Pornografie gibt es bereits, seit der erste Höhlenmensch anzügliche Bilder an die Höhlenwand malte. Cindy Gallop

Musikfernsehen lebt!

Die jetzige Krise der Musikindustrie ist eine Krise der Vermarktung und nicht der Musik selbst. Das Interesse an Musik und Musikfernsehen ist nach wie vor ungebrochen. Die Herausforderung besteht darin, neue Formate zu entwickeln.

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Das Musikfernsehen lebt – und hat seine neue Heimat im Netz gefunden. Durch den Wandel des klassischen Musikfernsehens hatten Musikvideos lange kein zu Hause mehr. Auf der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner von Musikgeschmack, Klingeltönen und Datingshows ist vielen Musik-TV-Sendern der Fokus auf ihren eigentlichen Ursprung abhanden gekommen. Die neuen Medien taten ihr Übriges: Sie gaben den Entertainmentbedürfnissen der “Generation Internet“ unendliche viele Kanäle und veränderten das Mediennutzungsverhalten rasant: Am Ende war auch das TV-Format Musik neu definiert: überall, umsonst, individualisierbar – und: in schlechter Qualität und unauffindbar.

Schnell wurde klar: Die entstehenden Online-Portale mit ihren unzähligen, unsortierten und zum Teil nur in schlechter Qualität verfügbaren Videoarchiven konnten darauf keine Antwort sein. Die Krux, die es zu lösen galt: Wie kombiniere ich das klassische Lean-Back-Medium Fernsehen geschickt mit den Möglichkeiten des Internet? Bis dato fehlte ein intelligentes und neuartiges Format, bei dem der Zuschauer das Lean-Back-Gefühl behalten konnte, ohne dabei auf die Individualisierungsmöglichkeiten des Internets zu verzichten.

Genau dort setzte tape.tv an. Nicht eine Antwort auf die Frage “wie finde ich eigentlich meine Musik?“, sondern vielmehr darauf “wie findet meine Musik mich?“. Zukunftsfähiges Musikfernsehen muss also weit mehr sein als ein verstaubtes Musikvideoarchiv: Erst eine intelligente Kombination aus technologischen Individualisierungsmöglichkeiten und dem Know-How eines erfahrenen Redaktionsteams schaffet einen Mehrwert für den User. Nur so wird der Zuschauer ganz ohne Aufwand zum eigenen Programmdirektor – und kommt zu seinem eigenen Musikstream.

Mobiles MTV

Das Musikfernsehen steht dabei zunehmend überall dort zur Verfügung, wo der User sich aufhält – und löst sich damit von der Hardware. Fernseher, Computer, Handy oder iPod – das sind alles nur Screens. In einer vernetzten Welt entscheidet immer weniger das Device und immer mehr die Nutzungssituation über den Medienkonsum. Somit liegt das entscheidende Erfolgskriterium wie auch die zentrale Herausforderung des Musikfernsehens darin, eine Medienformat zu entwickeln, das in allen Medien und auf allen Plattformen funktioniert.

Es geht also nur um Vermarktung, denn das Interesse an Musik und Musikfernsehen ist nach wie vor ungebrochen: Heute gibt es tausende relevante Neuerscheinungen pro Jahr in Deutschland. Dem wird man nur gerecht, wenn man auf die Zuschauer individuell eingeht. Das ist ein Auftrag an das neue Musikfernsehen, hier gilt es Pionierarbeit zu leisten.

Das Moderne Musikfernsehen

Das Musikfernsehen wird aber nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn es auf zwei Beinen steht und Innovationen auf allen relevanten Märkten treibt. Dazu gehört, dass die Musikfernsehsender nicht nur dem Zuschauer, sondern auch den Werbetreibenden eine Perspektive bieten. Das heutige Internet eröffnet vollkommen neue Wege im Bereich Markenentertainment. Wer diese nicht versteht und einschlägt, sondern mit Bannern und Pre-Rolls seine Zuschauer quält, verharrt in der analogen Welt und wird schneller (vom Markt) weggezappt als ihm lieb ist. Das neue Musikfernsehen darf sich nicht nur als Medium für den Zuschauer verstehen, sondern muss auch mit kreativen Formen der Bewegtbildwerbung Brücken zu den Werbetreibenden schlagen.

Alles dreht sich also um die Kernfrage: Wie erreiche ich mit Musikfernsehen meine Zielgruppe in den relevanten Märkten und stelle dabei die Finanzierbarkeit sicher.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Sabine von Wegen, Max Dax, Tobias Trosse.

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