Vorwärts, Genossinnen!

Claudia Menne24.03.2011Gesellschaft & Kultur, Medien

Gleichberechtigung lässt sich nicht mit einzelnen Events erreichen. Vielmehr braucht es Unterstützer, die rund ums Jahr für die Geschlechtergleichheit eintreten. Gewerkschaften schaffen es, über Partikularinteressen hinaus Allianzen zu schließen.

Die Wurzeln des Internationalen Frauentages liegen in der Tradition proletarischer Frauenkämpfe. Dieser weltweite Aktionstag kommt schon lange nicht mehr so kämpferisch und verbunden mit Massenprotesten daher. “Vielmehr sind es vielfältige, symbolische und oft sehr fantasievolle Aktionen, die auf bestehende Ungleichbehandlungen und Ungerechtigkeiten hinweisen(Link)”:http://www.theeuropean.de/katrin-poleschner/5951-der-internationale-weltfrauentag. Die internationale Dimension ist dabei ebenso präsent und verbunden mit dem Hinweis, dass in vielen Ländern der Welt die Ausübung von Gewerkschaftsrechten immer noch nicht selbstverständlich und Unterdrückung an der Tagesordnung ist.

Wir brauchen langfristiges Commitment

Zu Beginn, 1911, stand die Forderung nach dem Wahlrecht im Zentrum. Weitere Themen waren die rechtliche Gleichstellung und die ökonomische Unabhängigkeit. Dazu gehörte schon damals die Forderung nach Mindestlöhnen und nach gleichem Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnverzicht, die Senkung von Lebensmittelpreisen oder Schulspeisungen. Alles Forderungen, die heute nach wie vor ihre Aktualität haben. Die Proklamation des UN-Jahres für die Frau im Jahr 1975 führte zu einer Wiederbelebung des Internationalen Frauentags und er erhielt seine heutige Bedeutung. Frauen nutzen seitdem den 8. März, um auf Ungleichbehandlungen hinzuweisen. Auch internationale Aspekte, wie die Rechte von Frauen in der sogenannten Dritten Welt, die Diskriminierung nicht heterosexueller Lebensweisen und die bessere Sicherung von Frauenrechten im Arbeitsleben sowie die Erweiterung von Frauenrechten im Rahmen der europäischen Annäherung wurden und werden aufgegriffen. Aktuell erfährt der Internationale Frauentag, teilweise jedoch durch neue Aktionsformen, die singuläre Themen prononcieren und als spektakulärer erscheinen, eine mögliche Relativierung. Die Mobilisierungsmöglichkeiten, z.B. beim „Equal Pay Day“ (EPD), das Engagement für den „Girls’ Day“ oder auch der Zulauf und die politische Wirksamkeit neuer Initiativen, wie z.B. der FidAR-Initiative (Frauen in die Aufsichtsräte), sind bemerkenswert. Sie bestätigen die Analyse, dass es ohne Frage leichter ist, Menschen für ein punktuelles Engagement zu gewinnen. Umfassende soziale Bewegungen wie die Frauen- und Gewerkschaftsbewegung, auf ein langfristiges Commitment angewiesen, sind „in die Jahre“ gekommen. Positiv gewendet könnte man diese singulären Aktionen und Aktionstage als Kinder des Internationalen Frauentags und gewerkschaftspolitisch als Ableger des 1. Mai betrachten.

Über einzelne Themen hinaus

Es bleibt die Aufgabe bestehen, die politischen Gemeinsamkeiten mit diesen Bewegungen zu definieren, aber auch „aufklärerisch“ zu wirken. Denn nicht hinter jeder vermeintlich basisdemokratischen Initiative verbirgt sich auch wirklich ein allgemeinpolitischer Vertretungsanspruch, der auf den Ausgleich verschiedener Interessen abzielt. Nach wie vor besteht der besondere Verdienst sowohl der Gewerkschafts- als auch der Frauenbewegung darin, über Partikularinteressen und Einzelthemen hinausweisende Allianzen und Bündnisse zu schließen – im Interesse einer umfassenden gesellschaftlichen Veränderung, die sozialen Fortschritt, Umverteilung von oben nach unten, Veränderung der hierarchischen Geschlechterverhältnisse, Antidiskriminierung und Schutz der natürlichen Ressourcen und der Umwelt zum Ziel haben und diese Ziele miteinander in Einklang zu bringen suchen. *Die Autorin schreibt auch für das “Debattenmagazin(Link)”:http://www.gegenblende.de/08-2011 „Gegenblende“ des DGB. Dort findet sich ein ausführlicherer Beitrag zum Thema Gleichberechtigung.*

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