaren Tatsache zieht, lernt die brutal ausgeübte Macht derer kennen, die kein Interesse daran haben, dass ihr Glaube durch Fakten Schaden erleidet.

Dass Genderkritiker häufig wissenschaftlich noch im letzten Jahrhundert feststecken mag dazu auch beitragen. Wer, wie Prof. Kutschera, die Erkenntnisse der Neurobiologie der letzten zwei Jahrzehnte ignoriert, weil sie nicht zu seiner monokausalen, ausschließlich genetisch bestimmten Definition von Geschlechtsidentität passen, bietet natürlich Angriffspunkte für pseudowissenschaftliche Genderideologen.

Noch schlimmer hat sich Birgit Kelle in eine selbst gestellte Falle manövriert.

Anläßlich des Urteils des BVerfG zum „Dritten Geschlecht“ ließ sie den Deutschlandfunk wissen, dass Intersexuelle ein drittes Geschlecht seien.

Wenn man es, der in unseren Kreisen weitgehend als transphob eingestuften,Birgit Kelle nicht so von Herzen gönnen würde, mit Ihrem Halbwissen mal so richtig einzubrechen – man hätte eher Grund zum Weinen als zum Lachen.

Ein drittes Geschlecht? Welche, nicht in den beiden Geschlechtern vorhandenen „Bauteile“ oder sonstigen Merkmale geschlechtlicher Identität kann Frau Kelle denn anführen?

Immerhin war sie konsequent. Wer Geschlechtsidentität als ausschließlich genetisch begründet ansieht, muss konsequenterweise bei Intersexualität unterschiedliche Geschlechter diagnostizieren. Selbst Schuld, wenn man die Gehirnforschung beim Thema Geschlechtsidentität ignoriert.

Nur: Solche Genderkritiker sind ein Geschenk an Genderideologen. Genderideologie kann nur mit Wissenschaft begegnet werden. Und zwar mit Wissenschaft ohne Scheuklappen und ohne Befindlichkeit. Bei vielen Genderkritikern liest man das Unwohlsein heraus, das Thema überhaupt zu denken. Angst, Unsicherheit in der eigenen Identität? Oder nur Angst davor, Dinge durchdenken zu müssen, die man selbst, genau wie die Genderideologen, lieber durch Glaubenssätze, als durch Wissenschaft beantworten lässt?

Die AfD steht in der vordersten Reihe der Genderkritiker. Weidel, Höchst – mutig und oft die richtigen Fragen stellend. Gerade Nicole Höchst hält Reden und Vorträge, die wir in weiten Teilen in Bezug auf Gendertheorie sofort unterschreiben würden.

Die AfD fordert die Einstellung der Genderforschung. Und hat damit unsere Sympathie. Aber warum gibt es, was folgerichtig wäre, keine Anträge die wissenschaftliche Erforschung der Geschlechtsidentität auszuweiten?

Prof. Kutschera ist Genderkritiker, Evolutionsbiologe, Genetiker. Er forderte bereits vor Jahren den Ausbau der Bioforschung in diesem Bereich und auch die Tatsache, dass er selbst vorhandene Forschung beharrlich ignoriert, macht diese Forderung nicht weniger richtig.

Stattdessen spielen zu viele Genderkritiker das Wunschprogramm der Genderideologen. Argumente aus der Mottenkiste, das Bedienen von abgründigen Vorurteilen anstatt knallharter, sachlicher Konfrontation machen es den Genderistas leicht, Angriffe bzw. die dahinter stehenden Personen zu diskreditieren.

Quelle: Philosophia Perennis

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Eckhard Kuhla, Werner Patzelt, Alice Weidel.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Gender, Gender-forschung, Afd

Debatte

Freisprech statt Gendersprech

Medium_fd1d011d3b

Gendern Sie noch oder sprechen Sie wieder?

„Liebe Leser“: welch schlichte Anrede für Mann UND Frau, beide in einem Wort vereint! Das war einmal. Heutzutage werden Frauen in Anreden zweimal genannt: mit „Liebe Leser“ und ein zweites Mal mit... weiterlesen

Medium_90f2c9d0c0
von Eckhard Kuhla
25.05.2019

Debatte

Auch Grüne müssen Islamkritik lernen

Medium_86334d719f

Dem liberalen Islam mehr Öffentlichkeit geben

Wenn die Trauer über den Schreckensbrand von Notre Dame, über Morde an Juden, an Muslimen und Christen, Buddhisten, über das zerstörte Kulturerbe in Aleppo oder Sri Lanka nicht verstanden wird, geh... weiterlesen

Medium_8fc9293178
von Eva Quistorp
02.05.2019

Debatte

Keine Diskriminierung von Homosexuellen

Medium_60f81c83be

Geschlechtliche Vielfalt darf nirgendwo auf dem Globus zu Verfolgung führen

Eine gesetzlich verankerte und staatlich organisierte Unterdrückung von Homosexualität ist mit den Menschenrechten unvereinbar. weiterlesen

Medium_fe5db47421
von Bündnis 90 Die Grünen
25.04.2019
meistgelesen / meistkommentiert