Mehr Staat, weniger Marat

von David Baum9.12.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Unser Kolumnist gibt zu, sich zu selten um die Schwachen und Kranken zu kümmern, aber nun muss es einmal sein: Liebeserklärung an den armen alten Vater Staat.

HÖREN SIE – ich bewundere die Deutschen sehr, ich mag ihren rührenden Hang zu allem Revolutionären und Antiautoritären, bloß um nicht als typisch deutsch“ zu gelten. Mich wundert, dass es die Helden der 68er-Unruhen noch nicht als Zinnsoldatenversion für das antiautoritär aufzuwachsende Balg gibt. Und doch tut es mir in all der aufrührerischen Folklore um eine leid: die brave Bundesrepublik, die keiner so richtig lieb hat. Das gute System Staat, dem keiner mehr traut. Das bürgerliche Lager trommelt zwar zustimmend mit den Füßchen, wenn Innenminister mehr Sicherheitsmaßnahmen ankündigen, aber auch bloß, weil sie Angst haben, dass irgendwann jeder Mercedes in der Straße ausgebrannt ist und dann der eigenen Volvo drankommt. Wer seine Einnahmen nicht an der Steuer vorbei irgendwo in die Schweiz verlagert, wird im Tennisclub als Loser gesehen, selbst wenn er den härtesten Aufschlag draufhat. Ansonsten gilt: Der sich kümmernde Staat ist ein

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die Bluse zu!

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminismus

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Busen starren

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deutsche Seelenhygiene

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu