Wir streben nicht nach der Weltherrschaft. Klaus Kott

Eine kleine Volksverhetzung

Wollen Sie einen Witz über Randgruppen oder Ausländer hören? Nein? Sollten Sie aber.

HÖREN SIE, ich mache ab sofort keine Witze mehr über Türken, weil ich festgestellt habe, dass ich türkisches Blut habe – zumindest ein bisschen, vorne an der Stoßstange! Haha, Brüller! War bloß ein Scherzerl, ich mache natürlich weiterhin Witze über Türken. Oder über Jugos. Über diese phlegmatischen Balkankacker lässt es sich vorzüglich lachen. Kennen Sie den? Wieso machen
 Jugos Löcher in ihre Särge? Damit die Würmer zum Kotzen herauskommen können. Grins. Lustig ist auch dieser: Wissen Sie wie man einem Polen das Leben rettet? Nein? Dann ist ja gut! Höhö, wirklich köstlich, nicht? Und jetzt noch ein Judenwitz …

Nein? Das geht zu weit? Ich darf Sie an dieser Stelle beruhigen, die Witze da oben sind gar nicht über die genannten Völker und Volksgruppen verfasst worden. Ich habe bloß Türken, Jugos und Polen zur Anschauung dort eingesetzt, wo sonst Österreicher steht. Sie können sich vermutlich vorstellen, wie ich das mit meinem österreichischen Migrationshintergrund finde. Genau, ich finde es prima.

Karl zu Schwarzenberg, der amtierende tschechische Außenminister, sagte, als wir vor ein paar Jahren mal zufällig zusammen Silvester feierten und über die herzliche Missachtung zwischen Tschechen und Österreichern plauderten, er fände das gar nicht so schlecht, wenn sich Nachbarvölker angiften würden. „Meistens hassen wir jene Züge an unseren Cousins, die uns an das erinnern, was wir an uns selbst nicht mögen“, sagte der Fürst.

Türken, Polen oder Menschen mit Balkanhintergrund sind in der politisch korrekt gedrehten Bundesrepublik von der Gunst des Verlacht-und-bepöbelt-Werdens ausgeschlossen und das ist schade. Jaja, ich höre schon den erwartbaren Widerspruch. Das kann man nicht vergleichen, schließlich war noch nichts zu hören, dass die in der Bundesrepublik lebenden Österreicher Opfer von Neonazi-Mördern geworden wären und wenn sie – wie der Kölner Ösi Hans Mahr – in den Migrantenbeirat ihrer Kommune berufen werden, dann freuen sie sich nicht, dass man sie einbezieht, sondern lachen sich erst mal scheggich über die groteske Situation. Leider orientieren sich die meisten Deutschen mit Migrationshintergrund nicht an uns, sondern gründen Zentralräte, die im Viertelstundentakt mahnende Presseerklärungen publizieren.

Aber ich sehe Licht. Es gibt eine neue Riege an Ausländerkollegen, die wunderbar frech sind, gegen den autochthonen Bundesbürger wie gegen den eigenen Stamm. Die Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg Bilkay Öney, die Autorin Hatice Akyün oder der Comedian Oliver Polak, der uns mit seinem Programm „Ich darf das, ich bin Jude“ etwas besonders beigebracht hat: über und mit Juden lachen dürfen.

Liebe Katzelmacher, Tschu-
schen, Jugos, Kanaken, Franzacken, Spanokels und Pusztablumen, hört auf den Rat eines Schluchtenscheißers: Lasst Euch nicht länger wie rohe Eier behandeln. Das ist nämlich Diskriminierung.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von David Baum: Das Prinzip Heino

Print2_cover_klein

Dieser Beitrag ist in der Printausgabe 1/2013 des The European enthalten.

Darin finden Sie u.a.: Weitermachen, der Weltuntergang fällt aus: Lesen Sie, wie sich die Menschheit gegen Asteroiden, Pandemien und Co. zur Wehr setzt. Außerdem: Warum die SPD-Troika den Sozialdemokraten schadet und welche Wirtschaftsweisheiten 2013 endgültig in den Papierkorb der Geschichte gehören.

Sie können es hier direkt bestellen.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Migration, Diskriminierung, Minderheit

Debatte

Der Allmächtige kann die Krise lösen

Medium_1e3c09e901

Genesis verpflichtet

Nur ein einziger Superheld kann alle Probleme der Welt lösen. Nämlich der, der sie auch gemacht hat. weiterlesen

Medium_dbd8a840d9
von Sarah Bosetti
17.03.2013

Debatte

Der Superschurke löst die Krise

Medium_7d2057242f

Blaues Wunder

Was Europa in der Krise fehlt, ist ein gemeinsames Feindbild. Wir brauchen einen Superschurken, der so schrecklich ist, dass Staatsschulden und Arbeitslosigkeit wie Luxusprobleme erscheinen. weiterlesen

Medium_d35cdbca81
von Tommy Finke
16.03.2013

Kolumne

Medium_af5a878e52
von Christoph Giesa
20.02.2013
meistgelesen / meistkommentiert