Nur Gott kann ohne Gefahr allmächtig sein. Alexis de Tocqueville

Weisheit mit Löffeln fressen

Nahezu ewiges Leben lockt. Starten Sie für den Anfang mit zwei Löffeln Butter in den Tag.

Einst wog ich 150 Kilo. Obwohl ich sechs Mal die Woche trainierte und 18 Monate lang die Kalorien reduzierte, blieb ich fett. Ich fühlte mich wie ein Versager. Meine Leistungsfähigkeit litt und ich bekam Angst. Meine Konzentrationsfähigkeit ließ nach.

Dann nahm ich 50 Kilo ab und bekam mein Gewicht in den Griff. Heute fühle ich mich besser als je zuvor. Wie mir das gelang? Indem ich alles, was in meinem Körper vor sich ging, überwachte: Meine Blutwerte, meine Hormone, meinen Muskeltonus. Ich nutzte diese Daten, um herauszufinden, was mir guttut und was nicht.

Um seinen Körper auf diese Weise zu verbessern, braucht man weder besonders viel Wissen noch Technologie. Am überraschendsten war für mich, wie gut mir gesättigte Fettsäuren taten. Je mehr ich davon aß, desto besser funktionierte mein Körper. Ich wurde nicht dicker, sondern fühlte mich besser. Schon zwei Löffel Butter am Tag helfen dem Körper, besser zu funktionieren.

Viele Menschen machen nutzlose Diäten. Unser Essen ist voller künstlicher Chemikalien, die uns nicht guttun. Es ist aber nicht Ignoranz, die sie uns dennoch essen lässt: Wir kapieren schlicht nicht, was da vor sich geht. Wenn wir am Montag etwas essen und die Effekte erst am Freitag merken, übersehen wir den Zusammenhang.

Wir werden 150, 200, 300 Jahre alt werden

Als Unternehmer und Hacker war ich dafür ­prädestiniert, diese Dinge zu ergründen. Ich nenne das „aufgeklärtes Selbstinteresse“. Ich ­arbeitete für eine ehrenamtliche Gruppe, die das Altern stoppen will, und wir begannen uns dafür zu interessieren, wie der Körper arbeitet und wie man ihn ­verbessern kann.

Damals gab es zwei Fraktionen: Verrückte ­Bodybuilder, denen es nicht um ein möglichst ­langes und gutes Leben ging, sondern darum, gut auszusehen. Das andere Lager bestand aus Ärzten und Wissenschaftlern, für die es nicht um Optik ging, sondern um ein maximal langes Leben. Ich fühlte mich beiden Fraktionen zugehörig, wollte mich aber nicht entscheiden. Also nahm ich die besten Ratschläge von beiden und machte meinen eigenen Plan.

Der beste Weg zur Verlängerung des Lebens beginnt bereits vor der Geburt: Je ­gesünder die Eltern, desto ­gesünder der Nachwuchs. Das wiederum zwingt uns dazu, unseren Lebenswandel zu überdenken. Wenn wir ein Bewusstsein für diese Dinge entwickeln, wird es einfacher, das eigene Leben zu verlängern. Man braucht keine Superhelden-Technologie: Ein besseres Verständnis des eigenen Körpers und ein wenig technischer Fortschritt reichen.

Natürlich wird der Tod Teil der menschlichen Existenz bleiben – zumindest erst mal. Unser Leben wird sich jedoch peu à peu verlängern. Erst wird es Menschen geben, die 150 Jahre alt werden, dann 200, dann 300. Noch haben wir nicht alle Faktoren des Alterns entdeckt, aber wir machen enorme Fortschritte.

Im ersten Schritt wird es um ein besseres, nicht notwendigerweise längeres Leben gehen. Wir müssen uns klarwerden, dass wir dies nur mit pro-aktivem Verhalten erreichen werden. ­Niemand wird Ihr Leben für Sie verlängern – zumindest noch nicht.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Valentin Widmann, Bündnis 90 Die Grünen, Mechthild Löhr.

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Dieser Beitrag stammt aus Ausgabe 1/2015 des gedruckten „The European“.

Unsere Titeldebatte: Zwei Jahre nach der großen „Aufschrei“-Debatte ziehen wir eine ernüchternde Bilanz: Es hat sich kaum etwas geändert. Schlimmer noch, der Kampf um die Emanzipation der Frau wird noch immer mit Argumenten aus dem 19. Jahrhundert geführt. Grund genug, diese historische Debatte nachzuzeichnen.

Zudem: Drei Gedanken, die 2015 unseren Wohlstand retten. Ein Königshaus für Europa. Warum Armen und Reichen Deutschland scheißegal ist. Haltung in der Politik. Dazu Gespräche mit Jeffrey Sachs, Petra Pau, Jeremy Rifkin

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