Urlaub bei Gaunern

von David Baum24.12.2012Gesellschaft & Kultur

Die Zustände in der alten Heimat Österreich ausblenden und 
die Schönheit des Landes genießen: ein sinnloses Unterfangen.

HÖREN SIE, lange habe ich darauf hintrainiert, “die österreichische Innenpolitik”:http://www.theeuropean.de/alexandra-foederl-schmid/12149-deutschland-darf-sich-nicht-verstecken vom Exil aus zu ignorieren. Wenn etwa ein amtierender Kärntner Landeshauptmann-Stellvertreter zu erklären beginnt, weshalb seine Verurteilung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und einer saftigen Geldstrafe keineswegs ein Grund für einen etwaigen Rücktritt sei und jede Forderung danach heimtückisch und obskur. Einatmen, ausatmen, ignorieren. Und der Grund für die Strafe, nämlich dass er österreichische Staatsbürgerschaften an reiche Russen verscherbelte? _In with anger, out with love._ Oder wie man in Österreich sagt: Glücklich ist, wer vergisst.

Dann kam aber jener Tag, an dem diese beiden Karten für die Salzburger Festspiele in der Post lagen. Und ich der großen Fehleinschätzung erlag, mich der Konfrontation mit der real existierenden Republik Österreich gerüstet zu wähnen.

Kaum hatte ich im großen Festspielhaus Platz genommen, setzte sich Wolfgang Schüssel vor mich – jener ehemalige Bundeskanzler, in dessen Amtszeit das politische System zu einer Kleptokratie verkam und dessen Bundesminister sich heute hauptsächlich in Untersuchungsausschüssen aufhalten. Um sich dort selbst für frühzeitig dement zu erklären. Aber noch funktionierten meine Ausblendungsmechanismen.

Am nächsten Nachmittag suchte ich Zerstreuung an einem einsamen Strandgrundstück am Attersee. Es muss die Schönheit dieser Landschaft sein, die die Wahlberechtigten einlullt, friedlich stimmt und somit bewahrt, Guillotinen zu zimmern.

Einsam und gemütlich 
wogte ein Segelboot, ein sogenannter Drache, vor mir auf den Wellen, alles so pittoresk und voller Unschuld. „Das ist übrigens das Boot der Schottermitzi, 
unserer Finanzministerin“, sagte
plötzlich der Gastgeber zu mir. „Was man von der zu halten hat, weiß man, wenn man das Boot über das Jahr hinweg beobachtet. So ein Drache muss nämlich gewartet und gepflegt werden, sonst geht er unter.“ Und was hat das mit der Schottermitzi zu tun? „Ihr Drache sinkt jedes Jahr.“

“Und dann erzählte er und erzählte er und erzählte er”:http://www.theeuropean.de/eberhard-lauth/10037-oesterreichische-reaktion-auf-wulff – von der ehemaligen christdemokratischen Säulenheiligen und Gesundheitsministerin, die mit einem korrupten Lobbyisten verheiratet ist, der die halbe Nomenklatura zu ausgedehnten Jagdurlauben in Schottland habe einfliegen lassen, um unsittliche Deals zu erwirken. Vom ehemaligen Innenminister, bei dem man gegen entsprechendes Bargeld Gesetze „bestellen“ konnte  … Von der Justizministerin, die zu ihrem Abschied auf Ministeriumskosten ein Porträt von sich anfertigen ließ, das aussieht wie „Malen nach Zahlen“, was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass der Künstler ihr eigener Gatte ist, ein Kriminalbeamter aus der Provinz. Je länger er berichtete, umso mehr und umso lauter musste ich lachen.

„Könnte man nicht den Tourismusbetrieb ankurbeln“, scherzte der Gastgeber, „indem man den Deutschen neben 
Alpen, Schmankerl und Klassik auch noch anbietet, von der hiesigen Politik zu erzählen?“ Wie erleichtert müssten sich die Piefkes und Marmeladinger fühlen, wenn sie in ihr Land zurückkehren dürften, in dem schon Upgrades und Urlaubseinladungen als Skandal gelten …?

Während des 140 Kilometer reichenden Staus Richtung München überlegte ich diese launige These. Musste nochmals laut lachen. Als ich an die Rücktrittsforderung an den Bürgermeister Hannovers denken musste, weil er seine SPD-Parteitagsrede von seiner Sekretärin im Amt habe tippen lassen. Süß, irgendwie. Und kam zu dem Entschluss, dass es besser sei, die Deutschen würden nicht allzu viel mitbekommen, wie die Welt da draußen so ist. Schließlich soll es den Deutschen nicht gut bekommen, wenn sie erfahren, wie großartig sie in Wirklichkeit sind.

Also vergessen Sie diese 
Kolumne bitte ganz schnell.

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