Stolze Menschen verirren sich lieber, als nach dem Weg zu fragen. Winston Churchill

Weiber-Wirtschaft

Warum die Ökonomie weiblicher werden wird. Ganz von selbst. Oder?

Ihr Buch widmen die Autoren Uwe Jean Heuser und Deborah Steinborn ihren beiden Töchtern. Das ist schön für sie, aber wo bleiben ihre beiden Söhne? Sollen sie dieses Buch nicht lesen oder verdienen sie keine Widmung? Das Buch „Anders denken! Warum die Ökonomie weiblicher wird“, ist sehr suggestiv, beinahe trotzig geschrieben. Warum „wird“ und nicht „werden sollte“? Von selbst wird sich die schöne neue weibliche Welt nicht einstellen.

Gleichstellung macht glücklich

Die Hauptthese der beiden Journalisten: Deutschland könnte ökonomisch erfolgreicher und gesellschaftlich glücklicher sein, wenn es in Sachen Gleichstellung und Gleichberechtigung der Geschlechter weiter wäre. Verändern muss sich dafür vor allem die Arbeitszeitkultur in deutschen Unternehmen. Die 40- oder mehr Stundenwoche für Frauen und Männer geht auf Dauer zulasten der Familie und der Beschäftigten.

Die vorherrschende Präsenzkultur privilegiert die Männer und benachteiligt die Frauen (wenn sie Kinder haben). Es sind die mittelständischen Unternehmen, die vorangehen und ihren Mitarbeitern Korridore von 20 bis 40 Wochenstunden anbieten. „Mehr Flexibilität“ heißt der Zaubertrank, der uns weiter bringt.

Ärgerlich sind mitunter apodiktisch vorgetragene Aussagen wie die, dass die Männer die Weltwirtschaftskrise vom Zaum gebrochen haben. Wer sonst? Oder die Behauptung, für (west)deutsche Frauen sei der Heiratsmarkt lohnender als der Arbeitsmarkt. Das ist Polemik, auch wenn sie wissenschaftlich vorgetragen wird. Der Staat behindert die Frauen? Wenn Ehegattensplitting und Betreuungsgeld fallen, wird alles besser?

Für die naive Folgerung haben SPD und Grüne bei der letzten Bundestagswahl die Quittung bekommen. Deutschland ist ein „slow motion country“. Die Wähler goutieren keine Tabula-rasa-Politik jenseits der bekannten Pfade. „Teilzeit ist ein Karrierekiller“, schreiben die Autoren zutreffend. Aber dann gleich die 30-Stundenwoche für alle fordern? So viel Steuerungsoptimismus ist erstaunlich für Wirtschaftsjournalisten.

Warum eine weiblichere Wirtschaft besser ist für die Männer

„Warum können Frauen nicht alles haben? Weil Männer alles haben.“ Die amerikanische Variante von Jutta Allmendinger, der Leiterin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung, ist der Männerforscher Michael Kimmel. Seine zentrale Beobachtung: Wer Gesellschaft und Wirtschaft familienfreundlicher gestalten will, muss bei den Männern ansetzen. Es gelte, sie in ihrer Doppelrolle als Ernährer und Vater zu ermutigen. An dieser Kultur der Ermutigung fehlt es vor allem in Deutschland. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums zufolge liegen wir hier mit Polen und Italien zurück.

Heuser und Steinborn listen eine Reihe von Gründen auf, warum männliche Führungskräfte das Thema „Geschlechtergerechtigkeit“ zu ihrem Thema machen sollten: Fachkräftemangel, alternde Gesellschaft, mehr Wachstum und Wohlstand, motivierte Mitarbeiter. Große Hoffnung setzen beide in die nächste Generation, die „Generation Y und Z“.

Sie verbindet ein Wertewandel, der auf kommunizieren, einbinden und überzeugen setzt und weniger auf Hierarchie, Präsenz und Stress. Frauen und Männer wären glücklicher in einer Welt der Arbeitsteilung, die nicht nur für den Beruf, sondern auch die Familie gilt. Den Kindern würde es besser gehen, sie lebten gesünder, seien weniger aggressiv – und die Eltern hätten mehr Sex. Ja!

Gibt es nur etwas zu gewinnen und nichts zu verlieren? Die schöne neue Welt der Arbeit und Wirtschaft beschreiben die Autoren als Positivsummenspiel. „Mehr Frauen und mehr Gleichheit in den Führungsetagen werden die Welt verändern.“

Uwe Jean Heuser, Deborah Steinborn: Anders denken! Warum die Ökonomie weiblicher wird. Hanser Verlag 2013. 252 Seiten. 19,99 €

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Daniel Dettling: Mythen und Fakten zu Ehe

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