Verfall und Ende des öffentlichen Lebens

Claudia Simone Dorchain16.03.2020Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Wo das Öffentliche verfällt, verfällt die Kultur als solche und die öffentliche Rechtfertigung, kurz: die bürgerschaftliche Begegnung auf dem notwendigen öffentlichen Terrain, das auch das „große Welttheater“ meint. Der geforderte Rückzug ins Private dient nicht der Kultur und so nicht dem Menschen in seiner naturgemäßen Doppelrolle als biologische Entität und Kulturschaffendem, sondern reduziert ihn auf den bloßen Körper, der vor virologischer Ansteckung geschützt werden muss. Bei dieser medial geschürten Reduktion des humanen Selbstverständnisses auf den verletzlichen Körper werden nicht nur massive Ängste, sondern auch zivilgesellschaftliche Desensibilisierungen eingeführt. Covid-2 setzt erlernter Ohnmacht die Krone auf.

Schulen schließen, Kindergärten schließen, Firmen schicken ihre Mitarbeiter ins home office, Restaurants versperren ihre Tür und Hotels vertagen die Saison. In Berlin wird sogar darüber diskutiert, den öffentlichen Personennahverkehr in Metropolregionen zu reduzieren, obwohl dies mit massiven Einschränkungen für Berufstätige verbunden ist.[1] Öffentliche Großveranstaltungen – darunter auch religiöse Zeremonien zu Ostern und Fußballspiele – werden abgesagt und treiben Gläubigen wie auch Sportfans Tränen der Frustration in die Augen. Täglich erreichen uns neue Mitteilungen über weitere Beschränkungen dessen, was noch vor ganz kurzer Zeit ein selbstverständlicher Teil des Alltags war: das öffentliche Leben mit Bildung, Wissenschaft, Arbeit, Religion, Kunst und Sport, mithin zentraler Bestandteil einer jeden menschlichen Kultur. Noch nicht ganz kommt dem unbefangenen Betrachter eine deutsche Fußgängerzone nun vor wie in einer ausgestorbenen Geisterstadt im Wilden Westen, wo gelegentlich, zur Illustration der Ödnis, ein verdorrtes Grasbüschel über den Weg fegt – doch es könnte bald so aussehen. Das öffentliche Leben steht scheinbar still. Doch nicht nur das Öffentliche, auch das Private soll zunehmend reduziert werden: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) rät eindringlich, Kinder nicht mehr zu ihren eigenen Großeltern zu schicken, da die Ansteckungsgefahr transgenerational ungewöhnlich hoch sei, und die Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes (BEV), Henrike Paede, begrüßt diese Entscheidung gegenüber der Deutschen Presse Agentur.[2] Die Effekte dieser grassierenden Einschränkung privater Kontakte und öffentlicher Geltungsräume sind gewaltig: Öffentliches wird bis auf ein Minimum reduziert, Privates auf die Kernfamilie hin entstaltet. Der Grund für diese Entwicklung hat einen Namen, oder mehr noch, er hat eine wissenschaftliche Bezeichnung: Corona-Virus. Und er hat ein Patent.

Am 30. Januar 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation World Health Organisation (WHO) ausgehend von China eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ [3] durch den Virus SARS-Covid-2, wie das Auswärtige Amt berichtete. Dieser Virus, der in vielen Fällen tödlich enden kann, soll sich nun, WHO zufolge, zu über 65% in der Großregion Europa ausgebreitet haben, in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.[4] Was seither passiert ist, kann als eine aufgeregte, beschleunigte Chronologie eines Virus verstanden werden, der die Weltgemeinschaft buchstäblich außer Atem (und unter Mundschutz) hält: renommierte Experten äußerten sich kontrovers, doch einmütig besorgt zur Ansteckungsgefahr, die Medien vervielfältigten Frage-und-Antwort-Runden zum wie ein spukhafter Revenant aus vergangenen Zeiten wiederkehrenden Thema, wie sich der Mensch vor Seuchen schützen kann. Lebensräume werden heute kurzerhand zu „Risikogebieten“ [5] erklärt, das bekannte Robert-Koch-Institut rät Österreichs Grenzen zu schließen, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beschwört alle touristischen Heimkehrer aus diesem Gebiet auf Twitter, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben. Angst grassiert, mehr noch als der Virus selbst. Die reale empirisch-epidemische Ansteckungsgefahr mit Covid-2 soll hierbei keinesfalls bagatellisiert werden, doch es geht nun philosophisch betrachtet um zwei andere Aspekte, die bisher in der öffentlichen Debatte vernachlässigt wurden: die fragwürdige Herkunft des Virus und die kulturelle Bedeutung einer weltweiten Einschränkung des öffentlichen Raums.

Mit Kronen für Patente?

Die genetische Herkunft des Virus, welcher schon von der WHO im Januar 2020 als verwandt mit SARS identifiziert wurde, sorgt weltweit für Diskussionen, doch es herrscht noch das alte Sprichwort „so viele Köpfe, so viele Meinungen“, da die Expertenansichten hier stark differieren. Neueste Spuren führen jedoch zum Pirbright Institute[6] in Surrey, England, welches eine verursachende Rolle gespielt haben könnte, sofern es zutrifft, dass der Virus im Labor gezüchtet wurde. Das Pirbright Institute, das frühere „Institute of Animal Health“, das sich in der Vergangenheit durch Tests von Impfstoffen, Nutztiergenetik und Prüfung von Tuberkuloseerkrankungen einen Namen gemacht hat, gehört zum von der britischen Regierung großzügig finanzierten Forschungstrust „Biotechnology and Biological Sciences Research Center“ (BBSRC). Es wird jährlich mit 30 Millionen Pfund subventioniert und untersteht zugleich nominell der britischen Königin Elizabeth II., die seine Arbeit fördert. Das Pirbright Institute äußert sich auf seiner Website dahingehend, dass es ein Patent auf eine Form des Corona-Virus angemeldet hat: “The Institute holds Patent no. 10130701 which covers the development of an attenuated (weakened) form of the coronavirus that could potentially be used as a vaccine to prevent respiratory diseases in birds and other animals.“ [7] Es legt jedoch Wert darauf, zu unterstreichen, dass es sich hierbei nur um eine Variante des Virus handelt, welcher Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan ausgebrochen sei, und dass seine primären Ziele mit der patentierten Virus-Variante die der Entwicklung eines Impfstoffes seien. Zutreffend ergänzt das Pirbright Institute, dass die Impfung mit Erregerstoffen eine anerkannte medizinische Praxis sei – von Grippe bis Pocken. Das ist richtig, doch es stellt sich die zeitlich-kausale Frage, weshalb ein Erreger erst gezüchtet werden muss, um Impfstoffe ableiten zu können, denn bei Grippe und Pocken wurden die einer Impfung zugrundeliegenden Erreger nicht fabriziert, sondern natürlich vorgefunden. Nicht zufällig gehören gerade Viren zu den sogenannten Massenvernichtungswaffen, den ABC-Waffen (atomar, biologisch, chemisch) in ihrer biologischen Form, die laut dem früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, weltweit an Bedeutung gewinnen. Eine möglicherweise geplante Verbreitung von Viren als einer B-Waffe der Massenvernichtung wird momentan in mehreren Alternativmedien diskutiert, ohne dass sich jedoch bisher Beweise oberhalb der Indizienebene gefunden haben. In diesem Kontext wird häufig auch eine Verknüpfung des Pirbright Instituts mit der weltweit agierenden, zahlreiche Magnaten wie Henry Kissinger, David Rockefeller und CIA-Direktor Allen Dulles miteinschließenden „Pilgrim Society“[8] erstellt, welche ebenfalls ein Patronat der britischen Königin ist, während jedoch die Website des naturwissenschaftlichen Instituts diese Verbindung nicht hergibt. Corona, aus dem Lateinischen übersetzt die Krone, eine Kunstschöpfung mit royaler Protektion? Ungeklärt, doch nicht ganz abwegig. Eine interessante Nebenfrage tut sich auf: befindet sich das Pirbright Institute nicht ausgerechnet in Woking, Surrey, einem Ort, der erst im November 2019 in einem skandalösen Interview des britischen Staatssenders BBC[9] unrühmlich erwähnt wurde? Hier will ein zum Menschenhändler Epstein befragtes Mitglied der britischen Königsfamilie – wir erinnern uns: der ehrenwerte Prinz, der nicht schwitzt – angeblich eine harmlose Pizza im örtlichen Restaurant verspeist haben, statt Minderjährige zu goutieren. Es könnte natürlich ein reiner Zufall sein, dass sich Orte, Personen und Netzwerke zuweilen überschneiden und eine internationale Panik gerade jetzt als Kontrollinstrument zumindest gewollt erscheint. Die Welt ist klein.

Richard Sennett prophezeite schon 1977 den Untergang einer Kultur der Öffentlichkeit

Was im Gegensatz zur Herkunft des fragwürdigen Patent-Virus unumstritten bleibt, ist seine verheerende Wirkung: die WHO nennt explizit „Maßnahmen zur Einschränkung der Bewegung und des öffentlichen Lebens“,[10] die durch viele europäische Länder eingeführt werden sollten und großenteils bereits auch umgesetzt worden sind. Hier soll keine weitere medizinisch-virologische Analyse oder Prognose erfolgen, sondern eine philosophische Erinnerung an den Wert des Öffentlichen an sich, der gerade in größte Gefahr gerät. Denn das öffentliche Leben ist geradezu ein Konstitutivkriterium dessen, was wir als Kultur bezeichnen, und insofern betrifft der Verfall des öffentlichen Lebens die Kultur als solche. Die Trennung zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten und auch die genaue Definition dessen, was dem einen oder dem anderen Bereich angehört, ist eine der ältesten Trennungen überhaupt, die jede Kultur vornimmt. Die Philosophen der Antike betonten mehrheitlich den Wert des Öffentlichen und verlangten vom Bürger eine aktive Teilhabe am öffentlichen Lebensraum in Form von Diskussionen, dem Wahrnehmen öffentlicher Ämter und der Politik. Aristoteles, der den Menschen primär als ein „zoon politikón“ (soziales Lebewesen) verstand, unterstrich das Verhältnis zwischen Bürger und Öffentlichkeit: der Bürger ist nicht ohne seinen Geltungsraum des Öffentlichen denkbar, und so betreffen Einschränkungen des Öffentlichen auch den Zustand der Zivilgesellschaft. Die moderne Zivilgesellschaft ist seit dem 20. Jahrhundert jedoch massiven, durchaus außerzufälligen Veränderungen unterworfen, die die Grenze zwischen Öffentlichem und Privatem betreffen. Richard Sennett hat ein Werk über die gewandelte Bedeutung der Öffentlichkeit verfasst: The fall of public man (1977), zu Deutsch Verfall und Untergang des öffentlichen Lebens. Sennett vertritt die These, dass der Raum der Öffentlichkeit in Europa ständig im Abbau begriffen sei. Während noch bis ins 18. Jahrhundert der Marktplatz, die Straße und das Theater eine erzieherische und bildende Funktion besessen hätten, Diskussionen entfachten und auch zur aktiven Mitgestaltung aufriefen, seien derartige öffentliche Einrichtungen heute Orte des reinen Beobachtens und Konsums. Der aktive Bürger, der sich im öffentlichen Raum, der auch das „große Welttheater“[11] meint, durch Wort und Tat eigenmächtig einbringt, sei in der Postmoderne zum passiven Zuschauer, sowie zum Subjekt und Objekt gegenseitiger Kontrolle geworden, und die Tendenz dieser Einschränkung sei steigend. Sofern Staaten nun nicht nur die Passivität des Bürgers begrüßen, sondern sogar Maßnahmen ergreifen, seine öffentliche Teilhabe zu begrenzen und sogar das Private und den transgenerationalen Austausch zu minimieren,[12] geschieht gegenwärtig offenbar eine beschleunigte Umsetzung von Sennetts dystopischer Zukunftsvision. Die kleine Welt wird noch kleiner.

Wo das Öffentliche verfällt, verfällt die Kultur per se und mit ihr die öffentliche Rechtfertigung, dort verkümmert die zivilgesellschaftliche Begegnung auf dem öffentlichen Terrain zum unproduktiven Einhausen ins Eigene. Der geforderte Rückzug ins Private dient nicht der Kultur und somit auch nicht dem Menschen in seiner Doppelrolle als biologischer Entität und Kulturschaffendem, sondern definiert ihn reduktionistisch als den bloßen Körper, der vor virologischer Ansteckung geschützt werden muss. Bei dieser medial geschürten Reduktion des humanen Selbstverständnisses auf den verletzlichen Körper werden nicht nur massive Ängste, sondern auch zivilgesellschaftliche Desensibilisierungen eingeführt. Covid-19 setzt erlernter Ohnmacht die Krone auf.

[1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/coronavirus-weniger-fahrgaeste-in-der-s-bahn-bus-und-bahn-sollen-fahren-so-lange-es-geht/25636902.html

[2] https://www.merkur.de/bayern/schulen-coronavirus-bayern-soeder-abitur-geschlossen-muenchen-sars-cov-2-ticker-13581408.html

[3] https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2294930/7efcb282d9abe062d86bf6bcbecd19bf/ncov-data.pdf

[4] Ebd.

[5] https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-rki-erweitert-liste-der-coronavirus-risikogebiete.1939.de.html?drn:news_id=1110495

[6] https://www.pirbright.ac.uk/

[7]https://www.pirbright.ac.uk/news/2020/01/pirbright%E2%80%99s-livestock-coronavirus-research-%E2%80%93-your-questions-answered

[8] https://www.pilgrimsociety.org/

[9] https://www.bbc.com/news/uk-50451953

[10] https://www.auswaertiges-amt.de/blob/2294930/7efcb282d9abe062d86bf6bcbecd19bf/ncov-data.pdf

[11] Mysterienspiel über den Sinn und die Transzendenz des menschlichen Lebens von Pedro Calderón de la Barca (1655), von 1924 bis 2013 im Zentralschweizer Ort Einsiedeln re-inszeniert.

[12] Vgl. https://www.merkur.de/bayern/schulen-coronavirus-bayern-soeder-abitur-geschlossen-muenchen-sars-cov-2-ticker-13581408.html

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