Und, wie war Ihr erstes Mal?

Dan Ariely19.04.2014Gesellschaft & Kultur

Wer beim Date übers Wetter redet, wird die Nacht allein verbringen. Unser Kolumnist hat erforscht, was wirklich zieht.

Beim ersten Date versuchen wir, die Balance zwischen Selbstdarstellung und geduldigem Zuhören zu finden. Gleichzeitig wollen wir Fettnäpfchen ausweichen, Kontroverse scheint da fehl am Platz. Lieber nehmen wir in Kauf, langweilig zu wirken.

Nichts gibt diese Situation treffender wieder als ein Zitat aus der britischen Komödie „Best in Show“ von 2011: „Wir haben so viel gemeinsam. Wir mögen Suppe und Erbsen, wir sind gern an der frischen Luft, wir reden und schweigen gerne. Wir könnten uns ewig anschweigen und würden immer noch Dinge finden, über die wir nicht reden möchten.“

Es erscheint uns sicherer, über Themen wie Essen oder Wetter zu sprechen. Wenig kontrovers, dafür uninteressant. Und ob wir zusammenpassen, wissen wir nach so einem Gespräch auch nicht.

Man könnte von einem schlechten Gleichgewicht sprechen, denn alle Teilnehmer einigen sich zwar auf die gleiche Strategie, nähern sich so aneinander an und bekommen doch nicht, was sie eigentlich wollen. Im Zuge meiner Forschung habe ich diverse E-Mails von Singles untersucht, die sich beim Onlinedating einem potenziellen Partner vorgestellt haben. Mit dem Ergebnis, dass sich viele Leute, die eigentlich interessante Dinge über sich zu sagen hätten, fade und geistlos präsentieren. Fragen wie „Wo bist du zur Uni gegangen” oder „Was sind deine Hobbies” sprühen nicht gerade vor Elan. Besonders beim Dating wollen Menschen offensichtlich Fehltritte vermeiden.

In einem Experiment haben wir den Studienteilnehmern daher vorgeschrieben, was sie fragen dürfen, und alle anderen Fragen verboten. Statt über’s Wetter mussten sie über Beziehungen, Geschlechtskrankheiten, den ersten Sex, Abtreibung und gebrochene Herzen sprechen. Riskante Fragen, die üblicherweise beim ersten Kennenlernen vermieden werden. Das Resultat war eindeutig.

Die Unterhaltungen war auf einmal spannend! Anstatt über Fußball zu reden, erzählten die Leute von ihren Urängsten oder dem Verlust ihrer Unschuld. Die Gesprächspartner waren danach messbar glücklicher über das Date.

Was lernen wir daraus? Wenn wir unsere Gesprächsthemen frei wählen dürfen, stellen wir eher unverfängliche Fragen – so entsteht das angesprochene „schlechte” Gleichgewicht. Sobald unsere Möglichkeiten aber eingeschränkt sind, entwickeln wir Verhaltensweisen, die uns am Ende besser dastehen lassen. Verallgemeinernd könnte man sagen: Ein teilregulierter Markt kann bessere Erfolge erzielen als die freie Marktwirtschaft.

Wir sollten vielleicht anfangen, nur noch Fragen zu stellen, deren Antworten uns wirklich interessieren. Schluss mit Langeweile und Konfliktscheu. Beginnen Sie eine Unterhaltung doch mit fünf Fragen, die eher „schwierig“ sind, und vermeiden Sie, das Wetter anzusprechen. Sie werden sehen: Wer wagt, gewinnt.

_Übersetzung aus dem Englischen_

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Boyan Slat ist die bessere Greta Thunberg

Die Schwedin Greta Thunberg gilt als Klimaikone. Aber bei genauer Betrachtung ist die Klimakaiserin nackt! Der smarte Niederländer Boyan Slat hingegen ist weniger bekannt, aber Greta gegenüber mit seinem Klimapragmatismus weit voraus. Aber wer ist der junge Mann aus Delft? Und viel wichtiger: Waru

Hinter den Klima-Alarmisten steht die Staatsmacht

Ich meine, die Öffentlichkeit hat einen Anspruch darauf, zu erfahren, was in dieser Republik geschieht. In einer freiheitlichen Gesellschaft ist dieser Anspruch nichts Besonderes, sondern Normalität.

Kevin Kühnert wird der (über)nächste SPD-Vorsitzende

Ich wette, Kevin Kühnert wird den (noch nicht gewählten) SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und seine Partnerin Saskia Esken ablösen. Sie glauben das nicht? Immerhin hatte ich schon öffentlich eine Wette angeboten, dass die beiden bei der Stichwahl zum SPD-Vorsitz als Sieger hervorgehen,

Was bedeutet der Sieg von Walter-Borjans und Esken?

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sind von der SPD-Basis zum neuen Duo an der Parteispitze gewählt worden. In der Stichwahl setzten sich die beiden Kandidaten klar mit 53,06 Prozent gegen den Vizekanzler Olaf Scholz

Warum das grüne Glaubenssystem stabiler als das der Kommunisten ist

Seit dem Fall der Berliner Mauer beobachten Medienwissenschafter eine Inflation der Katastrophenrhetorik. Offenbar hat das Ende des Kalten Krieges ein Vakuum der Angst geschaffen, das nun professionell aufgefüllt wird. Man könnte geradezu von einer Industrie der Angst sprechen. Politiker, Anwälte

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Mobile Sliding Menu