Volkshochschulkurs UnternehmensgrĂŒndung

von Christoph Giesa3.02.2015Innenpolitik

Christian Lindner erklĂ€rt einem SPD-Landtagskollegen die Themen GrĂŒndung und Scheitern – und wird zum Internetstar. Aber Ă€ndert sich nun wirklich etwas?

Es dĂŒrfte das bisher meistgesehene Video eines Auszugs aus einer Debatte des Landtags in NRW sein – und eines der am meisten gesehenen politischen in der Geschichte der Bundesrepublik ĂŒberhaupt: Christian Lindners Antwort auf einen Zwischenruf eines SPD-Kollegen zum Thema GrĂŒnden – und Scheitern. Die Reaktionen haben den FDP-Vorsitzenden dabei unvorbereitet erwischt – ihm war nicht bewusst, wie sehr er mit seiner Rede offenbar den Nerv vieler Menschen getroffen hat.

Als jemand, der seit einiger Zeit selbststĂ€ndig tĂ€tig ist – und auch schon ein Unternehmen gegrĂŒndet und es wieder abgewickelt hat –, weiß ich allerdings, wie sich das anfĂŒhlt, wenn man “„scheitert“”:http://blog.christophgiesa.de/2012/12/vom-gescheiterten-versuch-ein.html. Ich weiß, wie es ist, mehr Zeit in die GrĂŒndungsbĂŒrokratie zu stecken als in den Unternehmenserfolg. Und ich weiß, dass es da draußen tatsĂ€chlich Menschen gibt, die einen scheitern sehen wollen – oder zumindest ĂŒberhaupt nicht nachvollziehen können, warum man diese Herausforderung auf sich nimmt, wenn man doch woanders abgesichert nach 40 Stunden pro Woche den Stift fallen lassen könnte. Und ja, auch ich wĂŒnsche mir, dass sich daran etwas Ă€ndert. Deutschland braucht eine neue GrĂŒnderzeit – und dafĂŒr bedarf es eben nicht nur der richtigen Infrastruktur und Regeln, sondern auch einer grĂŒnderfreundlichen Stimmung.

Die SPD scheint von den Worten der eigenen MinisterprÀsidentin wenig zu halten

Die Reaktionen auf Lindners AusfĂŒhrungen sind ein Statement, das die Politik nicht einfach ignorieren sollte. Es gibt in allen Parteien Menschen, die sich in der Szene auskennen – in manchen Parteien haben sie mehr zu sagen, in anderen weniger. Diesen mehr Raum zu lassen, sie ernster zu nehmen – wie die auch die Netzpolitiker ĂŒbrigens – mĂŒsste die erste Reaktion sein. Zumindest in der SPD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen hat man das aber offenbar noch nicht verstanden, versucht man es dort doch mit einem “Angriff auf Christian Lindner persönlich”:http://deinespd.de/2015/02/01/lindner-selbstgerechter-zorn/ – genau wie der traurige Zwischenrufer zuvor.

Man scheint dort von den Worten der eigenen MinisterprĂ€sidentin tatsĂ€chlich wenig zu halten. Noch dazu verheddert man sich auch noch in Falschaussagen zu Christian Lindners Biografie – die man mit etwas Recherche ohne Weiteres hĂ€tte vermeiden können. So wird von zwei UnternehmensgrĂŒndungen gesprochen, die beide „gescheitert“ seien. Dabei wird unterschlagen, dass das eine Unternehmen sieben Jahre lang erfolgreich tĂ€tig war – der selbst gekaufte “Porsche wĂ€hrend des Zivildienstes zeigt das deutlich”:http://www.welt.de/politik/deutschland/article13173580/Lindner-fuhr-mit-dem-Porsche-zum-Zivildienst.html. Mit der Wahl zum GeneralsekretĂ€r in NRW gab Lindner diese TĂ€tigkeit auf, hatte aber in der Zwischenzeit ein weiteres Start-up gegrĂŒndet, das in der Hochphase auch von einer Venture-Capital-Firma mit Wagniskapital ausgestattet wurde.

Pikante Aufdeckung? Eher der Neid

Diese Investmentfirma wiederum hatte sich nach gĂ€ngigen Bedingungen mit Geldern von der KfW eingedeckt, was damals alles andere als unĂŒblich war. Lindner selbst hatte also keinerlei direkte GeschĂ€ftsbeziehung mit der staatlichen KfW – was man in der SPD-Fraktion aber nicht zu verstehen scheint. Man spricht vielmehr von „pikanten“ EnthĂŒllungen, die darin bestehen sollen, dass man „aufdeckt“, dass Christian Lindner zum Zeitpunkt seiner Unternehmenspleite schon gut verdienender Landtagsabgeordneter war. Ja und? Sollen nur noch Beamte im Parlament sitzen? Sorry to say, aber der ganze Post riecht ziemlich gallig nach Neid. Und das ist ein GefĂŒhl, das ich gar nicht mag.

Übrigens scheiterten viele Unternehmen am Ende der „Dotcom-Blase“ an mangelnden Anschlussfinanzierungen. Und zwar durchaus auch welche, in deren einstmaligen GeschĂ€ftsfeld sich heute sehr erfolgreiche Unternehmen tummeln. Das scheint auch ein Grund dafĂŒr zu sein, dass der SPD-Wirtschaftsminister erst vor Kurzem die Fördermöglichkeiten ĂŒber das “EXIST-Programm aufgestockt und erweitert hat”:http://www.bmwi.de/DE/Presse/pressemitteilungen,did=674028.html. Er wĂŒrde dem Unternehmer Christian Lindner also vielleicht auch heute noch Geld ĂŒberweisen, in der Hoffnung, dass er im Erfolgsfall ein Vielfaches davon zurĂŒckzahlt und hochqualifizierte ArbeitsplĂ€tze schafft. In der SPD-Fraktion in NRW wĂŒrde man dann vermutlich wieder mit verkniffenem Gesichtsausdruck sitzen und auf ein Scheitern hoffen. Es ist und bleibt noch ein langer Weg hin zu einer echten GrĂŒnderkultur, da hilft auch der Erfolg von Christian Lindners Rede alleine nicht. Ein Anfang war es aber allemal.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen GeschÀfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die KlimaschĂŒtzerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche GeschĂ€fte.

"Ganz klar die AuslÀnderkriminalitÀt."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natĂŒrlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile UnterstĂŒtzer der Alternative fĂŒr Deutschland sind.

Der Rest der Welt hĂ€lt Deutschland fĂŒr verblödet

Deutschland ist nur fĂŒr kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, wĂ€hrend China, der grĂ¶ĂŸte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingerĂ€umt bekommen hat. Die politisch herbeigefĂŒhrte Verelendung der deutschen Bevölk

Die SPD tut eigentlich sehr viel fĂŒr die Menschen

Die Halbzeitbilanz entscheide ĂŒber den Verbleib der SPD in der GroKo, sagt die kommissarische Parteichefin Schwesig. Was sie weiter saghte, sehen Sie hier!

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die RealitĂ€t ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die ĂŒber Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte ParteifĂŒhrung diese Positionen in den letzten Jahren aber ĂŒber Bord

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darĂŒber, ob es eine allgemeine KlimaerwĂ€rmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu