Konsum reduzieren bis zur absoluten Abstinenz. Marlene Mortler

Das Ende des Hegemonen

Belege für Amerikas Bedeutungsverlust sind allgegenwärtig. Mit dem Niedergang der USA verändert sich auch die Weltordnung. Staaten wie China und Indien gewinnen an Bedeutung, das Risiko von Kriegen nimmt ohne die Hegemonialstellung Amerikas zu. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Die Anzeichen für Amerikas relativen Bedeutungsverlust sind allgegenwärtig. Laut „Economist“ wird China die USA als weltgrößte Wirtschaft bis 2019 überholt haben. Der relative Machtverlust der Vereinigten Staaten wird sich in den kommenden Jahrzehnten auch auf die internationale Politik auswirken: Das Risiko von Auseinandersetzungen und Kriegen wird zunehmen, wenn die „Pax Americana“ und die Auswirkungen der Globalisierung zunehmend durch eine Weltordnung verdrängt werden, in der vor allem die Interessen Chinas und einiger anderer aufstrebender Mächte Beachtung finden.

Dass diese Entwicklung eintreten wird, ist das Ergebnis langfristiger historischer Prozesse. Neue Mächte wie Indien und China sorgen bereits heute für Verwerfungen der geopolitischen Lage. Das Zentrum der globalen Wirtschaftsmacht verlagert sich immer stärker aus dem europäisch-atlantischen Raum in Richtung Asien. In den vergangenen zwanzig Jahren ist die chinesische Wirtschaft viel schneller gewachsen als die amerikanische, Tendenz steigend.

Die neuen Vereinigten Staaten

Die aktuelle Wirtschaftskrise ist ein Sinnbild für den Niedergang der USA. Optimistische Stimmen argumentieren zwar, dass sich mit dem Ende der Rezession auch die Situation den USA verbessern wird. Sie führen an, dass die USA nach dem Zweiten Weltkrieg prozentual noch höher verschuldet waren und trotzdem in den 1950er-Jahren einen regelrechten Boom erlebten. Die Nachkriegszeit, das goldene Zeitalter der amerikanischen industriellen und finanziellen Dominanz, der Handelsüberschüsse und des fortwährenden Wachstums.

Doch diese Tage sind gezählt, 2011 ist nicht 1945. Das Problem der Überschuldung ist auch mit dem Ende der Finanzkrise nicht gelöst. Mindestens zehn Jahre lang wird sich das aktuelle Haushaltsdefizit nicht substanziell verringern lassen. Rechnet man noch die ausstehenden Rentenansprüche, die Verbindlichkeiten aus den Sozial- und Krankensystemen und die Kosten der andauernden Kriege im Irak und in Afghanistan dazu, dann gibt das Grund zur Sorge um die langfristige Finanzstabilität der Vereinigten Staaten. Die Anfälligkeit des Dollars ist die geopolitische Achillesferse von Amerika, da die Rolle des Dollars als Leitwährung der internationalen Marktwirtschaft das politische Primat der Vereinigten Staaten untermauert. Wenn der Dollar diesen Status verliert, wird Amerikas Hegemonie buchstäblich unbezahlbar werden.

Der Pax Americana beginnt bereits langsam zu zerfallen

In den kommenden Jahren werden die Vereinigten Staaten dazu gezwungen sein, den Dollar zu schützen, indem sie weiter zunehmende Inflation verhindern. Steuern müssen erhöht und Ausgaben gekürzt werden. Da ein Großteil der amerikanischen Steuergelder in den Verteidigungsetat fließt, werden massive Einsparungen beim Militär unabdingbar sein. Angesichts dieser Tatsachen könnte die globale Hegemonialstellung schon bald unattraktiv werden. Die USA werden dann gezwungen sein, sich strategisch einzuschränken und sich wieder vermehrt auf das eigene Land zu konzentrieren. Es wäre das Ende des Pax Americana.

Die momentane internationale Weltordnung basiert auf Strukturen, die von den USA nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Sie basiert zum Großteil auf der militärischen Überlegenheit und der Wirtschaftskraft der USA. Ein Rückgang der Vorherrschaft Amerikas bedeutet daher automatisch eine Verschiebung der machtpolitischen Konstellationen. Diese Entwicklung hat bereits begonnen. Der Pax Americana ist ein Relikt des 20. Jahrhunderts.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Florian Josef Hoffmann, Rupert Scholz , Elmar Theveßen.

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