Homo-Lobby im Vatikan

David Berger22.01.2016Gesellschaft & Kultur

Papst Franziskus hatte es bereits schon mal kurz nach seiner Wahl gesagt, vor einigen Tagen wieder einer seiner engsten Vertrauten, der Kardinal von Honduras: Es gebe eine “„Homo-Lobby“ im Vatikan.”:http://www.gaystream.info/#!Vertrauter-des-Papstes-„Ja-es-gibt-eine-HomoLobby-im-Vatikan“/cjds/56967be80cf263fc5a890abe

Insider kommen immer wieder darauf zu sprechen, dass Papst Benedikt wohl tatsächlich nicht alleine aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurückgetreten sein könnte. Nein „schwule Netzwerke“ in den Mauern des Vatikan, die ihre Geheimtreffen in Schönheitssalons und einer Sauna veranstaltet haben, scheinen der Auslöser für den überraschenden Rücktritt des Papstes gewesen zu sein. Bereits wenige Monate vor dem Rücktritt Benedikts kursierte in den Kreisen des höheren Klerus ein Schreiben über die „Cordata omosessuale in Vaticano“, das wohl auch Teil von “Vatileaks”:http://www.n-tv.de/panorama/Warum-Benedikt-XVI-wirklich-zuruecktrat-article12377046.html war.

Vor wenigen Jahren war so etwas für manchen frommen Katholiken noch völlig undenkbar. Ja, das ging so weit, dass der Papstbiograf und Ratzinger-Intimus Michael Hesemann jemanden, der es wagte, von der hohen Schwulendichte im Vatikan zu sprechen, als „verlogenes, perfides Individuum“ charakterisierte, dem „alles zuzutrauen ist. Wer sich Lügen über einen ‚Prälatenstrich in Rom‘ aus den Fingern saugt, der ist zu allem fähig.“ Was bisher bei Katholiken weithin ein Tabu war, versuchte von da an keiner mehr zu verheimlichen: Homosexualität, auch die praktizierte, ist unter katholischen Klerikern überdimensional weit verbreitet.

Knapp die Hälfte aller katholischen Priester sind schwul

Eingeweihte gehen davon aus, dass etwa 30-50% aller katholischen Priester schwul sind. Dies gilt besonders für das Zentrum der katholischen Kirche. Während meiner Zeit als Professor der Päpstlichen Thomasakademie war ich oft in Rom und habe dort auch schwule Treffpunkte besucht:
Es war am Anfang für mich geradezu schockierend, dann aber schnell eine Selbstverständlichkeit, wie viele mir bekannte Gesichter aus dem Vatikan ich dort wieder getroffen habe. Manchmal in sehr intimen Situationen: Kein Darkroom und kein Busch einer Cruising-Area war in Rom vor Prälaten sicher.

Schwule Priester sind besonders papsttreu und konservativ

Um von ihren Vorgesetzten deswegen nicht behelligt zu werden, sind schwule Priester meistens besonders papsttreu und konservativ. Beste Voraussetzungen dafür, um im Vatikan Karriere zu machen. So kommt es, dass im Herzen des Katholizismus die Dichte schwuler Männer besonders hoch ist. Jeder weiß das, aber so lange sich die Würdenträger nicht öffentlich outen und ihre Sexualität möglichst diskret leben, ist das alles kein Problem. Es wird—und das ist das perfide an der Sache—für die Betroffenen erst dann zum Problem, wenn sie illoyal werden. Dann beginnt sofort der Mechanismus der Erpressung, nach dem Motto: „Wenn du schon heimlich im Sexleben vom rechten Weg abweichst, erwarten wir dafür in allen anderen Punkten von dir Gehorsam!” Dass man immer wieder in kirchlichen Kreisen betont, die homosexuellen Kirchenfürsten seien „von Laien“ erpressbar gewesen, ist nur ein Ablenkungsmanöver.

Erpressung aufgrund von Homosexualität findet zu allererst und vorwiegend intern statt: am häufigsten in der Hierarchie von oben nach unten, oft horizontal und gelegentlich auch von unten nach oben. Viele der schwul lebenden Geistlichen haben den beschriebenen Erpressungsmechanismus längst verinnerlicht, so dass sie gar nicht erst zur Ordnung gerufen werden müssen. Stets bemüht darum, romtreue Musterschüler zu sein, um das Manko ihrer wilden sexuellen Eskapaden so wieder gut zu machen. Die strahlendsten Messgewänder sind für Eingeweihte das ergänzende Pendant zu den dunkelsten Orgienkellern. Die Hierarchie der Kirche hat vor allem deswegen solche Kraft und solchen Bestand, weil sie auf diesem Mechanismus basiert.

Päpste kennen das System

Dass Benedikt nicht um diese Machtkonstellationen wusste, ist unwahrscheinlich; seit frühester Jugend ist er Teil dieses Systems. Dass es jedoch solche Ausmaße und sich eigene Organisationsformen geschaffen hat, dass sein seit vielen Jahrzehnten in Rom gefochtener Kampf gegen die „widernatürliche Unzucht“ unter den Dienern in seinem Weinberg dermaßen erfolglos war, das muss wohl neu für ihn gewesen sein. Er sprach es allerdings nicht aus und Papst Franziskus scheint es, so wie wir ihn kennen, auch nur so rausgerutscht zu sein. Für solche „Wahrheiten“ ist nun die zweite Reihe des Systems zuständig.

Der Schock bei frommen Katholiken darüber, dass es im Vatikan nicht nur über den Anblick junger Diakone, feierliche Gewänder und ausufernde Herz-Jesu-Frömmigkeit sublimierte, sondern handfest gelebte Homosexualität gibt, ist nach wie vor immer wieder groß, wenn das Thema angesprochen wird. Das wird an den Ergebnissen dieses Skandals jedoch nichts ändern. Durch solche Erkenntnisse wird innerkirchlich die Daumenschraube für homosexuelle Priester noch weiter angezogen werden. Noch ausgefallener werden daraufhin die klerikalen Verschleierungsmechanismen und bigotten Versteckspiele gestaltet werden. Noch überzeugender werden junge Kardinalsliebhaber Privatsekretäre und Neffen spielen müssen.

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