Alt sind immer die anderen

Daniel Dettling5.11.2013Gesellschaft & Kultur

Wie wir den demografischen Wandel zum Win-Win für alle machen können.

Etwa alle zehn Jahre steigt die Lebenserwartung der 65-Jährigen ungefähr um zwei bis drei Jahre. Bislang werden diese gewonnenen Jahre fast ausschließlich in Freizeit investiert. Doch ist das sinnvoll angesichts der Tatsache, dass wir heute gebildeter und gesünder älter werden? Nein, schreibt Margaret Heckel in ihrem lesenswerten Buch. Wenn künftige Generationen 100 Jahre alt werden, werden wir schon bald in der Lage sein, 60 und mehr Jahre zu arbeiten. Die „Rente mit 67“ ist dann nur der Beginn einer neuen Arbeitswelt.

Die altersgerechte Arbeitswelt hat längst begonnen

Heckel zitiert Studien und Unternehmen, die beweisen, dass ältere Mitarbeiter produktiver, kreativer und flexibler sind als die gängigen Stereotype in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Und viele Unternehmen haben darauf längst reagiert und neue Arbeitszeitmodelle aufgelegt, die Rücksicht nehmen auf die unterschiedlichen Lebensphasen ihrer Mitarbeiter. Beispiel Trumpf: Beim schwäbischen Maschinenbauer, einem global agierenden Familienunternehmen, können die Mitarbeiter für jeweils zwei Jahre ihre Arbeitszeit in einem Korridor zwischen 15 und 40 Wochenstunden selbst festlegen. Auf einem Zeitkonto können zudem bis zu 1.000 Stunden für eine längere Auszeit angespart werden, ein weiteres Konto gibt es für die betriebliche Altersvorsorge.

Mehr Sinn, mehr Arbeit und weniger Stress

Drei Generationen haben unsere Einstellungen zur Arbeit in Deutschland geprägt: Zunächst die Wirtschaftswundergeneration, die das Land nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat. Dann die Generation Golf, von denen heute viele an den Schalthebeln der Macht sitzen. In den Startlöchern sitzt jetzt die Generation Y, von den Unternehmen als junge Fachkräfte umworben. Wo die Generation Golf noch konsum- und wettbewerbsorientiert ist, verfolgt die kommende Generation eine Kultur der Kooperation und Kommunikation. Sie wollen alles auf einmal: neue Karrieremodelle, weniger Stress und mehr Sinn.

Die neue Arbeitswelt wird spannend und für die große Mehrheit mehr Spaß bedeuten als für frühere Generationen. Wir befinden uns mitten in einer Zeitenwende und eines Übergangs. Unternehmen, die sich nicht ausreichend um ihre Arbeitnehmer kümmern, werden künftig nicht mehr erfolgreich sein. So kann aus dem demografischen Wandel und der Alterung der Gesellschaft eine Win-Win-Situation für alle Generationen werden: Wenn die Älteren länger arbeiten, werden auch die Sozialsysteme und heutige Beitragszahler entlastet. Die heute jungen Alten können länger und die heute Jüngeren werden länger arbeiten können.

_Margaret Heckel: Aus Erfahrung gut. Wie die Älteren die Arbeitswelt erneuern. Edition Körber-Stiftung. 2013. 232 Seiten. 16 Euro_

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