Bangen um die Erzbischöfe von Aleppo

von Daniyel Demir22.04.2018Außenpolitik, Europa, Gesellschaft & Kultur

Am 22. April 2018 jährt sich die Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs von Aleppo Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seines griechisch-orthodoxen Amtsbruders Paul Yazigi bereits zum fünften Mal. Bundesverband der Aramäer in Deutschland bittet seit Jahren um Hilfe. Warum hört fast niemand zu? Wer hilft?

Am 22. April 2018 jährt sich die Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs von Aleppo Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und seines griechisch-orthodoxen Amtsbruders Paul Yazigi bereits zum fünften Mal. Die Bischöfe wurden am 22. April 2013 nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen an einen unbekannten Ort verschleppt. Die Erzdiözese Aleppo ist seitdem ohne Oberhirten, die Gemeinden sind traumatisiert. „Am 22. April 2018 erinnern Aramäer weltweit, besonders in Syrien, an den schmerzhaften 5. Jahrestag der Entführung der beiden Erzbischöfe“, sagt dazu der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir. „Gerade in dieser scheinbar unaufhörlich weiter eskalierenden Phase, wäre ihre Freilassung ein kraftvolles Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht, aber auch möglicher Impuls für einen neuen Weg zum Dialog und Frieden im kriegserschütterten Land.“

Am 10. Dezember 2014, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, wurden die Bischöfe in Abwesenheit mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar geehrt. Doch was ist seitdem geschehen? Beide Würdenträger gelten als Verfechter der friedlichen Koexistenz von Religionsgemeinschaften und Volksgruppen in Syrien. Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim veröffentlichte im Juli 2012 eine Roadmap für den Frieden in Syrien. Darin rief er zu Versöhnung, Vergebung, Dialog und Gegenseitigkeit auf, um einen Weg zur Beendigung der Gewalt sowie der Bewahrung des einmaligen pluralistischen Gefüges der syrischen Gesellschaft und nationalen Einheit Syriens aufzuzeigen.

Weiter erklärt der Bundesvorsitzende Daniyel Demir: „Dieser Entführungsfall nahe der türkisch-syrischen Grenze wirft viele Ungereimtheiten und Fragen auf. Fünf Jahre nach der Entführung fehlt von den Bischöfen noch immer ein klares Lebenszeichen, über ihren Verbleib oder ihr Wohlbefinden ist nichts bekannt, weder (Lösegeld-)Forderungen noch Bekennerschreiben der Täter liegen vor. Hochrangige Vertreter des ´Syrischen Nationalrates (SNC)´ haben nach der Entführung in persönlichen Gesprächen klare Angaben über die Identität der Entführer, laufende Verhandlungen, sowie den Verbleib und das Wohlbefinden der Bischöfe getätigt. Die Verantwortung für die Unversehrtheit und das Leben der entführten Erzbischöfe liegt in erster Linie in den Händen der syrischen Opposition, die die militärische, wie auch zivile Kontrolle über das Gebiet der Entführung hatte. Das Auswärtige Amt muss an dieser Stelle die unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe offen einfordern.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland sieht die deutsche Bundesregierung in der Pflicht, die bestehenden Kontakte zum oppositionellen ´Syrischen Nationalrat (SNC)´ und deren Unterstützer, darunter die Türkei, Katar und Saudi-Arabien, mit Nachdruck für eine unverzügliche Freilassung der entführten Bischöfe einzusetzen. Es liegt eine klare Mitverantwortung zur Aufklärung vor.

Bei der brutalen Entführung am 22. April 2013 wurden der syrisch-orthodoxe Metropolit Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und sein griechisch-orthodoxer Amtskollege Boulos Yazigi nahe der Stadt Aleppo von islamistischen Rebellen verschleppt. Der Vorfall ereignete sich in einer von der oppositionellen Freien Syrischen Armee kontrollierten Region. Dabei wurde der Fahrer und Subdiakon von Bischof Ibrahim, Fatha’Allah Kabboud, ermordet. Weiterhin gibt es keine verifizierbaren Hinweise zum Wohlergehen der Bischöfe oder zu möglichen (Lösegeld-) Forderungen der Täter. Sämtliche Bemühungen für eine Freilassung blieben bisher erfolglos.

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