„Gold erwirtschaftet keine Erträge“

Daniel Schär, Weberbank11.04.2014Wirtschaft

Warum sind wir im Westen so besessen vom Gold? Daniel Schär räumt im Gespräch mit Alexander Görlach mit etlichen Mythen rund um das Edelmetall auf.

*Alexander Görlach*: Vor noch nicht langer Zeit war es chic, die Heimkehr unserer Goldreserven nach Deutschland zu fordern. Gold war in der Finanzkrise ein beliebtes Anlageziel. Was hat es mit dem Edelmetall auf sich?

*Daniel Schär*: Seit Jahrhunderten zieht Gold die Menschheit in den Bann. Was jedoch übt die Faszination aus? Es sind relativ banale Eigenschaften: Es sieht schön aus, ist selten zu finden und lässt sich nicht künstlich vermehren. Tatsächlich ist die Schmuckindustrie auch heute noch einer der größten Nachfrager weltweit. Die anderen beiden Eigenschaften begründen den Ruf als Krisenwährung. Die Bestimmung eines „fairen“ Goldpreises ist hingegen nicht so einfach. Gold erwirtschaftet keine Erträge, es verursacht nur Kosten! Diese entstehen primär durch die Lagerung des Metalls. Klassische Bewertungsansätze wie bei Immobilien, Aktien oder festverzinslichen Wertpapieren sind hier somit nicht anwendbar. Lediglich eine Analyse der Angebots- und Nachfragesituation kann Anhaltspunkte für die Preisentwicklung liefern.

„Heute sind Schwellenländer die größten Importeure von Gold“

*Görlach*: Ist der entscheidende Punkt nicht, dass man mit dem Gold etwas Echtes in der Hand hat? Das erzeugt ein anderes Gefühl, als Wertpapiere das können. Aber lassen Sie uns kurz bei der Faszination des Goldes bleiben: Den amerikanischen Ureinwohnern beispielsweise war diese Faszination fremd. Warum sind wir im Westen so _obsessed_ mit diesem Edelmetall?

*Schär*: Wenn wir es historisch betrachten, wurden in unserer westlichen Welt gerne Macht und Wohlstand mit Gold symbolisiert. Die Zeit der europäischen Kolonialmächte verstärkte diesen Trend. Zeitweise wurde Gold als Währung verwendet, später unterlegte man Papiergeld zu einem bestimmten Prozentsatz mit dem Edelmetall. Noch heute legen Notenbanken einen Teil ihrer Währungsreserven in Gold an. Nur auf die westliche Welt als Nachfrager abzustellen, greift im Übrigen zu kurz. In den vergangenen Jahren hat sich auch hier einiges im globalen Gefüge verändert. Heute sind Schwellenländer, vor allem China, die größten Importeure von Gold. Die Tendenz der Nachfrage ist synchron zum Wohlstandsniveau steigend.

*Görlach*: Wird Gold nicht in Zukunft von seltenen Erden abgelöst werden? Wer über diesen Rohstoff verfügt, hält in der digitalisierten und globalisierten Welt den Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg in den Händen.

*Schär*: Anders als es der Name suggeriert, sind seltene Erden jedoch nicht so selten. Es gibt weltweit auskömmliche Vorkommen. Der Angebotsengpass, der in den vergangenen Jahren bestanden hat, war dem Sachverhalt geschuldet, dass China die Erden zu einem niedrigen Preis anbot und außerhalb Chinas kaum noch gefördert wurde. Es rechnete sich schlicht für die Explorationsunternehmen nicht, den Rohstoff zu fördern. Als Alternative zu Gold scheiden seltene Erden somit aus. Gold hingegen ist immer seltener zu finden und die Förderung wird immer kostspieliger. Um das begrenzte Angebot mal plastisch darzustellen – wenn man alles bisher geförderte Gold der Erde in Barren gießen und auf einem Fußballfeld stapeln würde, wäre der Stapel gerade einmal ein Meter hoch.

„Die Nachfrage nach Gold ist stark schwankend“

*Görlach*: Das heißt, dass der Goldpreis nicht mehr sinken wird, sondern nur noch steigen. Ist dem so?

*Schär*: Leider ist der Bezug nicht so einfach. Betrachtet man ausschließlich die Angebotsseite, so scheint die Entwicklung plausibel. Die Nachfrage ist jedoch stark schwankend und durch unterschiedliche Interessenlagen geprägt. Zwischen 1980 und 2001 fiel beispielsweise der Goldpreis um 70 Prozent, da sich unter anderem viele Notenbanken von ihren Goldbeständen trennten. Im vergangenen Jahr verlor Gold rund 28 Prozent an Wert, da viele Finanzinvestoren ihre Engagements abbauten. Auch wenn langfristig viele Argumente für einen steigenden Goldpreis sprechen, muss ein Anleger deutliche Kursschwankungen aushalten können. Das Edelmetall sollte immer nur als Beimischung in einem gut diversifizierten und langfristig ausgerichteten Portfolio gesehen werden.

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