Die Rhetorik des Terrors

von Daniel Gerlach20.02.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur

Die Sprache des Islam ist revolutionär – und für politische Zwecke zu gebrauchen. Um den globalen Dschihad zu befeuern, sucht El Kaida jedoch nicht nur im Koran nach Argumenten, sondern auch in der islamischen Geschichte.

Khalid Ibn al-Walid war ein Feldherr der islamischen Eroberungen. Er fände es wohl statthaft, dass heute viele Straßen sowie ein pakistanischer Kampfpanzer und der Held eines Computerspiels nach ihm benannt sind. Von Rhetorik hielt Khalid wenig, aber als er im Jahr 633 seine Armeen gegen die Perser führte, soll er einen Satz vorausgeschickt haben, der die Zeiten überdauert hat: Sollten sich die Feinde ihm nicht anschließen, werde er “mit Männern anrücken, die den Tod so sehr lieben wie Ihr Euer Leben”. Seit Anfang 2003 taucht dieser Satz – meist nur in Anlehnung zitiert – immer wieder in den Bekennerschreiben von El-Kaida-Gruppen auf. Sie bedienen sich auch sonst sehr freizügig im Zitatenschatz der islamischen Geschichte, denn was für arabische Ohren wie das dichterische Pathos einer glorreichen Epoche klingt, fährt uns im Westen geradewegs in Mark und Bein. Und je kleiner und unbedeutender El-Kaida-Zellen sind, desto triumphaler klingen ihre Selbstbezeichnungen, desto enger lehnt sich ihr Jargon an das Zeitalter der Eroberungen an.

Die Bedrohung kommt nicht vom Islam, sondern von einer gewalttätigen Sekte

Kolportierte Sätze wie die Drohung Khalids genießen in der Rhetorik El Kaidas offenbar einen ebenso hohen Stellenwert wie Koranzitate und die Überlieferungen vom Leben des Propheten – ein Indiz dafür, dass El Kaida keine religiöse Bewegung ist. Ihre Führung verfolgt nicht das Wohl und die Freiheit der Muslime, sondern eine historische Utopie. Man könnte argumentieren, dass Geschichte eigentlich nicht sexy genug ist, um junge Männer für das Sterben zu begeistern. Aber die Berichte der islamischen Eroberungen liefern eine klare Sprache – ihre Wortwahl erlöst militante Muslime von der zermürbenden Vieldeutigkeit des Koran. Schlachterzählungen lesen sich leichter als die Offenbarungen eines Erzengels. Im Krieg lassen sich Wort und Tat nicht voneinander trennen – El Kaidas Rhetorik spielt deshalb eine ebenso große Rolle für den Kampf gegen den Terror wie ihre Strategien und Anschlagspläne. Ohne Zweifel müssen wir Europäer jene “Männer, die den Tod so sehr lieben wie wir das Leben” auch weiterhin mit Armeen, Polizei und Geheimdiensten bekämpfen. Aber dabei muss klar sein, dass unsere Sicherheit nicht vom Islam bedroht wird, sondern von einer gewalttätigen Sekte.

Der Koran kann vieles rechtfertigen, aber nicht den Massenmord

Die oft gestellte Frage, wie viel Gewalt “im Islam selbst” steckt, führt zwar in eine Sackgasse. Aber fest steht, dass sich die Sprache des Islam politisch nutzen lässt: Der Koran spricht von Gerechtigkeit, Neuordnung und vom Sturz bestehender Verhältnisse. Seine Begriffe sind also im eigentlichen Wortsinn revolutionär. Islamisten nutzen diese Sprache im Kampf gegen Tyrannen; und selbst die “grüne Bewegung” im Iran zieht mit dem Slogan “Allahu Akbar – Gott ist größer” gegen die Mullah-Diktatur. Man kann mit dem Koran vieles rechtfertigen. Aber bei Massenmord fällt auch dem gelehrtesten Dschihad-Kämpfer das Argumentieren schwer. Vermutlich liegt El Kaidas Hunger nach historischen Referenzen also in einem Mangel an Suren-Munition begründet: Bin Laden und seine Freunde verbrämen deshalb den Koran beliebig mit Geschichtsmythen. Über den Missbrauch seiner Worte hätte sich Khalid Ibn al-Walid wohl nicht gefreut. Aber es bleibt zu hoffen, dass sich seine selbst ernannten Erben noch einen anderen Spruch zu Herzen nehmen, der von ihm überliefert ist: “In vielen Schlachten habe ich den Märtyrertod gesucht. Und nun krepiere ich wie ein altes Kamel.”

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