Falckensteinkeller

David Berger5.12.2015Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Wie ernst meinen es die Grünen mit dem Abschied von ihrer pädophilen Vergangenheit? Das Beispiel des Berliner Falkensteinkellers mit rund 1.000 Opfern stellt selbst bekannte Missbrauchsfälle, etwa durch Reformpädagogen aus dem Odenwald und kirchliche Stellen, deutlich in den Schatten.

Anfang Mai beschloss der Bezirksbürgermeister Andreas Hupka (Grüne) und die zuständige Bezirksvertretung der Kölner Innenstadt eine feierliche Platzbenennung hinter dem Hauptbahnhof nach dem “Autor Felix Rexhausen”:http://www.huffingtonpost.de/david-berger/padophilie-koln-sagt-feierliche-einweihung-des-felix-rexhausen-platzes-ab_b_7212628.html abzusagen.

Grund war, dass damals bekannt wurde, dass Rexhausen nicht nur ein Vorkämpfer für die Gleichberechtigung homosexueller Menschen und Mitbegründer von Amnesty International, sondern vor allem auch ein Verharmloser, ja Glorifizierer des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen war. Auch das “NetzwerkB”:https://netzwerkb.org/2015/05/10/tatersprache/, eine Initiative, in der sich Missbrauchsopfer zusammen getan haben, sprach sich strikt gegen eine solche Ehrung Rexhausens aus. Und das nicht ohne Grund: Stolz berichtet nämlich Felix Rexhausen in seinem autobiographischen Werk „Berührungen”, dass er einem Freund, der auf Kinder „ohne Schamhaare” steht, immer wieder seine Privatwohnung für Sextreffen zur Verfügung stellte. Sobald aber die ersten Schamhaare bei den (O-Ton Rexhausen) „süßen Jüngelchen” sprießen, ist auch der von den Kölnern für die Ehrung vorgesehene Autor voll in seinem Element: „Liebe und Lust mit einem fünfzehnjährigen sind eine ganz andere Sache”.

Im Laufe des Buches werden die begehrten Jungs immer jünger: in einem der letzten Kapitel erzählt er von dem 14-jährigen Nachbarsjungen aus einer Familie mit Migrationshintergrund, dem er in Iksbrück nachstellt. Da er noch jünger wirkt, nennt er ihn passenderweise „Bübchen”. Und er schwärmt: „Ich liege bei ihm im Bett und spüre den Geruch seiner Achselhöhlen und den langsamen Schlafschweiß um seinen Sack.” (Wir haben hier bewusst nur die Passagen wiedergegeben, die nicht direkt pornographisch sind).

Beispiellose Missbrauchsfälle

Jeder, der sich mit dem Werk Rexhausens vorurteilsfrei beschäftigt hatte, konnte den Rückzug des grünen Bezirksbürgermeisters also gut verstehen. Im August kamen dann aber auf einmal ganz andere Töne aus Köln. In einem Interview mit der Kölner „Stadtrevue” sprach sich der zuständige Bezirksvertreter Andreas Hupke dafür aus, den Platz nun doch nach Rexhausen zu benennen. In der “Augustausgabe des Magazins heißt es”:http://www.stadtrevue.de/archiv/archivartikel/7233-berhrungsngste/ „Der Beschluss der BV Innenstadt, den Platz umzubenennen, habe aber weiter Gültigkeit, erklärt er. Ein anderslautender Beschluss sei nicht in Sicht. Anfang Dezember soll Köln doch noch seinen Felix-Rexhausen-Platz bekommen“.

Ein kaum bekannter „Bund lesbischer und schwuler Journalisten“ habe ihm versichert, dass mit Rexhausen alles in bester Ordnung und er ein honoriger Bürger der Domstadt gewesen sei. Dass dieser Bund die Ehrung Rexhausens durch eine Platzbenennung erst angeregt hatte, dass er kurz danach wegen dieser Ehrung mehr oder weniger zerbrochen ist, weil ein gutes Drittel der Journalisten aus Protest gegen solche Verharmlosung der Pädophilie den Verein verließ – all das verschweigt Hupka.

Die Entscheidung Hupkas wurde nicht nur bei besagtem Journalistenverein, sondern auch bei den wenigen noch offen agierenden Pädophilen mit Jubel aufgenommen. Dieter Gieseking, der Macher des “Boylover”-Netzwerks K13.online, twitterte: “Jetzt bekommt Köln einen ‘pädophilen’ Straßennamen. Das ich ist DAS noch erleben darf.”

Gründe für den Stimmungswechsel lassen sich nur vermuten. Zum einen gewinnt man den Eindruck, dass Hupka im Mai nur strategisch gehandelt hat. Es war eben jene Zeit, als seine Partei erneut wegen eines Pädophilie-Skandals in den Schlagzeilen war: In der Gründungsphase der Berliner Grünen war es offensichtlich zu Kindesmissbrauch in einem Ausmaß gekommen, der selbst die Missbrauchsfälle durch katholische Priester in den Schatten stellt, von den Umtrieben an der Odenwaldschule ganz zu schweigen. Als Hupka dann im August – in einem unscheinbaren Stadtmagazinartikel – seinen Stimmungswandel bekannt gab, vertraute er offensichtlich darauf, dass der Skandal inzwischen vergessen war.

Zudem befand sich Köln gerade im Wahlkampf um das Oberbürgermeisteramt und übte noch eifrig, wie man Wahlzettel richtig druckt. Für wirklich wichtige Themen bleiben da kaum Zeit und Energie. Die Kandidaten um das Oberbürgermeisteramt wollten sich auf das Thema – trotz journalistischer Nachfragen – nicht wirklich zu dem Fall äußern: zu groß die Angst vor dem „Bund lesbischer und schwuler Journalisten“ auf der einen und dem Großteil der Bevölkerung Kölns auf der anderen “Seite”:http://www.huffingtonpost.de/david-berger/paedophile-skandal-gruene_b_8124272.html

Gräueltaten im Berliner Falkensteinkeller

Am 10. Dezember wird nun die feierliche Einweihung des Platzes stattfinden. Was Hupka und auch der Kölner Bundestagsabgeordnete für die Grünen, “Volker Beck”:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/paedophilie-debatte-um-gruene-volker-beck-taeuschte-oeffentlichkeit-a-923357.html, der Hupka und den Journalistenverein ohne Widerspruch gewähren lässt und kritisch anfragende Journalisten in den sozialen Netzwerken blockt, allerdings vergessen: Die Pädophiliekrise ihrer Partei ist noch lange nicht ausgestanden.

Über die Nachricht von den Gräueltaten des Berliner Falkensteinkellers, die vor wenigen Monaten die Menschen erschütterte, ist noch kein Gras gewachsen. In diesem Kreuzberger Kellerraum hatten Mitglieder des Arbeitskreises „Homosexuelle in der AL“ (AL war die Vorgängerinstitution der Berliner Grünen) einen Erlebnisraum eingerichtet. Über Jahre konnten sie unbehelligt von ihren Parteifreunden aus den umliegenden Kindergärten und Grundschulen Jungs in diese Kellerräume locken, die dort systematisch sexuell missbraucht wurden. Von mehr als “1000 Opfern”:http://www.focus.de/politik/deutschland/schreckliches-versagen-bis-zu-1000-opfer-die-gruenen-waten-reumuetig-durch-den-paedophilie-sumpf_id_4696028.html innerhalb weniger Jahre sprach der für die Studie zuständige Grünenpolitiker. Der Keller ist inzwischen verschlossen, die heute noch lebenden Beteiligten zeigten sich reumütig, die Partei entsetzt.

Fast im gleichen Atemzug ist die Partei aber federführend an der Platzbenennung nach Felix Rexhausen beteiligt. Jenem Mann, der die lüsternen Gebrauchsanweisungen schrieb zu dem, was damals im Falkensteinkeller und an vielen anderen Orten Kindern und Jugendlichen an sexueller Gewalt angetan wurde. Wurde der berüchtigte Falkensteinkeller in den Köpfen und der Psyche so manches Grünenpolitikers und Schwulenaktivisten jemals richtig verschlossen?

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