Die Rückkehr des Alphatiers

von Christoph Seils7.10.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Der designierte SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erinnert in seinem Auftreten an Altkanzler Gerhard Schröder. Doch mit dessen Basta-Stil wird er die SPD kaum retten können.

Leadership umschreibt die Fähigkeit von Führungspersönlichkeiten, Mitstreiter von den eigenen Zielen, Werten und Visionen zu überzeugen. Kooperationsbereitschaft braucht man dazu und Kommunikationstalent sowie die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen und die Motive anderer Menschen zu verstehen. Zugleich haben moderne Managementtheorien Abstand genommen von der alten Unternehmerpersönlichkeit, dem Patriarchen, der mit Sendungsbewusstsein und Durchsetzungsstärke, mit harter Hand und väterlicher Milde seine Interessen durchsetzt.

Das Zeitalter der Mauerblümchen?

Die deutsche Nachkriegspolitik wurde von autoritären und charismatischen Politikern geprägt, von Adenauer bis Kohl, von Wehner bis Schröder, von Genscher bis Fischer. Doch zuletzt hatten sich die Patriarchen in der Politik rargemacht. Merkel und Steinmeier waren in der Großen Koalition Manager der Macht, die weniger auf effektvolle Gesten setzten, sondern auf die möglichst geräuschlose Konsenssuche. Auch in den USA hat sich mit Barack Obama ein Präsident durchgesetzt, der auf ein modernes Führungskonzept baut, auf Authentizität und den Dialog mit seinen Anhängern. Der politische Leadership nicht als Top-down-Prozess begreift, sondern versucht, Menschen mitzunehmen und zu überzeugen. Doch jetzt scheint es, als betrete in Deutschland mit dem designierten SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel wieder ein politisches Alphatier die Bühne. Nicht zufällig erinnert dieser in seiner Statur und seinen Gesten, in seiner Rhetorik und seinem Führungsstil an Gerhard Schröder. Schließlich ist Gabriel ein Ziehsohn des letzten SPD-Kanzlers.

Gesucht: führungsstarkes männliches Alphatier

Dass bei der Suche nach einem neuen SPD-Vorsitzenden die Wahl auf Gabriel fiel, erscheint auf den ersten Blick sogar folgerichtig. Die SPD sehnt sich nach einem Retter, der angesichts der existenziellen Krise mutig voranschreitet und die Richtung vorgibt. Und so streitfreudig die Partei ist, so wenig ist sie in ihrer Geschichte mit Vorsitzenden klargekommen, die die innerparteilichen Auseinandersetzungen für die Partei produktiv machen wollten. Der intellektuelle Björn Engholm ist Anfang der 1990er-Jahre daran genauso gescheitert wie ein Jahrzehnt später der bürgerbewegte Matthias Platzeck, auch die Stärke des Exkanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier besteht nicht im Führen, sondern im Abwägen. Schröder und Müntefering waren andere Typen, sie wollten ganz nach oben und haben bei der Durchsetzung ihrer persönlichen Interessen wenig Rücksicht auf die Partei genommen. Sie waren zwar erfolgreich, haben die SPD aber zugleich dahin geführt, wo sie jetzt steht: am Abgrund. Was die SPD jetzt also braucht, ist alles andere als einen neuen politischen Patriarchen. Beim Wähler mag das vielleicht sogar ankommen, als Gegenpol zu der christdemokratischen Machtmanagerin Merkel. Aber die SPD wird sich mit einer Neuauflage von Schröders Basta-Stil nicht erneuern lassen. Sigmar Gabriel scheint dies zu spüren, er hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Nominierung durchaus Lernfähigkeit angedeutet, von Teamgeist gesprochen und von Zusammenarbeit, er will auf die Basis der Partei zugehen, will “zuhören” und um Vertrauen “werben”. Er will sogar die Mitglieder der Partei in inhaltliche Entscheidungen einbeziehen, Urabstimmungen über programmatische Fragen etablieren. Das kann alles wohlfeile Rhetorik sein, aber vielleicht ahnt Gabriel ja auch, dass er sich ändern muss, wenn er seine SPD wieder zukunftsfähig machen will. Ob er es auch kann, das ist eine ganz andere Frage.

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