Skandalöse Grenzüberschreitungen

David Berger14.04.2015Gesellschaft & Kultur

Es gibt in unserer Gesellschaft Meinungsmacher, die Pädophilie schönreden. Dass sie sich ausgerechnet bei schwulen Journalisten finden, ist Wasser auf die Mühlen homophober Hassredner.

Auch in diesem Jahr hat der „Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen“ (BLSJ) erneut den 1998 ins Leben gerufenen, mit 500 Euro dotierten (!) „Felix-Rexhausen-Preis“ ausgeschrieben. Bis zum 15. April können, so der Verein auf seiner “Internetseite”:http://www.blsj.de/medienpreis/aktuelles/, Vorschläge für den Journalistenpreis eingereicht werden. Mit der Preisvergabe soll ein „besonderes publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle“ gewürdigt werden.

Angesichts der Tatsache, dass die 500 Euro Preisgeld gerade die Unkosten des Preisträgers für die Entgegennahme des Preises decken dürften und zudem 98 Prozent auch der mit der homosexuellen Welt Vertrauten weder den BLSJ noch Felix Rexhausen kennen, wäre das eigentlich keine Erwähnung wert.

Felix Rexhausens wilde Sexfantasien

Ist es aber doch, wenn man einmal genauer hinsieht. Die Internetseite des Bundes würdigt den 1992 verstorbenen Felix Rexhausen zwar als mutigen Kämpfer für die Menschenrechte, verschweigt aber schamhaft einen anderen Aspekte seines literarischen Schaffens. Ein Kämpfer für Menschenrechte war der Mitbegründer der deutschen Sektion von „Amnesty International“ ohne Zweifel. Zumindest solange es um die Menschenrechte von Erwachsenen ging. Im Hinblick auf die Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen gab er sich jedoch wesentlich unsensibler. In dem zunächst 1969 unter einem Pseudonym, dann in der Neuauflage unter dem echten Namen erschienenen Buch „Berührungen“ ergeht sich Rexhausen ausgiebig in pädophilen und ephebophilen (homosexuelle Neigung zu pubertären Jungen) Fantasien. Unter dem harmlos klingenden Untertitel „Eine Zeitreise durch die 1960er-Jahre“ werden dort wilde Sexspiele von 14- mit 11-jährigen Jungs geschildert. Dann moralisch zwar der Sex von Erwachsenen mit „Sieben- oder Neunjährigen“ zunächst infrage gestellt, aber sofort nachgeschoben: „Liebe und Lust mit einem Fünfzehnjährigen sind eine durchaus andere Sache.“ Und auch dass die “Erstausgabe()”:http://blogs.taz.de/blog/2006/07/28/the-making-of-pornography-3 bei „Olympia Press“ erschien, einem Verlag, der dafür bekannt war, Literatur für linke (Pädo-)Pornoliebhaber zu publizieren, spricht nicht unbedingt für Rexhausen.

Felix Rexhausen dieses Liebäugeln mit der Ephebo- und Pädophilie nun zum herben Vorwurf zu machen, wäre freilich anachronistisch. Vieles, was man heute zu dem Themenkomplex weiß, wusste man damals noch nicht oder wollte es nicht wissen. In den 80er-Jahren durfte man durchaus, wenn man links genug war, auch seinen pädophilen Neigungen nachgehen, denn sie dienten ja letztlich der Revolution der Gesellschaft. Sex mit Kindern und Jugendlichen diente angeblich deren Befreiung. Man verklärte dies als Förderung einer Gegen-Kultur, die die heteronormativ geprägte Welt umstürzen sollte. Als etwa der RAF-Sympathisant und erklärte Anarchist Peter Schult 1982 erneut wegen Sex mit unter 14-Jährigen verurteilt wurde, stellte sich die linksintellektuelle Prominenz von Volker Schlöndorff bis Margarethe von Trotta demonstrativ hinter ihn.

… was zumal für die linksintellektuellen „Schwulen“ galt

Die politisch besonders aktiven Teile der Schwulenbewegung marschierten ohnehin noch bis zu Beginn der 90er-Jahre ganz offen Seit an Seit mit der Pädosexuellenbewegung. So etwa der “Bundesverband Homosexualität()”:http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverband_Homosexualit%C3%A4t, der bis zu seinem bitteren Ende 1997 für das Recht auf „intergenerationelle Sexualität“ eintrat. Erst der als neue Dachorganisation fungierende „Lesben- und Schwulenverband Deutschland“ (LSVD) verabschiedete sich von solchen Forderungen sehr eindeutig. Und das auch damit, dass er die gesellschaftsrevolutionären Fantasien durch ein Konzept ersetzte, das die Integration homosexueller Menschen (über Homo-Ehe und Adoptionsrecht) in die Gesamtgesellschaft postulierte. Dieser offizielle Abschied von schwuler Solidarität mit Pädosexuellen verlief freilich nicht lautlos. Günter Dworek vom LSVD erinnert sich, dass ihm wegen dieser konsequenten Absage an eine Zusammenarbeit mit Pädosexuellen noch 1997 ein Autor der Homo-Zeitschrift „Rosa Flieder“ Aids “an den Hals wünschte”:http://www.lsvd.de/homosexualitaet/rueckblicke/svdundpaedophile.html. Überhaupt war “dieses Magazin()”:http://www.n-s-p.de/, das sich heute „Nürnberger Schwulenpost“ nennt, und einige Zeit eng mit dem homosexuellen Berliner Stadtmagazin „Siegessäule“ zusammenarbeitete, für sein pädosexuelles Engagement in schwulem Gewand “bekannt”:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-96238897.html.

Was neben diesen inzwischen zur weniger rühmlichen Geschichte gehörenden Ereignissen erstaunlich ist, ist das energische Beharren darauf, dass Rexhausens zu Papier gebrachte Fantasien und der dazugehörige homopolitische Kontext auch aus heutiger Sicht einwandfrei sind. Dies zeigte sich sehr deutlich, als im vergangenen Jahr besonders unter weiblichen Mitgliedern des BLSJ erste Zweifel an der Namensgebung des Preises aufkamen. Als entschiedener Rexhausen-Verteidiger hat sich daraufhin der Homo-Vorzeigejournalist der 80er-Jahre, Elmar Kraushaar, “hervorgetan”:http://www.taz.de/!132712/. Die Zweifel seiner Mitstreiter beim BLSJ seien doch nur „der grassierenden Pädo-Hysterie in den Medien“ geschuldet, ließ er vor einem Jahr in seiner „taz“-Kolumne „Die Wahrheit über den homosexuellen Mann“ wissen. Wer bei Kraushaar näher hinsieht, der bemerkt sehr schnell, dass er einer jener Homo-Journalisten ist, denen das Verharmlosen von Pädosexualität ein wichtiges Anliegen zu sein scheint. Noch 1995 beharrte Kraushaar, wie sein Kollege Jan Feddersen kürzlich peinlich berührt “feststellen()”:http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2011%2F02%2F03%2Fa0146&cHash=33fcf6e8ea musste, auf einem gemeinsamen durch linke gesellschaftspolitische Ideen motivierten Kampf von Homo- und Pädosexuellen für ihre Freiheitsrechte und gegen die Konservativen, die diese einschränken wollen: „Die Erpressung der Rechten zündet allerorten, und Ausschluss und ,Nichtbefassung‘ treten an die Stelle von politischer Auseinandersetzung. Für den Eintritt ins Establishment wird bar bezahlt. Wer wird nach den Pädos als Nächster dran sein?“ Feddersen bemerkt dazu: „Schlägt man die Pädos, so diese linke Logik, werden auch die Homos bald in Knäste gesteckt.“ Und urteilt treffend: „Eine Denkweise, die wenigstens eine milde Form von Verfolgungswahn umreißt.“

Vom „Waldschlösschen“ bis zu Dirk Ludigs

Kraushaar ist mit seiner pädophiliefreundlichen Denkweise aber nicht alleine. Er weiß um sich ein ganzes Netzwerk an Homo-Aktivisten seiner Generation, die ähnlich denken. Kraushaar arbeitet zum Beispiel nicht nur eng mit der erwähnten Institution zusammen, die den Felix-Rexhausen-Preis vergibt, sondern auch mit Ulrich Klaum, dem Leiter der vor allem über Steuergelder finanzierten “„Akademie Waldschlösschen“”:https://www.waldschloesschen.org/de/home.html. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatte im vergangenen November in einem großen Beitrag auf die „unklare Positionierung“ der schwulen Tagungsstätte im Hinblick auf Sympathien für Pädosexualität hingewiesen. Daraufhin erfolgt vonseiten des Stiftungsrats der Volkshochschule, zu dem auch der Grünen-Politiker “Jürgen Trittin”:http://www.focus.de/politik/deutschland/zweifelhafte-verbindungen-warum-juergen-trittin-im-paedophilie-sumpf-feststeckt_id_4298385.html gehört, – wohl auf dessen Betreiben – eine Stellungnahme, nach der die Strafbarkeit von sexuellen Handlungen mit Kindern für die Akademie „außer Frage stehe“. Interessanterweise wurde die “Stellungnahme”:https://www.waldschloesschen.org/de/nachrichtenleser/bildungspolitische-position-der-akademie-waldschloesschStiftungsen.html?nid=380 offensichtlich, nachdem der Presserummel verstummt war, wieder aus dem Netz genommen.
Dass sich auch der Verleiher des Rexhausen-Preises stark mit der Arbeit des „Waldschlösschens“ identifiziert, wird keinen mehr verwundern. Die einzige nennenswerte Aktion des BLSJ der letzten Jahre trägt bezeichnenderweise den “Titel”:http://www.der-appell.de/ „Waldschlösschenappell“.

Ebenfalls ganz auf der Linie Kraushaars liegt Dirk Ludigs. Ludigs war einst Chefredakteur der inzwischen eingegangenen Homo-Magazine „Du&Ich“ und „Front“ und ist heute als Kolumnenautor bei dem bereits erwähnten Magazin „Siegessäule“ tätig. Der Autor forderte noch vor gut einem Jahr in einem schwulen Lifestylemagazin, die heutigen Schwulen mögen doch bitte wieder mehr Verständnis für Pädosexuelle aufbringen. Denn: „Die heute gängige Pawlow’sche Distanzierung der Grünen und der Schwulenbewegung“ von der gemeinsamen Vergangenheit mit den Pädosexuellen sei „unanständig“ und leiste „der Dämonisierung einer sexuellen Minderheit Vorschub“.

Kraushaar & Co: wie vom Wunschzettel der Homo-Hasser und Bildungsplangegner

Sentimentale Reminiszenzen an die wunderbaren Jugendjahre kennen wir alle, sie seien auch schwulen Journalisten und Homo-Aktivisten gegönnt. Wer will ihnen die wehmütigen Träume nehmen; Träume von der guten alten Zeit, als vermeintlich alle Schwulen so revolutionär links waren, dass sie sogar die Pädosexualität als Teil ihres Kampfes für eine entbürgerlichte Gesellschaft verstanden? Wo solche Verklärung alter Zeiten aber dazu führt, dass das unermessliche Leid der Opfer bagatellisiert wird bzw. wie bei Kraushaar und Ludigs nicht einmal vorzukommen scheint, sollten sich solche Sentimentalitäten darauf beschränken, hinter vorgehaltener Hand ausgetauscht zu werden.

Denn die schwulen Verharmloser von Pädophilie machen genau das, worauf fundamentalistische Religionsvertreter und reaktionäre homophobe Politiker nur warten. Ohne es zu wollen, füttern die schwulen Pädophilie-Sympathisanten die Kampfparolen der Homo-Hasser, die Homosexualität und Pädophilie gezielt gleichsetzen, um den dumpfen Volkszorn auf schwule Männer zu ziehen. Die Konstruktion eines solchen Zusammenhanges ist wissenschaftlich kaum haltbar, aber in nicht wenigen Teilen der Bevölkerung stößt sie auf ein mindestens implizites Einverständnis.

So machen sich die notorischen Verharmloser von Pädosexualität mitschuldig daran, dass Schwule und Lesben in vielen Ländern der Welt noch immer aufs Übelste diskriminiert werden. Und leisten damit der Sache, für die sie eigentlich einstehen wollen, einen ungeheuren Bärendienst.

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