Links, zwo, drei

von David Baum10.02.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Unser Kolumnist fühlt sich eigentlich unwohl, wenn man Menschen aus politischen Gründen einsperrt. Aber für Holocaustleugner macht er eine Ausnahme – und findet, dass auch für Stalinisten noch genug Platz im Strafvollzug sein sollte.

HÖREN SIE – Freiheit und Demokratie sind eine herrliche Sache. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Obwohl: müssen wir ja leider doch. Denn neuerdings scheint es wieder “salonfähig”:http://www.theeuropean.de/stefan-gaertner/5529-linksgequatsche-geht-weiter zu sein, darüber öffentlich nachzudenken, Menschen zu enteignen oder per Staatsgewalt in die Gleichheit zu drücken. Und die roten Verbrechen zu verharmlosen. Kurz: der “Kommunismus geht um”:http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-01/gabriel-loetzsch-kommunismus-koalition. Nun kann man sich sagen, so what, das Konzept Freiheit und Demokratie funktioniert nun mal so, dass wir ein paar unbequeme Nebenaspekte in Kauf nehmen müssen – und dazu gehört, Ewiggestrige, Irre und politische Profilneurotiker auszuhalten. Das macht unser System moralisch überlegen und nebenbei unterhaltsam und abwechslungsreich. Bloß: Wir Europäer tun uns zu Recht etwas schwerer als im Mutterland unserer Ordnung. In den USA kann man vor Gericht ziehen und gewinnen, weil man die Freiheit beanspruchen möchte, eine Hakenkreuzbinde als modisches Accessoire durchzusetzen. Theoretisch wäre es sicherlich richtiger, wenn wir selbst Eskapaden wie die des Neonazi-Wahnsinnigen Horst Mahler aushalten würden, anstatt ihn wie jetzt in der JVA München-Stadelheim von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Aber zumindest so lange wir noch Menschen unter uns haben, die in Konzentrationslagern nur knapp dem Gas entgangen sind, soll keiner behaupten dürfen, dass es all das nicht gegeben hätte. Soll keiner die Insignien dieses Jahrhundertverbrechens achtlos nutzen dürfen. Soll keiner sich ungestraft über die Leichenberge lächerlich machen dürfen. Das gebietet der Anstand.

Das Gebot des Anstands

Und doch sind da noch die anderen Leichenberge. Aus den Gulags. Die Ermordeten der Arbeitslager, Gefängnisse, Folterzellen. Die am sogenannten antikapitalistischen Schutzwall wie räudiges Wild Abgeknallten. Und über sie darf gelacht werden? Bloß weil sich der Nazi-Vergleich nicht geziemt? In das Gelächter dieser Autoren, die sich – klar, sicher, satirisch, ist ja auch echt komisch – auf die DDR-Ministerin und Auftraggeberin brutaler, mörderischer Hinrichtungen Hilde Benjamin beziehen, sollen wir einfallen? Es saukomisch finden, dem Genossen Stalin launige Grußadressen zu schicken? Diese 100 Millionen Tote des Kommunismus sind schon nicht so schlimm gewesen, weil schließlich nicht Rassenhass das Motiv für die Morde und Verbrechen gewesen sei, sondern der fromme Wunsch nach einem besseren Menschen … Ich würde mich schämen, so endlos schämen. Ja ja, ich weiß schon, was jetzt kommt: Das eine hat ja mit dem anderen nix zu tun. Bitte, wie viele Versuche braucht ihr noch, Kommunisten, bis ihr es euch selbst eingesteht? Eure Idee funktioniert nicht ohne Terror, Hass, Zensur, Folter, Diktatur. Woher ich das weiß? Weil ihr es empirisch bewiesen habt. Ich kannte Kommunisten, die habe ich geliebt. Mein Großonkel Fritz war ein Kommunist. Er hat die Scheiße des Dritten Reichs miterlebt, den Weltkrieg, den Hass. Er hat an den Kommunismus geglaubt, an seine DDR, weil er dachte, das wäre die Alternative, der Garant, dass es keinen Faschismus mehr geben würde. 1986 bin ich als Kind in Ostberlin vor der Weltzeituhr gestanden, dort, wo sich heute die Partykids verabreden, bevor sie ins Berghain ziehen oder ins Weekend. Ich habe ihn mit großen, naiven Augen angeschaut und mit ehrlichem Interesse gefragt, wieso seine DDR ihren Bürgern auf dieser Uhr von Ländern die Zeit angibt, in die sie nie reisen dürfen. Aber so was hat ihn nicht angefochten, er hat schließlich an das große Ganze geglaubt, an die gute Idee. Er war ein guter Mann. Und er hatte wohl eine ausgezeichnete selektive Wahrnehmung. Das Ausblenden – eine deutsche Maßarbeit.

Beneidenswert selektive Wahrnehmung

Kommende Woche erscheint das sehr lesenwerte Buch „Wie ich einmal rot wurde“ des SZ-Magazin-Autors Tobias Haberl. Ich habe viel an Onkel Fritz gedacht, als ich es vorab lesen durfte. Haberl, Sohn einer wohlhabenden Arztfamilie aus dem Bayerischen Wald, war zum Selbstversuch ein Jahr Mitglied der Linkspartei. Und hat dort viele gute Menschen getroffen, richtig tolle Kommunisten, deren naive Überzeugung geradezu anrührend ist. Man mag die Protagonisten dieses Buches wirklich. Viele von ihnen sind sicher gute Leute. Und sie müssen eine beneidenswerte selektive Wahrnehmung haben. Soll sein. Aber wer die über 100 Millionen Toten des Kommunismus erniedrigt, wer das Jahrhundertverbrechen des Kommunismus leugnet, wer die Leichenberge des Kommunismus lustig findet – für den soll die Zelle neben Horst Mahler frei gemacht werden. Wir wollen ihre Thesen und ihr böses Lachen nicht.

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