Wir werden zu Medienkreaturen. Nicholas Carr

Guten Appetit!

Kein Internet, keine Teilhabe an der Weltwirtschaft. Regierungen, die sich den Chancen des Netzes verschließen, werden vom globalen Ideenwettbewerb ausgeschlossen. Nur wer hungrig auf diese Möglichkeiten ist, profitiert vom digitalen Gedankenaustausch.

Freier Zugang zum Internet ist mehr als nur ein grundsätzliches Menschenrecht: Es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Das bedeutet, auch tyrannische Diktatoren sollten ihren Untertanen tunlichst Zugang zum Netz gewähren, und wenn es nur dem Erhalt ihrer Macht dient. Denn erst Zugang zum Internet verleiht den Menschen Teilhabe an der Weltwirtschaft, die immer häufiger intellektuelle Ressourcen nachfragt anstatt Maschinen oder Industrieanlagen.

Ausschluss vom Ideenwettbewerb

Regierungen, die ihre Bevölkerung von der digitalen Gesellschaft abschotten wie in Burma oder Nordkorea, schaden sich selbst. Regierungen, die versuchen, den stetigen Informationsstrom des Netzes zu filtern wie in China, limitieren ihre eigenen intellektuellen Ressourcen. Diese Länder werden am Ideenwettbewerb zur Überwindung grundlegender, menschengemachter Probleme nicht teilnehmen.

Ich hatte das große Glück, diese Entwicklung vorherzusehen. 1982 bekam ich meinen ersten Job als Journalist im Technikressort einer kleinen Lokalzeitung. Ein Jahr später, ich war auf der Suche nach Arbeit, besuchte ich eine Handelsmesse, um neue Kontakte zu knüpfen. Auf meiner Visitenkarte stand lediglich: „Besitze Modem, bin bereit umzuziehen.“ Es funktionierte.

Seitdem ich 1985 für Newsbyte die ersten Gehversuche des Internets journalistisch begleitet habe und dabei beobachten konnte, welche wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen dieses neue Medium möglich gemacht hat, möchte ich nicht mehr ohne das Netz leben.

Erst das Internet ermöglicht wahren Austausch

Das Internet wird häufig das Fernsehen der heutigen Zeit genannt. Aber es ist mehr als bloß das. Anders als jedes zuvor entwickelte Medium ermöglicht das Internet den Austausch. Das Netz öffnet den Blick für unendlich viele neue Möglichkeiten, bietet Chancen, diese finanziell umzusetzen, und liefert direkten Kundenkontakt.

Viele Menschen hatten damals bereits Angst, ihr traditionelles Geschäft könnte unter dieser Entwicklung leiden. Ich aber habe sie auf diese unglaublichen neuen Möglichkeiten hingewiesen und gefragt: “Wie hungrig seid ihr?“ Sie waren bereits satt. Doch andere hatten den notwendigen Appetit, werden ihn immer haben. Wer nicht im Internet ist, spielt in diesem neuen Jahrtausend schlicht keine Rolle mehr.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Herbert Ammon, Anke Domscheit-Berg, Edgar Ludwig Gärtner .

Leserbriefe

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