Islamisierung now

von David Baum1.09.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Unser Kolumnist weiß nicht, was diesen Sarazzin so aufregt: Die Lösung des Integrationsproblems liegt doch auf der Hand. Die Deutschen müssen sich einfach ins Migrantenvolk integrieren. Dann wird alles gut.

HÖREN SIE, kürzlich besuchte ich ein heiteres Fastenbrechen der muslimischen Gemeinde von Mönchengladbach (Näheres lesen Sie im international renommierten Fachblatt für Zuwanderungsfragen “GQ”). Sie wissen schon, eines dieser Events im Rahmen des besonders bei Politikern von SPD und Grünen beliebten deutschen Traditionsfestivals namens Ramadan. Für alle Bundesbank-Nazis übersetzt: Aschermittwoch für Kümmeltürken. Da sagte der neue Landesminister für Integration Guntram Schneider in seiner Brandrede fürs Muselmanenvolk einen Satz, der uns allen zu denken geben sollte. „Niemand wird Sie zwingen, dass Sie deutsch sind – deutsch? Isch weiß ja sälbba nischt einmal genau, was dat sein soll.”

Islamisierung macht Spaß

Seit ich beschlossen habe, den Sommer in München zu verbringen, macht mir die Islamisierung ohnehin erst richtig Spaß. Denn mit mir ist im Juli der halbe arabische Raum hierhergekommen und erfüllte das rückständige Millionendorf mit dem Flair der neuen Ersten Welt. In der Innenstadt wurde als kleines Sommerfestspiel die Utopie eines muslimischen Europas gegeben. Schuld daran sind das Schweizer Minarettverbot und ähnlich geartete Vorstöße der Sarkozy-Truppe in Frankreich, was den vielen Scheichs und arabischen Familien die Freude an ihren bisher bevorzugten Sommerfrischezielen Paris oder Zürich versaut hat. Dies hat nun doppelt so viele Muselmanen zum Wahlmünchnertum konvertieren lassen wie noch vor ein paar Jahren. Die großen Hotels der bayrischen Landeshauptstadt haben ihre Cocktailbars von gotteslästerlichem Alkohol befreit, ihre Barkarten in Arabisch drucken lassen und bald wird auch der Verkauf von Schweinshaxen unter den Ladentisch verbannt. Vor allem aber prägt das Reiztextil Burka vulgo Hidschab respektive Niqab das Straßenbild, besonders jenes der Maximilianstraße und ihrer Luxusläden – was aber hier niemanden wirklich stört. Schließlich sind es keine afghanischen Taliban, die eingefallen wären, sondern wohlfeile Bürger aus den Reichenvierteln von Saudi Arabien, Dubai und diverser Emirate. Der seit dem Tode Moshammers schwer vermisste Rolls-Royce ist vielfach wieder ins Straßenbild zurückgekehrt, zudem lässt der wohlhabende Muslim pro Kopf etwa 1.000 Euro pro Tag in den Boutiquen, das verklärt den sonst oft kritischen Blick auf seine Religion ins Wohlwollende. Der Münchner ist da eben gegenüber dem Berliner viel weiter: Selber schuld, wenn sich die bloß Analphabeten aus Anatolien kommen lassen. Unter den schwarzen Schleiern blinken güldener Schmuck und teuer bedruckte Designerstoffe hervor, beim Signieren der Kreditkartenausdrucke sieht man wohl manikürte, bunt lackierte Fingernägel blitzen – zarte Händchen, die ganz sicher noch nie an Steinigungen teilgenommen haben. Es klingeln die Kassen bei Hermès, Tiffany’s & Co. – fast so schön im Takt wie das weltberühmte Glockenspiel auf dem Rathaus. So lässt man sich die Islamisierung gern gefallen. Keiner der üblichen CSU-Vögel witterte eine identitätsgefährdende Überfremdung durch diesen Traum aus Tausendundeiner Übernachtung, schließlich hat man ja auch seine Verantwortung gegenüber dem Handel und der Tourismusindustrie.

Vergiftet vom protestantischen Geist

Da passen selbst die Nachrichten aus dem benachbarten Österreich ganz gut: Denn ausgerechnet Heimatkämpfer Jörg Haider war es, der den Herren Gaddafi und Saddam Hussein, beides brave Söhne Allahs, für erkleckliche Millionenbeträge den Zugang in europäische Kreise in Aussicht gestellt hatte, aber das ist ein anderes Phänomen. Leider macht der Rest von Deutschland wieder mal nicht mit und erfreut oder erregt sich an Sarrazins Thesen, ohne zu überlegen, dass damit all die schönen Bushido-Hits, Öger-Tours-Reisen und “Was guckst du?”-Shows hinfällig wären. Kein Wunder, schließlich sind die meisten da oben protestantisch. Wer keinen Rat aus Rom hören will, hat natürlich auch kein offenes Ohr für Weisheiten aus Mekka und Medina. Dem gefällt es nicht, wenn die muslimischen Mitbürger in ihre Betonflachbauten am Stadtrand gehen und den frisch aus dem Nahen Osten eingeflogenen Predigern folgen. Schon hat der Hamburger Bürgermeister vor seiner Wahl sicherheitshalber eine Moschee in St. Georg schließen und dort dem Vernehmen nach nicht nur nach verfassungsfeindlichen Schriften suchen lassen, sondern auch nach etwas Profil für sich selbst. Selbst die Muslime sind schon ganz vergiftet vom protestantischen Geist. Eine Freundin, die aus der Türkei stammt, sich willfährig integrierte, will plötzlich zum Allah-Glauben gefunden haben. Unter den Niqab will das Gör dennoch nicht. Sie wünscht sich eine aufgeklärte deutsche muslimische Gesellschaft. Sie hätte gern, dass die Berliner wie früher, als sie noch Preußen waren, vor lauter Liberalität den Zugezogenen wie der Hugenottenfamilie Sarazzin eigene Gotteshäuser in die Stadtzentren bauen und sie so zu überzeugten Bürgern machen. Das hat man nun davon, wenn man die kleinen Kopftuchmädchen in den Geschichtsunterricht schickt. Sie zitieren Friedrich den Großen und werden auch noch frech.

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