Die zweifelhafte Vermählung von Techno und Indie

von Daniel Meteo21.11.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Möglicherweise sind Indie und Techno zwei verschiedene Welten, möglicherweise verbindet die beiden aber mehr, als man denkt, und möglicherweise ist es doch nur eine Definitionsfrage.

Hatten die 90er mehr Einfluss auf Techno oder Techno mehr Einfluss auf die 90er? Fest steht: Techno hat viel verändert und völlig neue Parameter in die Pop-Welt geworfen. Auch Produkte hatten ihren entscheidenden Einfluss darauf: die Technics-Plattenspieler, das Mischpult, die Anlagen, die Kleider, die Drogen, die DJs und die Mode haben den Schwerpunkt mitverlagert. Heute haben wir eine Produktkette, die von New Yorker, Pioneer, McDonalds und Red Bull viel einfacher eingenommen werden kann. Es gibt unzählige Global Player, die Techno als Transportweg für ihre Produkte nutzen, die die Musik als Mittel verstehen. Es gibt keine netten Fanzines wie in der Indie-Kultur, sondern sehr viele Hochglanzmagazine voller Modestrecken und Anzeigen. Es gibt heute keinen Groß-Rave ohne “Red Bull Zelt” und keine Prollhouse-Party ohne gesponsertes Party-Bier mehr. Als kontrovers kann man Techno kaum noch bezeichnen, für einen musikalischen Wert ist das aber auch nicht wirklich wichtig. Eigentlich war trotz des Hypes in den 90ern klar, dass Techno nicht den Markt aus den Angeln heben wird. Die Partys und die Art, wie Techno vom illegalen “Wald und Wiesen-Rave” zur Marke geworden ist, steht vielmehr im Schatten der generellen Entwicklung, die jede andere Musikrichtung auch durchlaufen musste. Zwischen der Independent-Kultur und dem Major-Business klafft dennoch eine große Lücke. So spricht die Kultur wohlmeinend von Zitat, Verweis, Erneuerung, Revolution, Huldigung, Geschichte und Kunst, das Business hingegen klagt. Die Rechtsverletzung als heutige Einnahmequelle darf man nicht unterschätzen. Das deckt sich häufig mit der Tatsache: Techno ist leider auch ein Beat bei Jamba.

Das Abbild von zerbrochenen Maschinenstädten

Nichtsdestotrotz hat Techno die Musiklandschaft viel mehr verändert als die Indie-Musik. Der Subtext, den ein Projekt wie Underground Resistance begleitet, kann keine Indieband leisten, Letzteren hängt bei dieser Bemühung doch stets etwas der Mief von Kunsthochschule an. Dafür bleibt der Indie-Bewegung immer mehr Style, Lebensstil, Boheme und kein Abbilden von zerbrochenen Maschinenstädten. Techno ist einnehmbar von der Großindustrie und auch leider total durchlässig für den Major-Schrott. Die Deutschlandhymne als Technobeatversion zum Partyabfeiern bei Jamba und auf dem Ballermann ist mehr als vorstellbar, das Spiegelbild dazu im Indie scheint unmöglich. Obwohl viele Labels und viele Künstler sich weiter als Independent-Gruppe verstehen, hat das Majorlabel großen Zugriff. Der Unterschied ist eher ein ästhetischer: Techno kann inzwischen auch Hypes vermarkten und bleibt trotzdem meist unterhalb des Radars der Major-Industrie. Ein ausgewachsener Markt ist vor allem auch das Drumherum. So gibt es in Berlin eine sehr ausgewachsene Clubkultur, die zwar mit mehr Anspruch und Kanten als Ibiza von sich reden macht, aber heute vor allem eine Eventgastronomie – mit Musik als Nebenfaktor – geworden ist.

Technische Unterschiede

Musikalisch haben sich die Grenzen zwischen den Begriffen Techno und Indie vor allem in technischer Hinsicht aufgelöst. Martin Gretschmann aka Console von Notwist benutzt sicher nicht unbedingt anderes Equipment als Apparat oder ich selber. Und ein Künstler wie Atom TM bedient alle Seiten, er macht unterschiedliche Musikrichtungen. Vielleicht ist das mehr eine Künstlerdefinitionsfrage: Bist du eine Band, ein Komponist, ein Produzent? Letztendlich können alle dieselben Vorbilder haben und doch ganz woanders landen.

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