Vom mündigen Nichtraucher

von Daniel Adolph15.07.2010Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

John McClane, alias Bruce Willis, war ein typischer Held der 80er Jahre: runtergekommen, Feinripp-Shirt und – als wichtigstes Accessoire – ständig eine glühende Kippe im Mundwinkel. Heute sind die Glimmstängel von der Kinoleinwand so gut wie verschwunden. Trotzdem sollte ein Staat seinen Bürgern nicht die Freiheit nehmen, Räume zum geselligen Qualmen zu schaffen.

Eigentlich war doch alles in Ordnung: Interessante Rauchertypen hatten sich in den letzten Jahren mit Ausnahme von Helmut Schmidt ganz von alleine aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Aber jetzt hat Bayern das Thema Rauchen wieder auf die Straße gebracht. Dieses Totalverbot wird ganz junge Rebellraucher hervorbringen – diesen Effekt haben ja auch die vergrößerten Warnhinweise gehabt. Mehr noch: Dieses Verbot beeinflusst auch massiv das Leben von uns Nichtrauchern. An den Wegfall meines Lieblings-Pausenfüllers hatte ich mich schon (fast) gewöhnt: Ich liebe Kino-Werbe-Raten. Irgendwas mit Pferd? Marlboro! Das versteh’ ich nicht? West! Eine Halbnackte, eine Ente und/oder ein Baguette? Gauloises! Das wusste ich immer als Erster, schon lange bevor ich in der Werbung gearbeitet habe. Inzwischen ist Zigarettenwerbung verboten und verbannt. Jetzt überbrücke ich die Zeit bis zum Hauptfilm eben mit Mr. Pümpel aus der Regio-Werbung.

Kantig, blutig, dreckig, paffend

Auch den Niedergang meiner Blockbuster-Ikone hatte ich (fast) verdaut: Bruce Willis hat als John McClane in “Stirb Langsam 1-3” ohne Ende gequarzt. Mit Feinripp und Lucky Ohne bewaffnet konnte er die Welt retten. Ich habe ihn geliebt, wie er war – kantig, blutig, dreckig, paffend. Dann kam “Stirb Langsam 4”. Pardon. “Stirb Langsam 4.0”. Damit fing es eigentlich schon an. Plötzlich hat McClane nicht mehr geraucht. Er hat Hemden über dem Unterhemd getragen und sich mit einer pubertierenden Tochter herumgeschlagen. Der Anfang vom Ende. Eine knappe Stunde später surfte er dann auf Kampfflugzeugen. Wir lernen: Nichtraucher sind offensichtlich fitter, trotzdem ist das nicht mehr mein Johnny. Vielleicht liegt es aber auch am Hemd. Durch das Votum der Bayerischen Bevölkerung folgen jetzt weitere unerwünschte Eingriffe in mein Nichtraucherleben, an die ich mich in der Folge erst noch gewöhnen muss: Meine Lebensqualität sinkt. Zwar wird es einfacher, einen Tresenplatz zu bekommen, aber dafür werde ich mich auch immer öfter mit meinem Bierglas unterhalten müssen. Denn wie die Wirte zu Recht befürchten, wird es leerer werden in den Kneipen. Rauchen verboten wurde vor allem von denen, die selten eine Bar betreten. Meine Lebenserwartung sinkt. Jeder erfahrene Ausgeher weiß doch, dass die lustigeren Ereignisse meistens im Kreise der Raucher passieren. Warum sonst stehen auf jeder guten Party, in jeder Küche und auf jedem Balkon die Nichtraucher einträchtig neben den Rauchern und lauschen ihren Anekdoten? Zukünftig atme ich also statt kaltem Rauch kalte Luft und verbringe meine Abende draußen auf der kalten Straße. Die gesundheitlichen Folgen mag ich mir gar nicht ausmalen.

Plädoyer für selbstbestimmte Entscheidungen von erwachsenen Leuten

Dieser Artikel ist kein Plädoyer fürs Rauchen, aber ein Plädoyer für selbstbestimmte Entscheidungen von erwachsenen Leuten. Genauso wie sich jeder Einzelne für oder gegen das Rauchen entscheiden kann, hat er doch auch die Freiheit bei der Wahl, ob er sein Feierabendbier neben einem Raucher trinken will oder nicht. Ich habe meine Entscheidung jedenfalls getroffen: In Zukunft werde ich wohl solidarisch immer öfter in der Kälte stehen. PS: Wenn ich mir was wünschen darf, schaut Bruce – nachdem er erfolgreich sein Parfum gelauncht hat – im fünften Teil mal in Bayern nach dem Rechten!

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