Digital wird besser

Christophe Maire12.10.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Der deutsche E-Book-Markt steckt in den Kinderschuhen – noch. Mit einer neuen Generation von Lesegeräten wird das digitale Lesen gesellschaftsfähig werden. Den Tod des gedruckten Buches wird das aber nicht bedeuten.

Es gibt – gerade in Deutschland – in kulturellen Kreisen eine natürliche Skepsis gegenüber technischen Erneuerungen. Was wir in den letzten Monaten festgestellt haben, ist, dass die deutschen Verlage mittlerweile sehr offen sind gegenüber neuen Entwicklungen. Meiner Meinung nach ist das ein weiterer Beweis dafür, dass unsere Lesekultur sich relativ schnell digitalisieren wird. Ich schätze, dass in vier Jahren 20 Prozent der deutschen Bevölkerung einen E-Book-Reader haben werden. Wer viel liest, wird sich früher oder später einen Reader anschaffen, denn er bietet nur Vorteile. Was beim Lesen konsumiert wird, ist nämlich nicht Paperback oder Hardcover oder Leder, sondern der Inhalt des Buches. Das darf man bei aller Nostalgie und Tradition nicht vergessen.

Das unsterbliche Papier

Dem Papierbuch wird es aber auch in zehn Jahren noch sehr gut gehen. Unser Vision ist es, dass der E-Reader ein Buchkompagnon wird. Meiner Meinung nach müsste man mit jedem Papierbuch eine digitale Kopie bekommen – sodass man zu Hause immer noch sein schönes Bücherregal hat – und wenn man unterwegs ist, all diese Bücher auf seinem Reader mitnehmen kann. Gerade für Verlage stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob es das digitale Buch geben wird, sondern ob man an dieser Entwicklung partizipieren wird. Denn wenn sie sich passiv verhalten, droht eine Wiederholung dessen, was wir in der Musikindustrie erlebt haben. Ich nenne es den “iTunes-Effekt”: Verlust der Preishoheit und des privilegierten Zugangs zu den Kunden. Wir bei txtr bezeichnen unsere Zielgruppe als “serious readers”, also alle Leute, für die das Lesen wichtig ist. Das sind sowohl Leser, die viele Bücher mit in den Urlaub nehmen wollen, als auch Leute, die berufsbedingt sehr viel lesen müssen. Ebenso Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen und ein Medium brauchen, das zwar digital, aber für konzentriertes Lesen besser geeignet ist als der Computer. E-Reader “entschleunigen” und fördern die Konzentration – also ein Medium für anspruchsvolle Leser.

E- wie Einfach

Der entscheidende Unterschied zum Computerbildschirm ist, dass die heutige Generation von E-Book-Readern sich durch die E-Ink-Technologie von Computern und Smartphones abheben. Deren wesentliches Merkmal besteht darin, dass das Lesen weniger anstrengend für die Augen ist. Es handelt sich hier wirklich um “elektronisches Papier” – die neuen Reader werden so einfach handhabbar sein wie das gedruckte Buch. Bislang steckt der E-Book-Markt in Deutschland in den Kinderschuhen. Ich denke, um den Durchbruch zu erzielen, braucht es ein paar Voraussetzungen: zum einen die Einfachheit der Leseerfahrung; man sollte also keine Technikaffinität brauchen, um so einen E-Book-Reader zu benutzen; zum anderen, dass der Buchkauf kabellos möglich ist – beides Eigenschaften, die die E-Book-Reader, die man bisher in Deutschland kaufen konnte, nicht haben. In Zukunft wird die nächste Generation der E-Book-Reader sicherlich verstärkt für Zeitungen und Zeitschriften relevant. Als Medium, bei dem für Qualitätsinhalte noch Bezahlmodelle funktionieren. Außerdem wird man auf vernetzten Lesegeräten wie dem txtr Reader auch eigene Dokumente lesen und Texte bearbeiten können. Das ist mehr als ein bloßer Ersatz für Papier. Digitale Lesegeräte verbinden Leser, Autoren und Texte untereinander. E-Reader bedeuten also nicht das Ende der abendländischen Buchkultur, sondern den Beginn einer neuen Ära des Lesens. Denn die Grundfunktion, das Lesen selbst, wird immer im Vordergrund bleiben.

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