Minority Report

Mohammad Darawsche20.11.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

In der Balfour-Deklaration von 1917 befürwortete England eine Gründung Israels, wenn “nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nicht jüdischer Gemeinschaften in Palästina … beeinträchtigen könnte”. Knapp ein Jahrhundert später ist Israel gegründet, aber ein Fünftel der Bewohner, die arabische Minderheit, fühlt sich mehr als beeinträchtigt.

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Israels Unabhängigkeitserklärung verpflichtet den Staat, volle soziale und politische Gleichheit für alle Israelis, Juden und Araber, zu gewährleisten. Nach 60 Jahren ist Israel jedoch weit entfernt davon, dieser Verpflichtung gegenüber seinen arabischen Bürgern nachzukommen, welche immerhin ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen. Nach der 2. Intifada im Jahr 2000 zeigte ein Bericht des israelischen Untersuchungsausschusses erhebliche Unterschiede zwischen israelischen Juden und arabischen Bürgern in Feldern der Erziehung, des Wohnverhältnisses, im öffentlichen Dienst, der industriellen Entwicklung und der Erwerbstätigkeit. Die Vernachlässigung der Regierung auf dem arabischen Sektor, aus der ineffiziente Infrastruktur, Landmangel und hohe Armut und Arbeitslosigkeit resultieren, habe “einen fundamentalen Beitrag zu dem Ausbruch des Vorfalls geleistet”. Ein Bericht aus dem Jahr 2006 des nationalen Komitees arabischer Autoritäten in Israel unterstrich, dass arabisch-palästinensische Israelis “unter extremer strukturell diskriminierender Politik, nationaler Unterdrückung, Enteignungen, ungleicher Budget- und Ressourcenzuteilung sowie Rechtsverletzungen und Abschiebungsdrohungen zu leiden haben”.

Keine Veränderung

Trotz wesentlicher Schritte des Bildungsministeriums und des Arbeits- und Sozialministeriums zum Abbau der Ungleichheiten in Bildung und Wirtschaft hat sich wenig verändert. Israelische Araber machen fast 20 Prozent der Bevölkerung aus, aber nur acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Arbeitslosenquote unter den arabischen Israelis ist unverhältnismäßig hoch, und während in der arabischen Bevölkerung rund 18,5 Prozent 13 Jahre Schulunterricht genossen, waren es unter der jüdischen Bevölkerung 44,5 Prozent. Nach einem Bericht von 2007 des Zentrums gegen Rassismus unterstützen zudem 51 Prozent der israelischen Juden die Abschiebungen arabischer Israelis. Im Lichte dieser und anderer Faktoren zeigt sich, dass Diskriminierung und Ausschließung zunehmen, während sich die jüdisch-arabischen Beziehungen verschlechtern.

Die “Abraham Fund Initiative”

Die “Abraham Fund Initiative” setzt sich aktiv dafür ein, diesen Trend wieder umzukehren und ein sicheres und tolerantes Israel zu schaffen, in dem gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle Bürger herrschen. Durch die Erkenntnis, dass sowohl Zivilgesellschaften als auch Regierungen sozialen Zusammenhalts und Einbeziehung bedürfen, verpflichtet sich die Initiative der Bewusstseinsbildung und der politischen und rechtlichen Arbeit.

Der Weg ist noch weit

Trotz bestehender Fortschritte und zahlreicher Erfolge von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der “Abraham Fund Initiative” ist der Weg zur Entwicklung eines gemeinsamen und alle einschließenden Israels noch weit. Ein Abbau der Unterschiede zwischen jüdischen und arabischen Israelis, ein Wandel in der Denkweise und ein Prioritätenwechsel bei Bürgern und Politikern sind vonnöten. Soziale Einbeziehung und Zusammenhalt ist nicht nur Sache von Organisationen, sondern ist auch fundamentale Verantwortung der Regierung. Die Beziehungen zwischen Israels Mehrheit und Minderheit muss in den Vordergrund gestellt werden. Auch durch einen anhaltenden Dialog mit lokalen arabischen Führern. Rassismus und Ungleichheiten können bekämpft und progressive Gesetze erlassen werden. Eine Änderung wird auch nicht ohne gesetzliche Einrichtungen für Integration und Gleichheit, ohne gemeinsame Orte der Förderung von Zusammenarbeit geschehen.

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